Echt Scha(r)f: Ein junges Paar aus Nenterode züchtet Kamerunschafe

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Vanessa Eckhardt mit Zuchtbock Marko (re.) und Attila. Auch die beiden bestehen auf ihren Streicheleinheiten. Jack Russell Terrier Hannes trägst mit Gelassenheit – er hat entspanntes Verhältnis zu den Kamerunschafen und sie zu ihm auch.
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Am kommenden Samstag ist Tag des Kamerunschafes – alle Interessierten sind auf den Eckhardt‘schen Hof in Nenterode

Knüllwald-Nenterode. Alles begann im Juni 2016. Vanessa und Ingo Eckhardt waren gerade stolze Besitzer von vier Kamerunschafen geworden. Vanessa Eckhardt erinnert sich: „Die Mädels waren anfangs so schreckhaft, dass Anfassen unmöglich war.“ Inzwischen sind rund drei Jahre vergangen in dem kleinen Dörfchen Nenterode, das zur Gemeinde Knüllwald gehört und neben Rengshausen liegt. Aus den einst vier Schäfchen, die anstatt eines Woll- ein Fellkleid tragen, sind inzwischen 23 geworden – Tendenz steigend. Die nächsten Lämmchen sind für Januar „geplant“. Aktuell befindet sich jeweils einer der beiden Böcke gemeinsam mit sechs Auen (weibliches Mutterschaf) auf einer Weide – um für weiteren Nachwuchs zu sorgen.

Schwieriger Start wegen Maedi-Visna

Dabei war der Start ins Schafzüchterleben durchaus kompliziert. „Die ersten vier Schafe, die wir gekauft haben, waren leider mit dem Maedi-Visna-Virus infiziert“, erzählt Ingo Eckhardt, „das wussten wir aber zu dem Zeitpunkt nicht. Das stellte sich erst später heraus.“ „Der Maedi-Visna-Virus ist mit dem HI-Virus beim Menschen vergleichbar“, erklärt Vanessa Eckhardt. Problem: Wenn das kranke Tier lammt, ist das Junge auch mit dem Maedi-Visna-Virus infiziert, sobald es von der Muttermilch trinkt.

„Wir mussten also die Lämmer, sobald sie auf der Welt waren, sofort von der Mutter trennen, und sie mit der Flasche aufziehen“, erzählt Vanessa Eckhardt, „teilweise haben wir 24-Stunden-Schichten geschoben, um nur ja nicht die Geburt zu verpassen. Und auch die Flaschenaufzucht war sehr zeitintensiv.“ Inzwischen ist der Eckhardt‘sche Hof Maedi-Visna frei. „Das Ergebnis der letzten Blutuntersuchung kam vor zwei Wochen“, sagt Ingo Eckhardt, „und es bescheinigt uns, dass keines unserer Schafe mehr den Maedi-Visna-Virus in sich trägt. Worüber wir natürlich unendlich froh sind.“

Für die Zucht gab‘s viele Gründe

Die Idee, die hinter der kleinen Schafzucht steckt, kam Ingo Eckhardt vor rund vier Jahren. „Eigentlich waren es mehrere Gründe, die uns zu Schafzüchtern werden ließen“, lacht der 35-jährige Straßenbauer. „Zum einen hatten schon Eltern, Großeltern und Urgroßeltern eine kleine Landwirtschaft, deren Betrieb wir in irgendeiner Form aufrechterhalten wollten. Zweitens kann man mit Schafen sehr gut Landschaftspflege betreiben – auch hier in und um Nenterode. Und nicht zuletzt hatten wir natürlich auch die Fleischgewinnung im Kopf.“

Vanessa, die ausgebildete Pferdewirtin ist, aber als PTA in einer Apotheke arbeitet, ergänzt: „Das ist natürlich nicht ganz einfach. Zu vielen Schafen haben wir inzwischen so etwas wie ‘persönliche Beziehungen‘ aufgebaut – das kam auch durch die Flaschenaufzucht. Alle Tiere haben beispielsweise Namen. Dennoch wollen wir auch schlachten. Das allerdings so stressfrei wie irgend möglich – nur bei uns auf dem Hof, ohne dass das Tier transportiert werden muss.“ Das Fleisch sei ein Hochgenuss schwärmen beide unisono. „Man kann quasi alles verarbeiten“, sagt die Züchterin, „es werden Keulen, Braten, Rippchen, Schinken, Steaks gemacht“. Und Ingo Eckhardt ergänzt: „Geschmacklich befindet sich das Fleisch so zwischen Wild und Rind – es schmeckt nicht wie normales Schaf.“

Am Samstag ist Tag des Kamerunschafes

Wer mehr über Kamerunschafe oder den Eckhardt‘schen Hof in Nenterode erfahren möchte, hat am kommenden Samstag, 28. September, Gelegenheit dazu: Dann findet Am Gläserbach 7 der Tag des Kamerunschafs 2019 statt. Ein Tag, an dem sich viele Kamerunschafzüchter in Nenterode treffen, um sich auszutauschen oder Fachvorträgen zu lauschen. „Es ist aber auch ein Tag, an dem wir der breiten Öffentlichkeit die Kamerunschafzucht näher bringen und erklären möchten“, sagt Vanessa Eckhardt, „alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.“

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EXTRA KURZ

Robustes Nutztier mit angenehmen Sozialverhalten

Das Kamerunschaf ist eine Nutztierrasse aus Westafrika und gehört zur Rasse der Haarschafe. Viele Leute halten es eher für eine Ziege, denn es sieht den üblichen Wollschafe nicht sehr ähnlich. Statt Wolle trägt es ein dichtes Haarkleid. Das Kamerunschaf muss nicht geschoren werden.

Kamerunschafe sind sehr fruchtbar. Die weiblichen Schafe können erstmals im Alter von zehn bis 14 Monaten lammen. Die Tragzeit beträgt 150 Tage.

Lämmer, die zwischen fünf und acht Monaten geschlachtet werden, bringen ausgeschlachtet zwischen zehn und 16 Kilogramm auf die Waage. Das Fleisch ist äußerst wohlschmeckend und ähnelt mehr dem Wildbret als dem gewohnten Lammfleisch.

Kamerunschafe sind robuste und auch in unseren Breiten wirtschaftliche Nutztiere. Ihr angenehmes Sozialverhalten trägt zusätzlich dazu bei, dass man ihnen gerne und oft zuschauen mag.

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