Dorla: Schafhalter empört sich über Förderkonzept zur Wolfsrückkehr

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Schafhalter Dr. Karsten Heyner aus Gudensberg-Dorla kritisiert das Förderkonzept des Landes Hessen zum Schutz vor Wölfen in einem Brief an die Umweltministerin.

Gudensberg-Dorla. Schäfer Dr. Karsten Heyner kennt jedes seiner Tiere mit Namen. Schaf Adriana blökt jedes Mal fröhlich, wenn sie ihn sieht. Der Landwirt betreibt in Gudensberg Dorla den Landhof Heyner. Unter dem Motto „Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben“ kümmert er sich jeden Tag um Wiesen, Weiden sowie seine Schaf- und Ziegenherde. Deshalb ist es ihm wichtig, seine geliebten Tiere vor dem Wolf zu schützen.

Der wird über kurz oder lang auch wieder in Hessen heimisch, bestätigte Dagmar Rothhämel, Mitarbeiterin beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Kassel bereits im Mai im Gespräch mit unserer Zeitung. „Noch zählt Hessen als Wolfserwartungsland. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich das erste Wolfsrudel auch bei uns niederlässt.“

Aus diesem Grund hat das Land Hessen jüngst ein Förderprogramm für Schaf- und Ziegenhalter aufgelegt, um präventive Maßnahmen zum Schutz vor dem Wolf ergreifen zu können. Auch Schafhalter Heyner wurde vom Kreis über das Förderprogramm des Landes informiert. Doch das Angebot, das als Hilfe für Weidetierhalter gedacht ist, sorgt bei dem Dorlaer für Empörung: „Ich empfinde das Angebot als provozierend und verachtend gegenüber dem ganzen Berufsstand.“

Kurzerhand beschließt er, der hessischen Umweltministerin Priska Hinz in einem Brief seine Meinung zu diesem Förderprogramm mitzuteilen. In dem Schreiben vom Land Hessen heißt es, dass nur Flächen, die landwirtschaftlich als Weide genutzt werden und mindestens 3,6 Hektar groß sind, gefördert werden.

Im Gegenzug müssen die Weidetierhalter täglich ihre Zäune kontrollieren und in einer Art Weidetagebuch dokumentieren. Ebenso soll ein Zaun mit „Untergrabschutz“ gebaut werden. Dafür würde der Landwirt eine Prämie pro geförderter Weidefläche in Höhe von 14 Euro pro Hektar erhalten.

Eine Mindestflächengröße von 3,6 Hektar sieht er als „albern“ an: „Der Wolf bewegt sich ja nicht nur auf Flächen mit diesem Schutzstatus.“ Heyner meint: „Die Förderung an eine Weidengröße zu koppeln, macht deshalb überhaupt keinen Sinn.“ Am provozierendsten findet der Landwirt die Vergütung von 14 Euro pro Hektar. „Das wird dem Arbeitsaufwand in keiner Weise gerecht.“

In seinem Betrieb sei die Schafherde circa 110 Tage in der Saison auf der Weide. Für seine tägliche und konkrete Zaunkontrolle braucht er zwischen einer und anderthalb Stunden. „Würde man Aufwand und Vergütung gegenüberstellen, käm man nicht mal auf den Mindestlohn“, sagt Heyner.

Sein Vorschlag: Das Land Hessen sollte Informationsschreiben an alle Schaf- und Ziegenhalter senden mit der Empfehlung, ihre Tiere zu schützen und dem Angebot, der finanziellen Unterstützung dabei.

Vor der Rückkehr des Wolfes in Nordhessen fürchtet sich der Schafzüchter nicht. Im Gegenteil: „Der Wolf hat ein Recht, hier zu sein. Aber: Er muss auch erstmal herkommen. Und dann sehen wir, was passiert.

EXTRA-INFO: Das sagt das Umweltministerium zum Förderprogramm

Auf Nachfrage unserer Zeitung hat Franziska Richter, stellvertretende Pressesprecherin im Hessischen Umweltministerium, Stellung zum Thema bezogen:

„In Hessen sind aktuell keine Schäden an Nutztieren zu verzeichnen, es werden aber jährlich 50.000 Euro im Förderprogramm HALM H.2 zur Verfügung gestellt, um damit über die landwirtschaftliche Förderung die Tierhalterinnen und Tierhalter beim Herdenschutz finanziell zu unterstützen und den Mehraufwand für Zaunkontrollen auszugleichen. Denn funktionierende Elektrozäune bieten einen praktikablen und funktionierenden Schutz, sie müssen aber auch regelmäßig kontrolliert werden. Dieser Mehraufwand wird über HALM H.2 gefördert. [...]

Der Schutz von Weidetieren – auch gegen äußere Einflüsse und Beutegreifer – ist eine bereits bestehende Verpflichtung der Tierhalter, dazu gehört auch die tägliche Kontrolle der Tiere und Zäune. Die Kalkulation des Fördersatzes bezieht sich also lediglich auf die gebotene, zusätzliche Aufmerksamkeit und Sorgfalt aufgrund der Tatsache, dass derzeit in Hessen einzelne, durchziehende Wölfe vorkommen können. Mindest-Flächengrößen und Mindest-Förderbeträge sind so kalkuliert, dass der Verwaltungsaufwand den Förderbetrag nicht übersteigt. [...]

2014 hat das Land Hessen die Agrarumweltförderung erweitert und um mehr als 40 Prozent aufgestockt. [...] Der auf schaf- und ziegenhaltende Betriebe entfallende Anteil dieser Fördergelder konnte im Vergleich zur vorherigen Förderperiode nahezu verdoppelt werden. [...]

von Vanessa von Lengerken

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