Vom Junkie zum Autor: Ex-Knacki "Kuni" aus Borken-Trockenerfurth schrieb Buch über seine Drogenvergangenheit

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Mehrfach saß Hans-Jürgen „Kuni“ Kuhn im Gefängnis. Sein Leben war geprägt von Drogenkonsum, Sucht, Prostitution  Waffenhandel. Doch auf den tiefen Fall folgte die Vernunft. Der heute 60-Jährige zog in sein Elternhaus, ließ die Drogen hinter sich und entdeckte das Schreiben für sich.

Borken-Trockenerfurth. „Bis auf Knast würde ich alles noch mal genau so machen“, resümiert Hans-Jürgen Kuhn und blickt auf die vor ihm liegenden Fotos. Zu jedem davon kann er eine Geschichte erzählen. In über 30 Ländern war der heute 60-jährige Borkener und blickt nun auf ein bewegtes Leben zurück. Dieses Leben schrieb der gelernte Kfz-Mechaniker in seinem Buch „Neun Leben zwischen den Welten“ nieder.

Drogenkonsum, Rausch und Sucht bestimmen den Inhalt des Buchs und auch das Leben von „Kuni“ – wie Kuhn von Freunden genannt wird. „Ich habe mein Leben voll und ganz gelebt und hing auch an der Nadel. Mehrmals bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen und wie viele Entzüge ich hinter mir habe, kann ich gar nicht mehr so genau sagen“, erzählt Kuni grinsend. Der Weltenbummler schmiss als junger Mensch sein Leben in Nordhessen hin und reiste mit Freunden in einem VW-Bus durch ganz Europa. „Die meiste Zeit waren wir komplett zugedröhnt. Aber die Polizei interessierte das damals gar nicht.“

Das Schreiben war und ist für Kuhn ein wichtiger Prozess, um das Erlebte zu verarbeiten: „Im ersten Band habe ich einfach alles niedergeschrieben, was ich bis circa 35 – also meiner ‘Jugend’ – erlebt habe. Im zweiten Band reflektiere ich das Geschehene und schreibe über die Zeit danach“, erklärt der 60-Jährige. Die Zeit danach, damit meint Kuhn Themen wie Prostitution, Waffenhandel und Knast! Stirnrunzelnd versucht sich Kuni an sein krassestes Erlebnis aus seiner wilden Zeit zu erinnern: „Ich habe mir mal einen Schuss gesetzt und dabei die Vene verfehlt. Daraufhin wuchs mir ein Abszess am Rücken und ich hatte dort eine offene Stelle. Ich war aber die ganze Zeit so auf Droge, dass ich das gar nicht bemerkt habe und die Stelle letztendlich so entzündet war, dass ich beinahe querschnittsgelähmt war.“

Auf den Drogenkonsum folgte schließlich der Drogenhandel. Dafür musste Kuhn „ganz kurz“ in Portugal in den Knast. In Deutschland saß der Trockenerfurther auch zweimal insgesamt dreieinhalb Jahre ein. Dann kam der tiefe Fall und letztendlich auch die Vernunft. Vor ungefähr 15 Jahren – nachdem sein Vater verstorben war – kehrte er in sein Elternhaus zurück und lebt dort mit seiner 80-jährigen Mutter Irmgard. Heute ist er clean, aber das Reisefieber ist geblieben. Kuhn überlegt auch noch einen dritten Band zu schreiben und die „nüchterne“ Zeit darin zu thematisieren. „Das Wort Sucht kommt von Suchen. Jeder von uns ist auf der Suche nach etwas, das ihn erfüllt oder Frieden schenkt. Bei mir waren es die Drogen. Heute kompensiere ich es anders. Ich bin weg vom Stoff“, berichtet der Ex-Sträfling stolz und signiert einige seiner Bücher. Reich werden wolle er mit seinen Werken nicht. Das Schreiben sei eher eine Form von Selbsttherapie.

Wer „Neun Leben zwischen den Welten“ lesen will, kann es für 18,50 Euro in den Buchhandlungen Akzente in Bad Zwesten, Vockeroth in Fritzlar oder im Bücherwurm Borken kaufen.

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