Gefahrenherd Wald: Brandrisiko und Baumsterben – Forstamt und Feuerwehr mahnen zu Vorsicht bei Aktivitäten

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Bei der aktuellen Trockenheit kann es schnell zu Waldbränden kommen. Aus diesem Grund mahnen Feuerwehren und Forst zu Vorsicht.

Feuerwehr und Forst schlagen Alarm! Hohe Temperaturen und die anhaltende Trockenheit sorgen für ein hohes Waldbrandrisiko. Experten appellieren an Waldbesucher, sich an Warnhinweise zu halten.

Nordhessen. Ob spazieren gehen oder den Puls bei einem lockeren Läufchen auf Touren bringen – wenn die Sonne unerbittlich und ohne jedes Wölkchen für Schweißperlen auf der Stirn sorgt, zieht es viele in die schattenspendenden Wälder der Region, um die Natur zu genießen und dem Hitzekollaps zu entgehen. Doch aktuell ist absolute Vorsicht in den Wäldern geboten.

So steigt mit den Temperaturen und der Trockenheit vor allem auch das Waldbrandrisiko. Wie verheerend die Auswirkungen sein können, wurde jüngst in Mecklenburg-Vorpommern deutlich. Hier war am Sonntag ein Waldbrand nahe der Kleinstadt Lübtheen ausgebrochen und hat für eine Katastrophe historischen Ausmaßes gesorgt. Ganze Ortschaften wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert – unter den Einsatzkräften war auch die Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal mit Wasserwerfern.

Viel trockenes Holz in den Wäldern

Auch in Hessen hat das Umweltministerium die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Und die Lage sollte nicht unterschätzt werden, wie Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar auf Nachfrage unserer Zeitung deutlich macht. „Die Wälder sind extrem trocken. Hinzu kommt, dass aufgrund der Hitzeschäden noch viel trockenes Holz in den Wäldern liegt.“ Dieser Umstand erhöhe das Waldbrandrisiko noch einmal deutlich.

Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar.

Dennoch sieht die Kreisbrandinspektorin die Wehren im Kreis gut gerüstet für den Ernstfall. „Die Führungskräfte der einzelnen Wehren wissen, was zu tun ist. Zudem stehen sowohl wir als auch die Kameraden in den Ortsfeuerwehren in ständigem Austausch mit den Forstämtern“, so Dittmar. Man habe Vorplanungen nach Landesvorgaben getroffen. „Wir sind gut vorbereitet, hoffen aber natürlich, dass es zu keinem großen Waldbrand kommt“, betont die Kreisbrandinspektorin.

Keine Glasflaschen oder Scherben liegenlassen

Am Mittwoch kam es bereits zu einem kleineren Schwelbrand im Markwald Beuerholz bei Felsberg. Der Brand auf einer Fläche von etwa sechs Quadratmetern wurde jedoch rechtzeitig entdeckt, und so konnte Schlimmeres verhindert werden.

Dittmar appelliert an den gesunden Menschenverstand der Waldbesucher. „Auch wenn bislang noch keine Waldflächen im Schwalm-Eder-Kreis gesperrt wurden, müssen die aktuellen Warnhinweise ernst genommen werden“, sagt Dittmar. So sollten Zigarettenkippen nicht achtlos weggeworfen, Glasflaschen oder Scherben nicht liegengelassen sowie Fahrzeuge nur auf offiziellen Parkplätzen abgestellt werden.

Neben der aktuell hohen Brandgefahr sei der Spaziergang im Wald aktuell allgemein sehr risikoreich. „Die Trockenheit hat den Wäldern so zugesetzt, dass der Borkenkäfer sich extrem ausbreiten konnte. Die Bäume sterben ab, und hier entsteht die Gefahr für die Waldbesucher“, sagt Petra Westphal, Leiterin des Forstamtes Melsungen auf Lokalo24-Nachfrage. Durch das Absterben passiere es schnell, dass Äste oder Kronenteile schon bei leichtem Wind zu Boden fallen – sogar ganze Bäume könnten fallen und so zur Gefahr für den Mensch werden.

Petra Westphal, Forstamtsleiterin in Melsungen.

„Wir sind momentan sehr mit den Schäden des vergangenen Dürre-Sommers beschäftigt, können aber nicht alle Gefahren gleichzeitig beseitigen“, erklärt die Forstamtsleiterin. Wie Kreisbrandinspektorin Dittmar hofft auch Westphal auf die Vernunft der Waldbesucher. „Viele meinen, sie könnten die Situation richtig einschätzen. Doch das kann gefährlich werden. Warnhinweise oder Absperrungen sind in der Vergangenheit leider oft missachtet worden“, so die Forstamtsleiterin.

Insgesamt sei das Problem des Baumsterbens und der Kampf gegen den Borkenkäfer eine Herkulesaufgabe, die den Forst noch lange beschäftigen werde. „Wir versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Das Baumsterben und der Borkenkäfer werden uns aber noch mindestens zwei bis drei Jahre beschäftigen“, macht Westphal deutlich.

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