Dorf in Aufruhr: Geplantes Verkehrskonzept Beiseförth sorgt für Empörung

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Dipl. Ing. Yves Vogt (Mitte) stellte das Verkehrskonzept ausführlich vor und beantwortete Fragen. Auch Bürgermeister Herbert Vaupel (re.) stellte sich den Fragen der Bürger.

Am Montagabend, 8. April, gab es im Beiseförther Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ eine Bürgerversammlung. Grund war die Vorstellung des Verkehrskonzeptes.

VON MICHEAL BRÜCKMANN

Malsfeld-Beiseförth. Kein Sitzplatz war mehr frei am Montagabend, als der Vorsitzende der Gemeindevertretung Malsfeld, Reimund Schirmer, die Bürgerversammlung im Beiseförther Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ eröffnete. Grund der Einladung war die Vorstellung des „Verkehrskonzeptes zur Führung des Schwerlastverkehrs sowie des überregionalen Verkehrs im Korridor der Ortsteile Malsfeld, Beiseförth und Dagobertshausen“.

Die hohe Teilnehmerzahl war zu erwarten, erhitzt das Thema doch seit einiger Zeit die Gemüter und sorgt für Gesprächsstoff. Sogar eine „Interessengemeinschaft zum Schutz und Erhalt unserer dörflichen Struktur und Umwelt Malsfeld“ (IG) wurde von besorgten Einwohnern gegründet (wir berichteten). Die Mitglieder und viele weitere Interessierte wollten Informationen und einen Dialog mit der Gemeinde – und beides sollten sie an diesem Abend bekommen.

Den Anfang machte an diesem Abend Dipl. Ing. Yves Vogt von der Firma Oppermann. In seinem rund einstündigen Vortrag ging er ausführlich auf die Besonderheiten der Ortslagen von Malsfeld, Beiseförth und Dagobertshausen und den sich daraus ergebenden Herausforderungen für die angestrebte künftige Verkehrskonzeption ein.

Bildergalerie: Vorstellung des Verkehrskonzeptes in Beiseförth

 © Brückmann
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„Um ein solches erstellen zu können, haben wir zunächst viel Zeit und Mühe in die Beobachtung der gegenwärtigen Verkehrsströme investiert, um so wichtige Anhaltspunkte für die erforderlichen Veränderungen zu erhalten. Bei den sich daraus ergebenden Überlegungen wurden dann auch die Aspekte Umweltschutz und Maßnahmen zum Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer einbezogen“, erklärte der Konzeptentwickler.

Vogt und sein Team seien bemüht gewesen, die notwenigen Eingriffe so gering wie möglich zu halten. „Dennoch räume ich ein, dass es an der ein oder anderen Stelle Veränderungen geben kann, die nicht jedem gefallen werden. Aber ich denke, dass sich so etwas bei einem Großprojekt nie ganz ausschließen lässt“, sagte Vogt.

Im Anschluss an die ausführliche Vorstellung des Konzeptes und die Beantwortung des von der IG Malsfeld im Vorfeld eingereichten Fragenkatalogs, waren die Bürger vor Ort an der Reihe. Sie durften ihre Fragen stellen sowie ihren Ärger und ihre Bedenken vortragen. Und diese Möglichkeit nutzten sie. Eine davon lautete, inwieweit die Einhaltung der innerörtlichen Änderungen (Einbahnstraßen, Durchfahrtverbote, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Halteverbote usw.) überprüft und gegebenfalls auch bestraft werden. Dabei verwiesen die Bürger auf das bereits heute schon bestehende Problem von unerwünschten „Abkürzern“ sowie regelmäßigen Geschwindigkeitsübertretungen an markanten Stellen. Viele Bedenken gab es auch zu Themen, wie etwa der Sicherheit im Bereich von Bushaltestellen, Lärmschutzmaßnahmen, Entschädigungsansprüche bei Gebäudeschäden infolge von Erschütterungen durch den Schwerlastverkehr, Begegnungsverkehr durch irritierte LKW-Fahrer, der Tragfähigkeit der Beisebrücke oder den entstehenden Kosten für das Gesamtprojekt.

