Der erste B. Braun Accelerator Demo Day: Hyperloop, Prävention und Schnelligkeit im Fokus

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Arbeiten bei Boca Health in Berlin (v.li.): Marco Mezzadra, Edoardo La Porta und Alessandro Faragli. In den Händen präsentieren sie ein Gerät zur regelmäßigen Körperwasseranalyse, das mit einer App funktioniert.

Zum ersten B. Braun Accelerator Demo Day präsentierten nicht nur vier Start-Ups und zwei interne Projekte ihre Ideen, auch Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop TT, erklärte den Gästen seine Vision.

Melsungen. Am Donnerstag, 30. August, hat der ers­te B. Braun Accelerator Demo Day stattgefunden. Im Rahmen dieser Veranstaltung präsentierten sich vier Start-Ups aus verschiedenen Ecken der Welt, wie etwa Mailand, Berlin oder Boston. Alle Vier nutzten die letzten Monate, um nach intensiver Marktforschung ihre Geschäftspläne auszuarbeiten und mit Unterstützung von B.Braun-Coaches nun in jeweils knappen sieben Minuten vorzustellen. Diese als „Pitching“ bekannte Vorstellung kann auch wesentlich kürzer ausfallen, wie etwa in fünf oder gar drei Minuten.

Alessandro Faragli expandierte mit seinem Unternehmen Boca Health kürzlich von Mailand nach Berlin. Der Italiener hat mit seinem Team ein Gerät in der Größe eines Smartphones entwickelt, das es Dialysepatienten ermöglicht, ihren Körperwasseranteil selbst zu überwachen. Bislang soll es dazu nur große, meist nicht mobile Alternativen geben. Damit könnte rechtzeitig einer gefährlichen Über- oder Dehydrierung entgegnet werden. „Unser zweiter Standort in Berlin war daher so reizvoll, weil wir uns in Deutschland besser mit medizinischen Firmen vernetzen können“, so Faragli.

Ebenfalls ganz einfach zu bedienen ist das Hilfsmittel, das Bluedrop Medical aus Galway in Irland für Diabetiker geschaffen hat: Ein täglicher Zehn-Sekunden-Scan der Fußtemperaturen reicht aus, um dem Risiko des sogenannten Diabetischen Fußes vorzubeugen – nicht rechtzeitig bemerkt, können diese schlecht heilenden Wunden bis zur Amputation führen.

Admetsys aus Boston (USA) hat ein System entwickelt, das nach Operationen vollautomatisiert für den lebenswichtigen Ausgleich des Blutzuckerspiegels sorgt. Derzeit geschieht das noch aufwendig und fehleranfällig von Hand. Recare aus Berlin schließlich nutzt künstliche Intelligenz für ein effizientes Entlassungsmanagement in Kliniken: Die Software findet automatisch passende Anbieter für die Nachversorgung eines Patienten.

Dirk Ahlborn hielt einen Vortrag über sein Unternehmen, das den Hyperloop baut.

Ob und wie B. Braun mit dem einen oder anderen Start-Up auch künftig zusammenarbeiten wird, steht jedoch noch nicht fest: „In den nächsten zwei Monaten“, kündigte Vorstandsmitglied Markus Strotmann an, „werden wir über mögliche Kooperationen entscheiden.“ Neben den Start-Ups wurden auch interne Projekte vorgestellt. Eins davon ist „Daheim“. Hier wird die Möglichkeit entworfen, Dialyse in den eigenen vier Wänden anzubieten, statt dafür immer zum Arzt zu gehen. Aktuell nutzen nur unter ein Prozent aller Patienten diese Chance für mehr Lebensqualität, wobei aus medizinischer Sicht wohl bis zu 25 Prozent darauf zurückgreifen könnten.

B.Braun-Vorstandsmitglied Dr. Meinrad Lugan betonte in seiner Rede: „Innovation liegt im Kern unseres Herzens.“

Vom Hyperloop zu Elektrorollern

Ebenfalls als Teil des B.Braun Accelerators hat Dirk Ahlborn, CEO und Gründer von Hyperloop Transport Technologies sein Unternehmen präsentiert. Der deutsche Entrepeneur griff eine Idee von Elon Musk (Space X, Tesla) auf. Seine Firma ist dabei, einerseits in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie eine zehn Kilometer lange Teststrecke in China für den Hyperloop zu bauen. Ein Hyperloop ist eine neue Möglichkeit des Transports. Passagiere nehmen wie in einem Zug in einer Art Magnetschwebebahn Platz, die durch eine luftleere Röhre fährt und dadurch sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. „Wir produzieren voraussichtlich damit sogar mehr Energie, als wir eigentlich verbrauchen“, bekräftigt Ahlborn hoffend sein Unterfangen.

Zudem zeigte er auf, dass der Hyperloop gegen Stau und Umweltverschmutzung eine Hilfe sein könnte. Auch biete dieser kürzere Reisezeiten, um die Menschen der Welt näher zueinander zu bringen. Schließlich soll der Hyperloop bei idealer Nutzung schneller als Passagierflugzeuge sein. Statt hinter verschlossenen Türen zu agieren, nehme sich Ahlborn der Kritik der Gesellschaft an. Jeder könne seine Meinung mitteilen und in einem Format namens „Crowdstorm“ (ähnlich zu Brainstorming, bei dem jeder seine Ideen einwerfen kann). Für oder mit Ahlborn arbeiten aktuell über 800 Mitarbeiter weltweit sowie über 3.000 Personen, die ihre Ideen via Crowdstorm einwerfen.

Unter dem Motto „Mut zur Verantwortung, Mut zum Handeln“ diskutierten (v.li.) Vice President Acceleration & Innovation Alexander Katzung, Prof. Dr. Alexander Schachtrupp, Peter Vullinghs, Sophie Rosentreter, Florian Wahlberg und Dirk Ahlborn.

Zudem seien über 50 Firmen mit an Bord, die jeweils Experten auf ihrem Gebiet sind, um etwa den Hyperloop an sich zu fertigen oder aber das Vakuum in der Röhre zu erzeugen. Darunter sei auch Sony Partner, um den Passagieren während der Fahrt Unterhaltung zu bieten, denn Fenster habe der Hyperloop nicht.

„Statt es mit der Zeit schwerer zu haben, spüre ich die weltweite Unterstützung in meinem Rücken“, freut sich Ahlborn. Anfang Oktober soll die erste Version des Hyperloops fertig sein. Im Anschluss geht es an die Arbeit, den Hyperloop in den Ländern weltweit durch die Regulierung zu bekommen. Im Anschluss gab es noch ein Podiumsgespräch mit Sophie Rosentreter (ehemals MTV-Moderatorin, nun CEO von Ilses weite Welt), Peter Vullinghs (CEO Philipps DACH), Florian Wahlberg (CEO Urban Electrics), Ahlborn sowie Prof. Alexander Schachtrupp (Manager bei B. Braun).

Wahlberg etwa baute einen Elektroroller, der in keinem Land der Welt erlaubt war. Seit es diesen gibt, ermöglichten schon acht Länder die reguläre Nutzung, Deutschland soll bald folgen. Vullinghs kennt die Arbeit mit Start-Ups von Philipps bereits und ist „stolz auf ausgebildete Leute, die in eigenen Start-Ups innovativ arbeiten und im Idealfall wieder ins Unternehmen eingliedert.“

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