Equal Pay Day Aktion in Melsungen: Gehalt hat kein Geschlecht

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Dagmar Rothhämel (hi.li.) mit fünf Damen vom VdK Kreisverband Melsungen sowie (v.re.) Gerlinde Eckhardt und Bärbel Spohr vom Frauenbüro Schwalm-Eder.

Der VdK Kreisverband Melsungen veranstaltete zusammen mit dem Frauenbüro Schwalm-Eder eine Aktion rund um die gleichberechtigte Bezahlung zwischen Mann und Frau am Melsunger Markttag.

Melsungen. Am Sonntag, 18. März, ist Equal Pay Day. Der Tag soll auf die noch teilweise unterschiedlichen Löhne zwischen Mann und Frau aufmerksam machen. „Schon 1911 gingen Frauen auf die Straße, um für ein Wahlrecht zu demonstrieren. Aber schon damals ging es auch darum, im Job gleichberechtigt bezahlt zu werden“, kritisiert Dagmar Rothhämel vom VdK Kreisverband Melsungen.

Der 18. März ist dabei aber nicht willkürlich gewählt. Nach einer Statistik des Statis­tischen Bundesamtes von 2016 haben Männer in Deutschland 20,71 Euro an Bruttostundenlohn erhalten und Frauen nur 16,26 Euro. Daraus ergibt sich eine Lohnlücke von 21 Prozent. Umgerechnet auf die Tage im Jahr sind es damit 77 Tage, die Frauen bei gleicher Arbeit und identischer Qualifikation quasi umsonst arbeiten. „Im öffentlichen Dienst werden keine Unterschiede gemacht, aber vor allem bei Managern gibt es starke Differenzen“, bemerkt Rothhämel.

Laut dem StepStone Gehaltsreport für 2018 verdienen Frauen in Führungspositionen sogar rund 27 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Um auf diesen Unterschied aufmerksam zu machen, präsentierte sich der VdK Kreisverband mit dem Frauenbüro Schwalm-Eder am Donnerstag, 15. März, auf dem Melsunger Marktplatz. Für den gemeinsamen Stand wurde bewusst der Markttag gewählt, um mehr Leute zu erreichen, als am Sonntag.

Seit Januar 2018 ist ein Gesetz in Kraft, das Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern den Beschäftigten einen Auskunftsanspruch einräumt, um zu erfahren, ob ihre Kollegen auf gleichwertigen Positionen ähnlich verdienen. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind zudem dazu aufgefordert ihre Gehaltsstrukturen zu überprüfen und über die Ergebnisse zu berichten. „Vor allem im ländlichen Raum, den wir hier nunmal haben, sollten aber auch kleine Betriebe Männer und Frauen gleich bezahlen“, fordert Bärbel Spohr vom Frauenbüro.

Angelehnt an das Thema hat der EXTRA TIP einige Betriebe im Schwalm-Eder-Kreis befragt. Bei dem Sport + Freizeit Galerie Gesundheitszentrum in Melsungen werden Frauen und Männer gleichberechtigt bezahlt, wie Stefan Heiland bestätigt: „Wir haben noch nie Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht.“ Dies sei seit der Gründung der Firma so, denn „hier wird großer Wert auf die Gleichbehandlung gelegt“, erklärt Heiland weiter.

Hans-Richard Schneeweiß Geschäftsführer vom Edeka Hessenring, ansässig in Melsungen, äußerte sich zu dem Thema wie folgt: „Wir bezahlen nicht tarifgebunden, aber haben unser Entgelt transparent gesetzt.“ Von den rund 8.700 Mitarbeitern habe bis Redaktionsschluss keiner Gebrauch von seinem Auskunftsrecht gemacht. Jürgen Sauerwald, Personalleiter bei B. Braun erklärt: „Gleichstellung im Beruf ist bei B. Braun gelebte Selbstverständlichkeit. Mit der Bindung an Tarifverträge werden Funktionen genderunabhängig bewertet und vergütet. “

Ähnlich fällt die Anfrage bei Lidl und tegut aus. „Seit 1947 wird bei tegut gleich bezahlt, da tegut an den Tarifvertrag für den Hessischen Einzelhandel gebunden ist“, berichtet Stella Kircher, Leitung der Unternehmenskommunikation bei tegut. Jens Ulrich, Geschäftsleiter Personal von Lidl, bestätigt: „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, die gleiche Vergütung für dieselbe Arbeit zu erhalten.“

Gerlinde Eckhardt vom Frauenbüro warnt im Gespräch auch vor einer anderen Gefahr: „Minijobs werden meis­tens von Frauen ausgeübt. Doch Minijobber zahlen – wenn überhaupt – nur einen minimalen Rentenbeitrag, was zur Altersarmut führen kann.“

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