Auf Spurensuche in Deute: Ulli Horstmann zog 1989 von Bremen nach Nordhessen – und brachte Kultur in den Gudensberger Ortsteil

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Wenn ein ehemaliger Bauernhof zur Kulturbühne wird.

Die Kulturstall-Wochenenden auf dem Löwenhof locken jedes Jahr zahlreiche Zuschauer in den Gudensberger Ortsteil Deute. Uns erzählte Initiator Ullrich Horstmann die Geschichte dazu.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Kulturstall-Gründer Ullrich Horstmann.

Gudensberg-Deute. Im Gudensberger Ortsteil Deute leben 918 Menschen. Einer von ihnen ist Ullrich Horstmann, von allen nur Ulli genannt. Er wohnt auf dem Löwenhof, einem ehemaligen Bauernhof, in dem heute der Kulturstall Deute seinen Sitz hat.

Bei Kaffee sowie Apfel- und Käsekuchen präsentierte er den Besuchern des Gudensberger Bürgerhauses bei der Veranstaltungsreihe ‘Menschen aus Gudensberg’ (siehe EXTRA INFO) kürzlich seine spannende Lebensgeschichte.

Als Ullrich Horstmann 1989 in den Gudensberger Ortsteil zog, ahnte keiner, dass er solch große kulturelle Spuren in Deute hinterlassen würde. „Es gibt nur zwei Gründe, in eine völlig fremde Gegend zu ziehen: Die Liebe oder der Beruf. Bei mir war es zweiteres“, erzählt Horstmann. Ihm wurde eine Stelle als Lehrer in Kassel angeboten. Da er auch bei Bremen in einer ländlichen Gegend gewohnt hatte, war für den 64-Jährigen klar, dass auch hier nur ein schöner Hof auf dem Land in Frage kam.

Von Bremen nach Deute

Auf seiner Suche traf er auf den ehemaligen Bauernhof und verliebte sich direkt in das 5.000 Quadratmeter große Anwesen. „Vielen Alt-Eingesessenen Deutern wird sicherlich die Frage aufkommen, warum er jetzt als Löwenhof bekannt ist“, merkt Horstmann zu Beginn seiner Lebensgeschichte an. Ursprünglich hieß das Gebäude Rösenhof – nach seiner damaligen Besitzerin. „Mir und meiner Frau war klar: Neue Leute, also muss auch ein neuer Name her. Da wir beide im Sternzeichen Löwe geboren sind, entschieden wir uns für Löwenhof“, erklärt der Wahl-Deuter.

Einmal im Jahr verwandelt sich der Löwenhof von Wahl-Deuter Ullrich Horstmann in eine Theaterbühne...

Dem Umzug nach Deute sah er mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich wusste nichts von den Nordhessen und wie sie mich aufnehmen würden“, erinnert sich Horstmann. Doch seine Zweifel waren schnell verflogen: „Kaum hatte ich mich in Deute eingerichtet, klopfte Helmut Pflüger an meine Tür und fragte, ob ich der Freiwilligen Feuerwehr Deute beitreten möchte. Ich wohne nur zwei Häuser von der Sirene entfernt – wenn ich davon eh aufgeweckt würde, könnte ich auch hingehen“, lacht Horstmann. So dauerte es nicht lange und er schloss mit vielen Bewohnern des Dorfes Bekanntschaft.

Feieridee Kulturstall

Im Jahr 1996 entstand auf einer Feier auf dem Löwenhof die Idee, das Gebäude des ehemaligen Bauernhofes für Kulturveranstaltungen zu nutzen. Seine Nachbarn, die Theatermusiker Christine Weghoff und ihr Mann Olaf Pyras, waren zu Gast und bewunderten den hergerichteten Stallboden in der Scheune. „Dies ist ein toller Ort für Kulturveranstaltungen“, waren sich alle Feiergäste einig.

Nach nur einem Jahr Planung und dank der guten nachbarschaftlichen Beziehungen füllte die neu gegründete Initiative Kulturstall Deute zum ersten Mal ein Wochenende mit kulturellem Leben. Seitdem findet jedes Jahr ein Kulturwochenende auf dem Deuter Hof statt. Angefangen hat es mit Konzerten und Open Air-Kino.

...Dank seiner Bemühungen locken die Kulturstall-Veranstaltungen zahlreiche Zuschauer in den Gudensberger Ortsteil.

Seit einigen Jahres steht die Laienspielgruppe unter Anleitung von Gerhard Fehn auf der Kulturstallbühne. Da der Regisseur und Tatort-Darsteller die Chance bekam, Direktor der Komödie Kassel zu werden, zog er 1999 in den Gudensberger Ortsteil Deute. „Alsbald entwickelte sich der Gedanke, an dieser Stelle Theater von Deutern für Deute ins Leben zu rufen“, erzählt Fehn.

Theater auf dem Löwenhof

Im Jahre 2001 wurde dann Shakespeare in Deute mit einem gemischten Ensemble aus professionellen Schauspielern und Deuter Amateurspielern auf der Bühne uraufgeführt. In den folgenden Jahren ging es weiter mit klassischen Stücken: Der Eingebildete Kranke, Der zerbrochene Krug, Bert Brechts Die Hochzeit, Das Sparschwein und Holzers Peepshow füllten die Stühle im Löwenhof.

„Die Theatertruppe ist inzwischen ein erfolgreicher Beitrag zur kulturellen Belebung in Nordhessen. Meine Frau Cécile und ich freuen uns über diesen Erfolg und sind natürlich auch stolz, diese Truppe ins Leben gerufen zu haben“, so Fehn begeistert.

Der Kulturstall Deute – mittlerweile selbst ein eingetragener Verein – wird von den Deuter Vereinen und der Stadt Gudensberg unterstützt und gefördert. So stellt die Stadt beispielsweise jedes Jahr eine Bühne. Die Veranstaltungen finanzieren sich aus den Eintrittsgeldern, „Gewinn ist uns nicht wichtig, es geht hierbei nur um Spaß“, erklärt Horstmann. Bis zu diesem Jahr leitete er als erster Vorsitzender die Organisation Kulturstall.

Allmählich fängt der 65-Jährige aber an, seine Zelte in seiner Wahlheimat abzubrechen. „Ich habe mich mit meiner Frau eingehend mit dem Thema älter werden beschäftigt. Der Löwenhof ist leider nicht barrierefrei. Wir werden weniger mobil sein und Deute bietet keine fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten“, bedauert Horstmann. Bei Gesprächen mit seinem Bruder und dessen Frau wuchs die Idee heran, zusammenzuziehen – allerdings in Bremen. „Ich werde aber mit Sicherheit vierteljährlich nach Deute zurückkommen, das hier ist mein Zuhause geworden.“

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