Direkt von der geplanten neuen Verkehrsführung betroffen: der Beiseförther Raumausstatter Bruno Stransky.

Argumente, die Bürgermeister Herbert Vaupel durchaus nachvollziehen konnte: „Sie können mir glauben, dass sich die Gemeindevertretung nicht darum gerissen hat, ein Verkehrskonzept erstellen zu müssen. Aber wir haben wirklich versucht, möglichst allen Interessen gerecht zu werden. So etwa durch die Gestaltung der Verkehrswege ohne gravierende Eingriffe in die Natur.“

Vor allem aber seien laut Bürgermeister die Schutzinteressen der Bewohner der Ortsteile berücksichtigt – unter anderem durch den Ringverkehr, wodurch deutlich weniger LKW die Ortsteile passieren würden, so Vaupel.

„Ich bitte allerdings auch um Verständnis, wenn bei solchen umfangreichen Planungen nicht sofort an alles gedacht wurde, dafür sind wir alle nur Menschen. Viele der vorgetragenen Aspekte erscheinen daher absolut plausibel. Aber ich sage auch, dass wir bei erkennbaren Problemen nachbessern können und das natürlich auch werden“, betonte das Gemeindeoberhaupt. Die voraussichtlichen Kosten für das Verkehrskonzept bezifferte der Bürgermeister auf rund 960.000 Euro und verneinte zugleich die Frage, ob die Bewohner mit besonderen Lasten, wie etwa Straßenausbaubeiträgen, zu rechnen haben. Nach knapp zweieinhalb Stunden Information und intensiver Diskussion schloss Reimund Schirmer die Bürgerversammlung.

Das sieht das Verkehrskonzept vor

Das Konzept sieht vor, den Schwerlastverkehr in einem Ringverkehr, unterstützt durch eine ganz spezielle Ausschilderung, zu ihrem jeweiligen Ziel zu führen, ohne dass es unterwegs zum Begegnungsverkehr mit anderen LKW kommt. Anhand einer Kombination von Richtungspfeilen und Farbmarkierungen werden die LKW zu ihrem Fahrtziel geleitet. Als weitere Lösungsansätze zur Erhöhung von Verkehrssicherheit und -führung kommen nach Angaben des Konzeptentwicklers Maßnahmen wie z. B. Geschwindigkeitsreduzierungen, Änderungen von Fahrbahneinengungen, neue Vorfahrts- und Einbahnstraßenregelungen oder auch Durchfahrtsverbote (Anlieger und Lieferverkehr frei) in Betracht.

Anhand einer Kombination von Richtungspfeilen und Farbmarkierungen sollen die LKW zu ihrem Fahrtziel geleitet werden.

Nicht mit Ruhm bekleckert

Zwischenruf von Ulf Schaumlöffel

Bei der Bürgerversammlung am Montagabend platzte der große Saal vom „Goldenen Löwen“ fast aus den Nähten. Kein Wunder, denn die geplante Verkehrsänderung bringt so manchen Einwohner von Beiseförth auf die Palme. Die Gemeinde versetzt mit ihren Plänen ein ganzes Dorf in Aufruhr. Und all das nur, weil die politischen Gremien der Gemeinde eine Vorentwurfsplanung zum „Sondergebiet Hygiene“ abgesegnet haben, ohne ein geeignetes Verkehrskonzept dafür zu haben. Oder anders gesagt: Es wurde der zweite Schritt vor dem Ersten getätigt. Die Politiker haben sich bei der Planung wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Im Gegenteil: Die Beiseförther und die Bewohner der umliegenden Dörfer dürfen ihre Entscheidung nun ausbaden!

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