Edgar Franke ist neuer Opferbeauftragter der Bundesregierung – wir sprachen mit ihm

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Ist neuer Opferbeauftragter der Bundesregierung: Der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Edgar Franke (Gudensberg).

Franke: „Ich werde als Kontaktvermittler zu allen mit einem Terroranschlag befassten Behörden des Bundes und der Länder dienen und Unterstützung vermitteln.“

Von KARSTEN KNÖDL und JULIAN KLAGHOLZ

Gudensberg/Berlin. Seit Mittwoch ist Dr. Edgar Franke neuer Opferbeauftragter der Bundesregierung. Er wird damit Nachfolger von Kurt Beck, dessen Amtszeit am 31. März endete. Wir sprachen mit dem 58-jährigen Gudensberger, der seit 2009 für die SPD im Bundestag sitzt.

Herr Franke, seit Mittwoch sind sie neuer Opferbeauftragter der Bundesregierung. Kam die Ernennung für Sie überraschend? Oder präziser gefragt: Wie kam es zur Ernennung? 

Franke: Überraschend? Naja, es war ja bekannt, dass man einen Nachfolger für Kurt Beck brauchen würde. Und sicherlich angesichts meiner Vita und möglicherweise auch wegen meines Alters – ein 35-jähriger Opferbeauftragter ist nur schwer vorstellbar – kam man auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, diesen Posten zu bekleiden.

Wer kam auf sie zu?

Franke: Unter anderem Andrea Nahles und natürlich auch Justizministerin Katarina Barley – denn der Posten des jetzt neu geschaffenen ständigen Opferbeauftragten ist ja im Justizministerium organisatorisch angesiedelt.

Warum denken sie, dass sie für diesen Posten die richtige Besetzung sind?

Franke: Wie bereits erwähnt ist Sozialrecht mein Spezialgebiet. Ich war als Fachgruppenleiter „Öffentliches Recht“ beim Bundesverband der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand tätig und bin Gründungsrektor der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung in Bad Hersfeld.

Daneben glaube ich, dass ich auch über die entsprechende Lebenserfahrung und Menschenkenntnis verfüge, um Menschen helfen zu können. In zehn Jahren als Bürgermeister von Gudensberg entwickelt man ein Gefühl für Menschen. Ich denke, dass ich bereits genug vom Leben gesehen habe, um diesen Posten auszufüllen.

Ihr Vorgänger war Kurt Beck. Inwieweit werden sie dessen Arbeit fortsetzen, beziehungsweise was wird sich mit ihnen als Opferbeauftragter ändern? 

Franke: Kurt Beck war ja Beauftragter der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz. Diese Aufgabe hat Kurt Beck auf menschliche Weise und mehr als verantwortungsbewusst wahrgenommen. Nicht zuletzt hat er für die Opfer dieses Anschlags höhere Entschädigungen und einen sensibleren Umgang mit den Angehörigen gefordert.

Mein Aufgabenfeld ist erheblich weiter gefasst. Ich werde zentraler Ansprechpartner für alle Anliegen der Betroffenen von terroristischen inländischen Straftaten sein. Im Falle eines hoffentlich nicht eintretenden Terroranschlags wird es – unbeschadet der bestehen bleibenden Zuständigkeiten der Länder – meine Aufgabe sein, mich um die Opfer und Hinterbliebenen zu kümmern. Ich werde als Kontaktvermittler zu allen mit einem Terroranschlag befassten Behörden des Bundes und der Länder dienen und Unterstützung vermitteln.

Herr Franke, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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EXTRA INFO (1)

Der Opferbeauftragte

Die Stelle des Opferbeauftragten wurde nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz geschaffen. Am 19. Dezember 2016 war der islamistische Terrorist Anis Amri mit einem gestohlenen Sattelzug in eine Menschenmenge gefahren und tötete dabei zwölf Menschen – etwa 100 weitere wurden verletzt.

Die Bundesregierung ernannte daraufhin Kurt Beck (ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz) zum Beauftragten für die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlages in Berlin. Becks Arbeit als Opferbeauftragter war bis zum 31. März 2018 befristet.

 Am vergangenen Mittwoch wurde der Gudensberger Dr. Edgar Franke zum neuen und erstmals ständigen Opferbeauftragten der Bundesregierung ernannt.

Die Stelle ist im Justizministerium organisatorisch angesiedelt. Anders als sein Vorgänger Beck, ist der Gudensberger zentraler Ansprechpartner für Anschläge dieser Art im gesamten Inland.

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EXTRA INFO (2)

Jurist und Gesundheitspolitiker

Franke sitzt seit 2009 für die SPD im Bundestag und ist dort Mitglied des Gesundheitsausschusses. Geboren wurde Franke 1960 in Gudensberg.

Nach Abitur (auf der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel) und Zivildienst (beim Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt in Kassel), studierte er Politik- und Rechtswissenschaft in Marburg und Gießen und absolvierte das 1. juristische Staatsexamen mit Prädikat an der Justus-Liebig-Universität Gießen und das 2. juristische Staatsexamen am Landgericht in Kassel.

Danach war Franke zunächst in einer Rechtsanwaltskanzlei und anschließend als Fachgruppenleiter „Öffentliches Recht“ beim „Bundesverband der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand“ tätig. Er war Gründungsrektor der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung in Bad Hersfeld.

Von 1999 bis 2009 war Franke hauptamtlicher Bürgermeister von Gudensberg.

Edgar Franke ist verwitwet und hat zwei Töchter.

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