Bleibt Borken Surfer-Ziel? Energiekonzern Uniper verkauft für 4,5 Millionen Euro seine Flächen – auch den Singliser See

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Dem Energiekonzern Uniper gehören neben dem Singliser See noch zahlreiche Acker- und Forstflächen, sowie einen Gutshof mit Mühle. Für die insgesamt 260 Hektar hat er nun keine Verwendung mehr und will sie noch in diesem Jahr verkaufen.

Doch es ist nicht allein damit getan, das Geld auf den Tisch zu legen. Ein touristisches Konzept soll ebenfalls vorgestellt werden.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Borkens Bürgermeister Marcel Pritsch-Rehm.

Borken-Singlis.Es braucht einen Investor mit dem nötigen Kleingeld: für 4,5 Millionen Euro gibt es den Singliser See zu kaufen. Mit dabei gibt es noch Acker- und Forstflächen sowie einen Gutshof mit Mühle – insgesamt 260 Hektar. Auf der Homepage von Engel & Völkers kann das als „Land- und Forstobjekt mit Entwicklungspotential“ angepriesene Exposé angefordert werden. Die Hamburger Immobilienfirma wurde vom Besitzer Uniper beauftragt, Kaufangebote einzuholen, denn der Energiekonzern will sich noch in diesem Jahr von allen Flächen trennen, die für konventionelle Kraftwerke vorgehalten waren. Als Nachfolger von Eon beziehungsweise der davor angesiedelten Preußen Elektra war Uniper gefordert, die Flächen zu behalten, falls das geplante Atomkraftwerk in Borken gebaut werden würde. Da dies nicht mehr passieren wird, hat der Energiekonzern keine Verwendung mehr für die Flächen.

Dabei gehe es nicht nur ums Geld, auch das Konzept des zukünftigen Eigentümers solle stimmen, darauf haben sich Uniper und die Stadt Borken geeinigt. „Nicht, dass das Gebiet in die Hand eines Einzelnen gerät, der nur Profitgier im Blick hat und das Areal der Öffentlichkeit entzieht“, so Borkens Bürgermeister Marcel Pritsch-Rehm im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir haben großes Interesse daran, mit Uniper zu einer vernünftigen Lösung zu kommen, damit die Stadt Borken weiterhin den See bewirtschaften kann und so der Öffentlichkeit erhalten bleibt.“ Derzeit hat die Stadt die Nutzungsrechte – der See steht vor allem bei Surfern hoch im Kurs, aber auch Badegäste kommen auf ihre Kosten. Ein Gastronom betreibt am Ufer ein Bistro. „Die Marinekameradschaft, Surfer und Taucher sowie die Bistrobetreiber wurden im Vorfeld über die Verkaufspläne informiert“, versichert der Bürgermeister. Ob und wie ein neuer Käufer die bisherigen Pachtverträge gestaltet, sei aber ungewiss.

Der See war schon länger Thema: Vor allem im Bereich der touristischen Vermarktung solle sich in den nächsten Jahren einiges tun, so der Plan Ende des vergangenen Jahres, als Uniper und die Stadt Borken schon einmal zu Gesprächen zusammengekommen seien. „Eine Pferderanch als touristische Attraktion war angedacht. Wir legten fest, dass die Flächen erst einmal nicht verkauft werden sollen“, so Pritsch-Rehm. Doch nun wurde der Druck seitens Uniper erhöht: die gesamte Fläche von 260 Hektar solle nun doch schnellstmöglich verkauft werden. Und dies auch nur als Gesamtpaket. Nach Angaben des Bürgermeisters werden Angebote von Investoren, nur einen Teil der Flächen zu erwerben, vom Verkäufer entschieden abgelehnt. „Ich kann verstehen, dass vor allem der Verkauf des Singliser Sees die Öffentlichkeit geschockt hat, da viele dachten, der See gehöre der Stadt.

Falls sich kein Investor findet, werden wir natürlich als Plan B versuchen, das Gebiet zu erstehen.“ Dafür plant Pritsch-Rehm, beim Regierungspräsidium anzufragen, ob solch eine sogenannte freiwillige Investition seitens des Regierungspräsidiums genehmigt werden würde. Denn die Gemeinde Borken operiert zurzeit mit einem Nothaushalt. „Wir würden dann versuchen, mit verschiedenen Investoren zusammenzukommen. Wenn Uniper letztendlich die Summe X erhält und die gesamte Fläche auf einen Schlag verkauft bekommt, stimmt der Konzern vielleicht doch einem Verkauf der einzelnen Flächen zu“, erhofft sich Pritsch-Rehm. Es soll schon einige Interessenten für das Gebiet geben, doch laut Aussage des Bürgermeisters kenne er keine Namen und hätte auch keine Informationen darüber, ob mehr als die veranschlagten 4,5 Millionen geboten werden. Bis Ende Juli werden Angebote entgegengenommen. Dann setzen sich Stadt und Uniper noch einmal an einen Tisch setzen und diese durchsehen. „Gemeinsam sollen so die Interessen der Stadt Borken bei der Verkaufsentscheidung berücksichtigt werden“, wünscht sich Pritsch-Rehm.

Zum Verkauf stehen

93,7 Hektar Singliser See

89,7 Hektar Forstfläche auf dem Dosenberg bei Uttershausen

72,9 Hektar landswirtschaftliche Flächen bei Gombeth und Singlis

2 Hektar Singliser Mühle

1,4 Hektar Mühlengraben

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