Entwicklungshelferin Tara Stella Deetjen erzählt von den Anfängen ihrer Hilfsorganisation "Back to Life"

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Was als Backpacking-Tour durch Asien begann, ist heute die Lebensaufgabe von Tara Stella Deetjen: sie hilft und sorgt für Existenzen und bringt Menschen zurück ins Leben.

Eigentlich hatte die junge Stella Deetjen nur vor, die Zeit bis zu ihrem Studium mit einer Reise durch Asien zu überbrücken. In Indien erhielt sie Einblicke in vergessene Existenzen und einen neuen Namen - Tara.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Tara Stella Deetjen fällt auf: Nicht nur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild, sondern auch mit ihren Taten, die so viele Leben veränderten.

Morschen. Wenn Tara Stella Deetjen den Raum betritt, fällt sie auf. Das liegt nicht nur an ihrer großen, schlanken Statur, den strahlend blauen Augen oder den blonden, langen Dreadlocks – es sind ihre Ausstrahlung, ihr Lachen, ihre unbändige Kraft und ihr Mut, die Menschen um sie herum begeistern lässt.

Wenn sie dann anfängt, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, ist auch der letzte Zuschauer im Publikum von der schönen 47-Jährigen gefesselt, die im Morschener Kloster Haydau während der Reihe "Frauengespräche im Kloster" von den Anfängen ihrer Hilfsorganisation "Back to Life" erzählte. Eine Reise, die mit dem Ziel Indien begann und zu ihrer Lebensaufgabe wurde.

Tara Stella Deetjens Hilfsorganisation „Back to Life“ bringt vergessenen Menschen das Leben zurück. Angefangen hat alles in Indien bei den Lepra-Kranken und Straßenkindern, aktuell ist sie in der Bergregion Mugu in Nepal unterwegs und baut dort Geburtshäuser, um die Säuglings- und Müttersterblichkeitsrate zu senken.

Die damals 24-jährige Bad Homburgerin plante, in Rom Fotografie zu studieren. Einen Studienplatz hatte sie schon. Bis zum Beginn des Studiums war aber noch Zeit, also packte sie ihren Rucksack und machte sich allein auf ihre Reise durch Asien. Sie machte Halt im nordindischen Benares, wo eine Begegnung ihr bisheriges Leben veränderte: "Ich saß auf einer Treppe, gekrümmt, weil ich schlimme Bauchschmerzen hatte. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Kopf. Ich sah einen alten, weißhaarigen Mann mit verstümmelten Händen und Füßen vor mir – er war an Lepra erkrankt und wollte ausgerechnet mir Trost spenden."

Dabei arbeitet sie mit den Menschen unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ intensiv zusammen.

Als sich Stella Deetjen später nach seinem Namen erkundete um ihm zu danken, sagte er die berührenden und zugleich schockierenden Worte: "Kind, warum möchtest du das wissen? Seit 14 Jahren hat keiner mehr nach meinem Namen gefragt!" Diese Begegnung ließ der jungen Frau keine Ruhe. Sie lernte die Schicksale dieser Unberührbaren, wie sie in Indien genannt werden, kennen. "Dort waren Menschen, die ihr Dorf und ihre Familien verlassen mussten, als die Krankheit ausbrach. Noch heute nehmen sie von jedem erbettelten Geld nur so wenig, dass es zum Überleben reicht — den Rest schicken sie an ihre Familien", erzählt sie.

So entstanden schnell Freundschaften zwischen der schönen Blonden und den Bettlern. Sie nannten sie Didi – große Schwester. Ihren Vornamen Stella konnten sie nicht aussprechen, aber da er Stern bedeutet, nahmen sie das Hindu-Wort dafür: Tara. Diese herzlichen Begegnungen ließen die junge Deutsche nicht mehr los, sie wollte helfen: "Heutzutage hätte ich einfach mein Handy gezückt und nach 'Lepra' gegoogelt. Keiner wusste etwas über die Krankheit", so Deetjen.

Aus ihrer unbändigen Kraft heraus entstanden durch Deetjen Kinderheime und Schulen. Bedingungslos zu lieben hat sie von ihrer Großmutter gelernt.

Eine schweizer Ärztin, die durch Indien reiste, erklärte ihr, dass Lepra mit einer zwei Jahre währenden Medikamententherapie heilbar sei, und drückte ihr 100 Dollar in die Hand. "Diese 100 Dollar wurden zum Grundstein meines Projektes und ich startete mit der Hilfe einer westlichen Krankenschwester die erste Straßenklinik für Leprakranke und ihre Kinder", blickt Deetjen zurück.

Für die Entscheidung, den ärmsten Menschen eine Chance zu geben, ließ sie das Studium in Rom und ihr vertrautes und sicheres Leben in Deutschland zurück und gründete 1996 ihre Organisation "Back to Life". Aus dieser Kraft heraus entstanden in den letzten Jahren eine Straßenklinik in Indien sowie Kinderheime und Schulen. Rund 140 Menschen arbeiten an den Projekten in Indien und mittlerweile auch Nepal, wo sie Geburtshäuser baut. Ihre scheinbar unermüdliche Energie schöpfe sie aus den Erfolgen der Projekte, "und von meiner tollen Großmutter – sie hat mir bedingungslose Liebe beigebracht", so Deetjen.

Weitere Infos zu "Back to Life" gibt es im Internet unter www.back-to-life.org

Wer spenden möchte: Commerzbank Konto, IBAN:DE 94 50 08 00 00 07 29 99 90 02, BIC: DRESDEFFXXX.

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