Fleißige Bartenwetzer: Gang durch Melsungen am Deutschen Fachwerktag

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Sündige Details: Das Herz im Balken verweist auf das einstige Melsunger Rotlichtviertel.

Am Wochenende zeigte Stadtführer Helmut Nipshagen vielen Neugierigen die Fachwerkstadt Melsungen.

Melsungen. Melsungen ist eine Fachwerkstadt – die Stadt an der Fulda hat deutlich mehr als 300 Fachwerkhäuser in ihrem Ortskern und gehört dabei zu den wenigen mit einem geschlossenen Fachwerkbild. Vergangenen Sonntag fand zum wiederholten Mal der bundesweite Deutsche Fachwerktag statt, an dem sich auch Melsungen präsentierte.

Stadtführer Helmut Nipshagen bezeichnet sich als „echten Holzwurm“, denn der 66-Jährige ist gelernter Tischlermeister und Restaurator – somit Fachmann für den vielfältigen Werkstoff Holz. In der klassischen Sonntagstracht der Holzfäller, die früher auf der Fuldabrücke ihre Barte wetzten, führte der „Bartenwetzer“ die Besucher zu verschiedenen Gebäuden rund um den Marktplatz und gab interessante Einblicke in die uralte Baukunst. „Fachwerk ist eine der ältesten Bauweisen, bereits die Ägypter haben damit gearbeitet“, erläuterte Nipshagen. Die Römer hätten das Grundkonzept um einiges verbessert, indem sie erst einen Sockel bauten damit das Eindringen der Bodenfeuchtigkeit in das Holz verhindert wurde, so der Handwerker weiter.

Das schönste Rathaus Deutschlands

Kein Fachwerk ohne Holzfäller: Bartenwetzer Helmut Nipshagen schärft die Axt auf der Fuldabrücke.

„Das Melsunger Rathaus ist das schönste von Deutschland“, sagte er selbstbewusst über den freistehenden Bau, der in seiner ursprünglichen Konzeption von allen Seiten gleich gewesen sei. Laut einem Schild wurde es ab 1554 neu errichtet, nachdem es einem großen Brand zum Opfer gefallen war. „Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass die Bäume erst ab 1562 geschlagen worden sein können“, korrigierte er die Angaben ein wenig. Viele Gebäude seien damals dem Feuer zum Opfer gefallen, häufig bedingt durch die mit Roggenstroh gedeckten Dächer. „Daher haben wir nur noch eine handvoll Häuser aus der Zeit davor“, bilanzierte der Stadtgeschichtler.

„Man unterscheidet zwischen zwei Arten“, erklärte er, „früher errichtete man die Häuser in der Geschossbauweise, dazu benötigte man allerdings bis zu 25 durchgehende Eichenbalken“. Später sei man auf die Rähmbauweise umgestiegen, bei der das Fachwerk für jede Etage einzeln zusammengesetzt wurde. Im Heimatmuseum machte er die Unterschiede an maßstabsgetreuen Modellen deutlich, konnte man auch gut das Innenleben der ausgeklügelten Holzkonstruktionen erkennen. Beim Gang durch die Altstadt blieb er immer wieder an einem der Häuser stehen und lenkte den Blick auf wissenswerte Details, etwa christliche Symbole, die das Haus und seine Bewohner vor Unheil schützen sollten. Doch auch andere Zeichen wurden in die Balken geschnitzt, „dieses Herz bedeutet, dass es hier einst käufliche Liebe gab“, sagte Stadtführer Nipshagen mit einem Augenzwinkern, deshalb habe das Haus auch außerhalb der Stadtmauern gelegen.

Bildergalerie: Gang durch Melsungen am Deutschen Fachwerktag

 © Köster
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