Falsche Ärztin wollte Bürgermeisterin werden

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Das Foto entstand im Jahr 2012. Damals wollte Meike W. Bürgermeisterin von Bad Emstal werden, im Vorfeld der Wahl führten wir mit ihr ein Redaktionsgespräch.

Meike W. soll für vier Todesfälle verantwortlich sein – 2012 kandidierte sie bei der Bü-Wahl in Bad Emstal

Fritzlar. In der vergangenen Woche ist die falsche Ärztin, die fast vier Jahre lang am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar gearbeitet hat, in Norddeutschland festgenommen worden. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Verdacht des Totschlags, der gefährliche Körperverletzung, der Urkundenfälschung, des Betruges, des Missbrauchs von Titeln und des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz.

Verantwortlich für vier Todesfälle?

Der Vorwurf, der am schwersten wiegt: Dr. Meike W. (der Name ist der Redaktion bekannt) soll durch fehlerhafte Anästhesien in vier Fällen den Tod von Patienten verursacht haben. In acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein.

Der Fall war schon im Februar bekannt geworden. Damals hatte die Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Räume im Hospital zum Heiligen Geist durchsucht und mögliche Beweismittel beschlagnahmt. Seinerzeit hatte Dr. Sven Ricks, kaufmännischer Geschäftsführer des Krankenhauses gesagt: „Das traf uns völlig unerwartet. Wir hatten nicht die leiseste Ahnung, dass wir betrogen worden sind. Die Frau hatte uns ja ihre – wie wir dachten – original Approbationsurkunde* vorgelegt.“

Damals hieß es aber auch: „Glücklicherweise sind – so der Stand jetzt – keine Patienten zu Schaden gekommen.“ Das stellt sich jetzt anders dar. Deshalb sind in der vergangen Woche abermals die Räume des Krankenhauses durchsucht worden. „Insbesondere zur Sicherstellung weiterer Krankenunterlagen“, so Oberstaatsanwalt Götz Wied, „diese sollen dahingehend überprüft werden, ob es über die bis dato bekannten Fälle hinaus zu weiteren Fehlbehandlungen gekommen ist, die in den Verantwortungsbereich der Beschuldigten fallen.“

Verletzten Ärzte ihre Aufsichtspflicht?

Geprüft werde auch, ob zwei im Hospital tätige Ärzte Aufsichtspflichtverletzungen begangen haben. Wied: „Konkret soll geprüft werden, ob die beiden ehemaligen vorgesetzten Ärzte erkannten, dass die Leistungen der Beschuldigten mangelhaft waren, sie aber weiterhin als eigenverantwortliche Anästhesistin gewähren ließen.“

Gleichzeitig wurden auch die Privaträume von Meike W. durchsucht. Im Einsatz waren neben vier Beamten der Staatsanwaltschaft Kassel 45 Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Nordhessen und der Bereitschaftspolizei, sowie sieben Polizeibeamte aus Kiel und Brandenburg.

Meike W. wollte Bürgermeisterin werden

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Meike W. in der nordhessischen Region keine Unbekannte ist – sie hat zahlreiche „Fußabdrücke“ hinterlassen. So wollte sie beispielsweise im Jahr 2012 Bürgermeisterin von Bad Emstal werden – als Kandidatin der SPD. Allerdings erhielt sie nur 34,4 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Ralf Pfeiffer kam auf 59,5 Prozent und blieb Bürgermeister.

Schon zuvor ist die promovierte Biologin für die SPD aktiv gewesen, so war sie beispielsweise Ortsvereinsvorsitzende der SPD im Kasseler Stadtteil Brasselsberg. In der vergangenen Woche wurde Meike W, die Mutter eines 19-jährigen Sohnes ist, in Kiel verhaftet, „da aufgrund der Straferwartung Fluchtgefahr besteht“, so Oberstaatsanwalt Götz Wied.

*Anm. der Redaktion: Meike W. hat zwar in Biologie promoviert, nicht aber in Medizin.

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