Eigene Verkehrsschilder für gefiederte Anwohner in Niederurff

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Zwei dieser Schilder im Ort Niederurff sollten auswärtige Verkehrsteilnehmer auf die Enten aufmerksam machen. Fotos: Chociaj

Um ihre gefiederten Anwohner vor ortsfremden Pkw-Fahrern zu schützen, stellten Niederurffer illegale Verkehrsschilder im Ort auf.

Bad Zwesten-Niederurff. Hier ist die Welt noch in Ordnung: In dem kleinen Ort Niederurff leben 450 Einwohner und 21 Enten. "Der Nachwuchs hat  es ungeschützt in freier Wildbahn gar nicht so einfach", erzählt Gerhard Metz, Anwohner der Gemeinde. Vor zehn Jahren war er derjenige, der von einem Bekannten ein Paar Wildenten erhielt. Aus diesem Paar wurde eine große Entenfamilie. Die Tiere werden mittlerweile vom ganzen Dorf versorgt und gerne bremsen Autofahrer für sie. "Dabei erinnere dieser Zustand leicht an die 50er Jahre, als in ländlichen Regionen viele Nutztiere, wie beispielsweise Hühner oder Enten, quer durch Dörfer huschten", so Bürgermeister Michael Köhler.

Um die quakenden Dorfmitglieder künftig vor ortsfremden Autofahrern besser schützen zu können, entschieden sich einige Bewohner, Schilder anzubringen, um auf die freilaufenden Federtierchen aufmerksam zu machen. Immerhin wurden dieses Jahr schon zwei tot gefahren. "Die Enten sind seit Jahren fester Bestandteil der Gemeinde. Klar, ist es natürlich, dass sich ihre Zahl dezimiert, aber ein anonymer Entenfan hat diese zwei Schilder gespendet, damit Verkehrsteilnehmer künftig vorsichtiger durch unser Dorf fahren und auf die kleinen Tiere achten",  so Dirk Höhle, Ortsvorsteher der Gemeinde.

Anfang August befestigten Unbekannte die beiden Schilder im Ort. Das wurde bei der Verkehrsschau in Bad Zwesten bekannt. Das Straßenverkehrsamt hat daraufhin das Entfernen der Schilder angeordnet: "Gemäß Paragraph 33 Absatz 2 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) dürfen Zeichen, die den Zeichen nach Paragraphen 36 bis 43 in Verbindung mit den Anlagen zur StVO gleichen, mit ihnen verwechselt werden können oder deren Wirkung beeinträchtigen können, nicht angebracht oder sonst verwendet werden, wo sie sich auf den Verkehr auswirken können. Da es sich bei dem ,Gefahrzeichen Ente’ um ein selbstkreiertes Schild im öffentlichen Verkehrsraum handelt, wurde der Abbau der Schilder angeordnet", heißt es in einer Stellungnahme  von Andrea Süsser, Mitarbeiterin der Straßenverkehrsbehörde des Schwalm-Eder-Kreises.

In diesem Fall wurde aber von einer weiteren Strafverfolgung abgesehen, so Süsser im Gespräch mit den HEIMAT NACHRICHTEN.  "Bei privatem Interesse an einer Beschilderung mit Verkehrszeichen besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf Anordnung bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde zu stellen. Über den Antrag wird dann nach Anhörung der Polizei und der Straßenbaubehörde entschieden", heißt es in der Stellungnahme weiter. Ortsvorsteher Höhle sagt dazu: "Hätte man die Schilder nicht im öffentlichen Verkehrsraum aufgehängt, sondern beispielsweise gut erkennbar auf einem Privatgelände, hätte es keinen Ärger gegeben."

Die Schilder wurden vergangenen Mittwoch entfernt und mit zur Straßenmeisterei genommen, damit der rechtmäßige Besitzer sie dort abholen kann. Ob dies allerdings geschehen wird ist fraglich, da der Spender gerne anonym bleiben möchte.

Die Verkehrsschau: Schilder werden auf ihre Notwendigkeit geprüft

Die Verkehrsschau ist in Deutschland ein verwaltungsbehördlicher Vorgang, bei dem die Straßenausstattung einer Straße regelmäßig geprüft wird. Ziel der Prüfung ist es, die Notwendigkeit und Verständlichkeit der Verkehrsbeschilderung zu untersuchen und gegebenenfalls herzustellen. Ein weiteres Ziel ist es, den "Schilder-Dschungel" zu vereinfachen. Diese Prüfung geschieht im Sinne der Optimierung der Verkehrssicherheit. In Bad Zwesten waren mit dabei: Ein Mitglied der Straßenmeisterei, ein Vertreter von der Polizeibehörde, ein Kreisexperte vom Fachbereich Verkehr, Ortsvorsteher bzw. Ortsbeirat sowie ein Verkehrsexperte, hier ein Fahrschullehrer.

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