Einer vorne weg: Interessengemeinschaft stärkt das „Wir“-Gefühl in Oberurff-Schiffelborn

Hier ziehen alle an einem Strang: Dank der Interessengemeinschaft Oberurff-Schiffelborn konnte das Dorfgemeinschaftshaus gerettet werden. Heute profitieren die Mitglieder von zahlreichen Dauernutzern und erhielten dafür sogar den Spar-Euro. Und das Wir-Gefühl geht im Bad Zwestener Ortsteil noch weiter.

In Oberurff-Schiffelborn gründeten 25 Männer und Frauen die Interessengemeinschaft Oberurff-Schiffelborn und kümmerten sich so seit Juli vergangenen Jahres um ihr Dorf und die Gemeinschaft.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Oberurff-Schiffelborn. Seit 2017 in der Hand der Dorfbewohner kann das Gemeinschaftshaus in Oberurff-Schiffelborn rund 500 Vermietungen verzeichnen. Dafür wurde die Gemeinde nun mit dem Spar-Euro ausgezeichnet (wir berichteten). In seiner Rede sagte Bürgermeister  Michael Köhler damals: „Hier ist ein Wir-Gefühl entstanden mit einer hohen Identifikation der Bürger mit ihrem Dorfgemeinschaftshaus, dem Dorf und der Gemeinde.“

Denn die Besonderheit an dem Multifunktionsgebäude: Es teilt sich in zahlreiche einzelne kleine Räume, die jeweils separat gebucht werden können.

Doch diesen Erfolg hätte es so nicht gegeben, wenn nicht ein Mann die Dorfgemeinschaft in Oberurff-Schiffelborn wieder dazu bewegt hätte, zusammen an einem Strang zu ziehen: Ortsvorsteher Eduard Dippel gründete am 19. Juli 2017 die Interessengemeinschaft Oberurff-Schiffelborn – einem 25-Mitglieder starken Verein mit 19 Männern und sechs Frauen von 18 bis 75 Jahren.

Der Grund für die Gründung: Das Multifunktionshaus beherbergte früher Feuerwehr und Gefrieranlage. Beide zogen aus dem Haus in der Mühlstraße aus, eine Idee zur Wiederverwendung gab es nicht. In 2017 wurden alle vier Gemeindehäuser in Bad Zwesten auf den Prüfstand gestellt: Entweder, es findet sich eine sinnvolle Verwendung oder sie werden verkauft. Für Dippel kam die zweite Option nicht in Frage: „Wir haben als größter Ortsteil schon weder Post, Laden oder Kneipe – ohne ein Dorfgemeinschaftshaus wäre das Gemeinschaftsleben im Ort komplett weg“, ist er sich sicher.

Dank der viele kleine Räume, wie der grüne Salon, eignet sich das DGH für verschiedenste Vermietungen. Zu sehen ist der Sonntagskaffee, der alle zwei Monate stattfindet.

Also nahm der in 2016 gewählte Ortsvorsteher das Ganze selbst in die Hand. Er rief am 19. Juli 2017 eine Dorfversammlung ein. Innerhalb einer Stunde fanden sich Bewohner zusammen, die die Dorfgemeinschaft bewahren wollen. „Er kann einfach mit Jung und Alt. Da ist einer, der packt an und geht vorne weg, das brauchte unser Dorf“, weiß Vorsitzende Tamara Bornkessel um Dippels Erfolgsgeheimnis. Zuerst ging es an das Gemeinschaftshaus, denn dort galt es so Einiges zu sanieren und renovieren.

Um das Geld dafür zu beschaffen, klopfte die Interessengemeinschaft an jede Tür im Dorf und sammelten so insgesamt 4.000 Euro. So konnten die Räume grunderneuert werden: neue Fenster, neuer Fußboden und ein frischer Anstrich. Die ehemaligen Räume der Gefrierkammer beherbergen jeweils einen Raum für die Burschenschaft, das Stadtarchiv und den Gesangsverein. Unter dem Dach hat sich die Dorfband „5 Gorillaz & The Girl“ ihren Probenraum eingerichtet. Der Schlüssel für den Jugendraum wurde den Jugendlichen im Dorf zusammen mit einer Spende von 300 Euro übergeben. „So konnten die Kids in Eigenleistung ihr zukünftiges Reich im Hinterhof herrichten“, erklärt Dippel.

Im Gegensatz zu anderen Gemeinschaftshäusern hat Oberurff-Schiffelborn keine Probleme damit, seine Räume voll zu kriegen. Denn die Besonderheit an dem Multifunktionsgebäude: Es teilt sich in zahlreiche einzelne kleine Räume, die jeweils separat gebucht werden können: Saal, Jugendraum, Garage und Dachboden. Der Renner bei der Vermietung sei aber der grüne Salon, so Bornkessel. Aufgrund seiner kleinen Größe und der angrenzenden Küche sowie behindertengerechten Toilette eigne er sich hervorragend für den Knobelclub, Seniorentreffs oder kleine Geburtstage.

Unterm Dach hat die Dorfband „5 Gorillaz & The Girl“ ihren Proberaum.

Der Umbau in Eigenregie war dann der Impuls für weitere Projekte wie die Friedhofshallen-Sanierung, die Brückensanierung an der Urff und der Spielplatz-Umbau.

Für Kosteninfos und Mietanfragen bei Eduard Dippel unter Tel. 0171-5225200 oder per E-Mail igous@gmx.de melden.

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