Zufällig im Garten ausgegraben: Ernst Knöpfel aus Lendorf findet bis zu 1 Million Jahre alte Faustkeile

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Der Lendorfer Ernst Knöpfel fand diese bei den Bauarbeiten der Stützmauer, auf der er auf dem Foto sitzt.

Etwas verwundert blickte Ernst Knöpfel auf einige interessant geformte Steine, die er bei Erdarbeiten in seinem Garten fand. Der Weg zum Archäologen verschaffte Klarheit: Diese Steine wurden wohl vor mehreren hunderttausend Jahren als Werkzeuge verwendet.

Borken-Lendorf. Eigentlich wollte der Lendorfer Ernst Knöpfel nur eine Stützmauer im Garten bauen, doch mit diesem Fund in der aufgehäuften Erde rechnete er nicht: Zwei Faustkeile, die aus der Zeit des homo erectus (Steinzeit) stammen sollen und damit 500.000 bis 1 Million Jahre alt wären. Zu dieser Erkenntnis kam der Archäologe Dr. Andreas Thiedmann von der Uni Marburg, den Knöpfel um Rat bat.

„Ich kenne mich selbst ein bisschen aus. Dadurch konnte ich auf dem kleinen Faustkeil die Kraftlinien erkennen, die nur entstehen, wenn mit zwei Steinen auf den einen drauf geschlagen wird“, erklärt Knöpfel und zeigt auf die Einkerbung des kleinen Faustkeils. „Die typische Form eines Schabers weist ihn als geradezu klassisches Gerät zum Reinigen von frischen Tierhäuten oder Glätten von Oberflächen aus“, so Thiedmann.

Artefakte im Boden

Solche Steine sind im Kalkmergelboden in dieser Region nicht normal. „Sowohl das Material Basalt, als auch die ungewöhnlichen Formen erregten sein Interesse und ließen ihn aufgrund der Vermutung, es könne sich um vom Menschen gemachte Werkzeuge oder wenigstens bearbeitete Steine, also Artefakte, handeln, diese aufbewahren“, ergänzt Thiedmann. Knöpfel fand noch acht weitere Steine, doch ließen sich dabei keine Spuren durch Menschenhand nachweisen. Es soll sich dabei um Abfallprodukte eines Werkprozesses handeln.

Gefunden im Borkener Stadtteil Lendorf: Solche Faustkeile gelten als das Multitool der Altsteinzeit.

Der größere Faustkeil weist eine ausgeprägte Spitze auf. Beide Faustkeile verfügen zudem über eine Schneide. Damit und durch den runden Boden gelte solch ein Faustkeil quasi als das Multitool der Altsteinzeit, so Thiedmann und weiter, „mit dem Faustkeil konnte eine Vielzahl von Arbeiten ausgeführt werden, etwa vom Fällen kleiner Bäumchen über das Zerlegen der Jagdbeute bis zum Aufschlagen der Knochen, um an das nahrhafte Mark zu gelangen.“

Knöpfel habe mit diesem kleinen aber interessanten Fundensemble in seinem Garten eine Raststation altpaläolithischer Wildbeuter entdeckt, die am Hang erhöht über dem Talgrund einen guten Platz zur Beobachtung möglicher Beutetiere oder einfach nur zum kurzfristigen Aufenthalt auf ihrer Wanderung gefunden haben. „Die Ausbesserung oder Ergänzung des Gerätebestandes gehörte dabei zu den alltäglich normalen Tätigkeiten. Die Funde bezeugen also eine Lebensweise als Jäger und Sammler, die uns heute sehr, sehr fern ist, von der wir aber nicht vergessen sollten, dass sie über 99 Prozent der Menschheitsgeschichte ausmacht“, heißt es von Thiedmann weiter.

Arbeit an Dorfchronik

Besonderes Interesse hegte Knöpfel an den Faustkeilen auch daher, weil er mit sieben weiteren Lendorfern an einer Dorfchronik arbeitet, die im Sommer 2021 erscheinen soll. Da kam ihm der Fund im eigenen Garten gerade recht. Durch die vor Kurzem stattgefundene Analyse des Archäologen weiß Knöpfel nun genau Bescheid und hat weiteren Stoff für die umfangreiche Chronik im Repertoire. „Bis zur 800 Jahrfeier in zwei Jahren bleiben die Faustkeile in Lendorf. Danach gehen sie an ein Museum, aber es steht noch nicht fest, an welches“, meint Knöpfel.

Vortrag am Freitag

Wer die Faustkeile aus nächster Nähe betrachten möchte, hat dazu am Freitag, 11. Oktober, um 19 Uhr im Dorfgemeinschatshaus Gelegenheit. Oberarchivrat a. D. Armin Sieburg vom Staatsarchiv Marburg kommt an diesem Freitag zu einem Vortrag in den Lendorfer Ortsteil. Das Thema lautet: „Lendorf im Wandel der Geschichte“. Vor Ort wird es zudem eine Fotoausstellung geben.

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