Bombennacht: Felsberger erzählt Geschichte seiner Großeltern

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Nach unserem Bericht über die Kasseler Bombennacht 1943: Felsberger Heinz Körner erinnert sich an die Geschichte seiner Großeltern.

Felsberg-Gensungen/Kassel. "Als ich den Artikel über die Kasseler Bombennacht gelesen habe (lesen Sie HIER), dachte ich mir: So etwas Ähnliches hast du doch auch von deinen Großeltern", sagt Heinz Körner aus Gensungen, als er uns in der Redaktion besucht. Sein Mitbringsel ist ein Originaldokument aus der Schreckens-Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Menschen oft nur wenige Minuten blieben, um sich vor einem bevorstehenden Bomben-Hagel in Sicherheit zu bringen.

Es ist eine kleine Luftlagekarte, die in der damaligen lokalen Presse abgedruckt worden ist. An militärische Planquadratkarten war es zwar schwer heranzukommen, doch die Zeitungen fanden damals ihren Weg, um Menschen vor einer möglichen Feuer-Hölle zu warnen. "Auf der Karte steht ‘Ausschneiden und aufbewahren!’, das taten meine Großeltern auch", erzählt Körner.

An die Erzählungen seiner Großeltern und Mutter erinnert sich der Gensunger noch ganz genau. Und an die Fluchtwelle aus Kassel sowie das Aussiedeln von Kasseler Behörden aufs Land.

"Nicht nur in Kassel haben Menschen Schutz in Bunkern oder Kellern gesucht. Doch in den Dörfern haben die Menschen ihre Bunker notdürftigen Steinbrüchen selbst bauen oder Felsenkeller graben müssen", sagt der Rentner. Diese seien zwar einsturzgefährdet, doch die Angst vor den Bomben sei größer gewesen.

"Am Anfang des Krieges wurde alles verharmlost. Männer wurden  beispielsweise aufgefordert,  in den Häusern zu bleiben und sich mit Sandeimern auf Dachböden zu postieren", sagt er. "Sollte dann eine Phosphorbombe oder ein Blindgänger im Haus landen, sollten die Männer diese wieder runter werfen", erklärt Körner und lacht.

Auch Heinz Körners Großeltern und Mutter haben mit ihrer kleinen Karte und den Buchstaben-Codes, die sie dechiffrieren konnten, vor dem Radio gesessen. "Sie haben nur auf MU oder LU (Anm. d. Red. Melsungen  und Kassel) gewartet. Sobald die Kombination zu hören war, sind sie sofort in den Schutzraum gezogen."

Denn: Zwar sei der Schwalm-Eder-Kreis niemals direktes Ziel der britischen Flieger gewesen, doch es sei vorgekommen, dass Piloten sich verirrten und einzelne Bomben versehentlich, zu früh oder weil sie einfach übrig geblieben waren, über  der Region abgeworfen haben. Nur Körners Großvater blieb immer zurück. "Mein Opa lebte für sein Haus. Er sagte immer, wenn das Haus zerbombt würde, wolle er sterben. Es war sein Lebenswerk", erinnert sich der Gensunger.

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