Borkens Bürger und Gäste waren auf Spurensuche

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In Borken fand für interessierte Bürger und internationale Gäste eine Zeitreise der besonderen Art statt.

Borken-Haarhausen. „Es ist beeindruckend und höchst erfreulich, dass so viele Bürger aus der Region Interesse an der Geschichte ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger haben“, freute sich Ofra Karo über die gute Resonanz der Führung über den jüdischen Friedhof in Haarhausen. Etwa 150 Teilnehmer ließen sich am Sonntag, 21. Mai, von den Experten Hans-Peter Klein, Melsungen, und Annette Willing vom Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg, den historischen Ort ausführlich erläutern. Auf ihm finden sich über 350 Gräber, die seit dem 16./17. Jahrhundert angelegt worden sind.

Außer der Israelitin Ofra Karo nahmen elf weitere ausländische Gäste – Nachfahren ehemaliger jüdischer Einwohner Borkens – an der Führung teil, die den Abschluss einer Veranstaltungsreihe zur jüdischen Kultur in Borken bildete. Am Donnerstag, 18. Mai, waren zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten 16 Stolpersteine in der Kernstadt und in Kerstenhausen verlegt worden. Im Anschluss führte der Musiker Dany Bober im Rathaus der Stadt Borken die Zuhörer auf eine „Jüdische Zeitreise“ durch mehrere Jahrhunderte jüdischer Kultur. Außerdem standen am darauffolgenden Freitag, eine Führung zur jüdischen Geschichte Kassels und, am Samstag, die „Nachtmeerfahrt“ des Kultursommers Nordhessen am Edersee auf dem Programm. Einer der bewegendsten Momente war der Besuch des Kasseler Bahnhofes, von dem aus die Deportationszüge in die NS-Todeslager losfuhren. Die Nachfahren hielten sich lange an dem Gleis auf, in das zahlreiche Namen deportierter Juden eingraviert sind – eine besonders beeindruckende Erinnerungsstätte. Spurensuche und Umgang mit der NS-Vergangenheit

Die Gustav-Heinemann-Schule beteiligte sich mit einer „Vorhabenwoche“ an der Stolpersteinverlegung und bot den ausländischen Gästen Gelegenheit über die Erlebnisse ihrer Vorfahren zu berichten. „Es ist wichtig, gerade der jungen Generation Wissen über die NS-Diktatur zu vermitteln, denn Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz sind keineswegs auf die Jahre von 1933 bis 1945 beschränkt“, erläuterte Dennis Aron aus Chicago, dessen Angehörige im Zweiten Weltkrieg im Zuge des Holocaust ermordet wurden. Gerade, wenn heute wieder rechtsradikales Gedankengut in Deutschland verbreitet wird, so Aron, sei es wichtig, dem von Anfang an entgegenzusteuern. „Wir wollen jungen Menschen Orientierung geben, damit sie auch in Zukunft nicht auf Rattenfänger, Populisten und rechtsradikale Parolen hereinfallen.“ Der US-Bürger lobte die Stadt Borken dafür, dass sie die Gelegenheit des diesjährigen Jubiläums zur Aufarbeitung der lokalen jüdischen Geschichte nutze. Bürgermeister Marcel Pritsch-Rehm dankte den ausländischen Gästen für ihre Stolpersteininitiative. Er sprach auch den deutschen Gästen seinen besonderen Dank aus, die mit ihrer großzügigen Spendenbereitschaft die Verlegung der Stolpersteine überhaupt erst möglich gemacht hatten. Pritsch-Rehm betonte, dass in Borken jahrhundertelang Juden gelebt und in diesem langen Zeitraum die Stadt in vielfacher Hinsicht geprägt haben. „Wir werden die Forschungen zu unseren jüdischen Mitbürgern vertiefen“, versprach der Verwaltungschef.

Die ausländischen Gäste, darunter der 94-jährige Harold Katz und seine 89-jährige Schwester, Ilse Goldsmith, reisten wieder ab – sicherlich mit positiven Erinnerungen an die Zeit in Borken. Dies gilt vor allem für Mrs. Goldsmith, die ihren 89. Geburtstag in ihrer einstigen Heimatstadt erlebte.

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