Edermünder Brauscheune macht dicht – am Sonntag gab’s die letzten Schoppen

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Nach fast 20 Jahren hören Irene und Karl-Friedrich Klitsch auf. „Aus gesundheitlichen und betrieblichen Gründen“, wie es offiziell heißt. Wir werfen einen Blick zurück auf die Geschichte der Haldorfer Kult-Gaststätte.

Edermünde-Haldorf. Das war ein tränenreicher Abend in der Edermünder Brauscheune. Als sich dort am vergangenen Sonntag gegen 20.30 Uhr Servicekraft Florian nach getaner Arbeit von Inhaber Karl-Friedrich, genannt „Karle“, Klitsch verabschiedete, verdrückten beide ein paar Tränen. Denn es war quasi ein Abschied für immer. Die Brauscheune macht dicht. Schluss. Aus. Ende. Vorbei.

„Traurig, traurig“, meint Stammgast Roland, „das ist das Ende eines Kultgasthauses, einer Institution.“ Und er nimmt noch einmal einen seiner letzten Schlucke aus dem schönen Brauhaus-Henkelglas, in das Karle Klitsch das selbstgemachte Bier gezapft hat. Helles, Dunkles, Märzen, Maibock, helles und dunkles Weizen, Weizenbock hat er gebraut. Er, der das Brauen von der Pike auf gelernt hat. Das war 1971 bei der Herkules-Brauerei in Kassel mit dem Standort am damaligen Kleinen Kreisel. Herkules wurde von Binding übernommen und der gebürtige Oberzwehrener Klitsch machte seinen Braumeister. Und arbeitete bei Binding, bis die Frankfurter Brauerei 1999 den Standort Kassel aufgab.

Nicht aufgegeben hat Karle Klitsch. Gemeinsam mit Ehefrau Irene und seinem Binding-Arbeitskollegen und Freund Wolfram Geipel aus Ellenberg bauten sie – mit großer Unterstützung von Freunden und der Haldorfer Bevölkerung – die Scheune von Krugs Hof um und aus. und eröffneten schon am 28. April 2000 „ihre“ Edermünder Brauscheune.

Es folgten ereignisreiche Jahre – mit an heißen Sommertagen brechend vollem Biergarten, mit Schnepperessen, mit Live-Musik von Looking-Back oder Sixtyfour, mit Brauereiführungen, und, und, und...

Doch all das ist jetzt Geschichte. Auf den Tag genau nach 19 Jahren schließen Irene und Karle ihre „Kneipe“ ab. „Aus gesundheitlichen und betrieblichen Gründen schließen wir die Brauscheune zum 29. April 2019. Wir danken allen Gästen für die Jahre! Karl und Irene Klitsch“, steht auf einem Plakat, das am Eingang hängt. Karle Klitsch wird in diesem Jahr 63 Jahre alt und Ehefrau Irene ist auch schon 65. „Das alleine ist es aber gar nicht“, sagt Klitsch, „es wird immer schwieriger, kompetentes, freundliches, flexibles und arbeitswilliges Personal zu finden.“ Hinzu käme, dass sich der Brauscheunen-Koch bereits seit zwei Jahren in Elternzeit sei. „Das macht es auch nicht leichter“ so der Braumeister.

Und ein Nachfolger ist leider nicht in Sicht. „Die Töchter haben beide ihren eigenen Weg eingeschlagen“, erzählt Karle Klitsch, „und sie stehen erfolgreich im Berufsleben – was will man mehr?“ Noch am Samstagmorgen hatte Klitsch ein Gespräch mit einem potentiellen Interessenten. „Allerdings haben sich meine letzten Hoffnung auf eine Übernahme leider zerschlagen“, sagt der Haldorfer traurig, „falls aber doch noch jemand Interesse haben sollte, kann er sich gerne mit mir in Verbindung setzen.“

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