Familienstreit: 52-Jähriger mit Hammer verprügelt

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Heute gab es ein Urteil in dem Verfahren gegen einen 21-Jährigen aus Bebra vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Fulda. Foto: Archiv

Verhandlung mit viel Promille: Pures Chaos bot sich dem Richter im Melsunger Amtsgericht. Ein Angeklagter weinte und das Opfer kam betrunken...

Melsungen/Malsfeld. Sieben Zeugen, zwei Angeklagte, ein betrunkenes Opfer, fast vier Stunden Beweisaufnahme und fest stand am Ende der Gerichtsverhandlung am Mittwoch vor dem Melsunger Amtsgericht: Es war ein eskalierter Familienstreit – pures Chaos ohne klaren Tathergang.

52-jähriges Opfer soll Frau und Kind geschlagen haben

Zwei Männer – ein 55-jähriger Knüllwälder und ein 42-Jähriger aus Homberg – waren der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Am Mittwochnachmittag fiel das Urteil: Eine Geldstrafe in Höhe von 1.500 Euro für den 42-jährigen Martin S.* aus Homberg und Freispruch für den 55 Jahre alten Peter T.* aus Knüllwald (*Namen von der Redaktion geändert). Die beiden Männer sollen im April 2014 einen 52-Jährigen aus Malsfeld in seiner Werkstatt mit Faustschlägen und einem Hammer verprügelt haben.

Der Grund: Der 52-Jährige soll betrunken seinen Stiefsohn beschimpft und einen Tisch nach ihm geworfen haben. Als der 16-jährige Junge einen Hilferuf per SMS an seinen älteren Bruder und dessen Freundin schickt, wollen sie den Teenager abholen. Mit im Auto: Der Angeklagte Martin S. Dann alarmieren sie den leiblichen Vater des Jungen: Den 55-jährigen Angeklagten aus Knüllwald. Vor Ort in der Malsfelder Werkstatt des Opfers überschlagen sich die Ereignisse. Nicht zum ersten Mal: Schon früher habe Henrik L. seinen Stiefsohn rausgeworfen und seine Partnerin geschlagen. Martin S. stürmt rein, schreit das Opfer an: "Man packt Frau und Kind nicht an!"Kurios: Am Hammer sind weder Blut- noch DNA-Spuren des 52-jährigen Malsfelders gewesen. Damit gibt es keinen Beweis – und der Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" gilt.

Opfer kam betrunken

Wer also wen womit und wann geschlagen hat, konnte auch vor Gericht nicht geklärt werden. Denn: Alle sieben Zeugen und beide Angeklagten präsentierten ein Wirrwarr aus unterschiedlichen Geschichten. "Hier werden doch Grimms Märchen erzählt, wir sind hier nicht im Kasperle-Theater", fasste Richter Stephan Heidelbach zusammen.

Die Krönung des Chaos’: Als das Opfer Henrik L. nicht erschien, wurde er auf richterlichen Beschluss mit einem Streifenwagen abgeholt. Danach tauchte der 52-Jährige zwar auf, jedoch vollkommen betrunken. Mit 3,43 Promille torkelte er in den Verhandlungssaal und sagte aus: "Die Tür ging auf, einer stürmte rein, ich habe volles Rohr eins aufs Auge bekommen und dann wurde ich mit einem Hammer bearbeitet." Mehr Details? "Mein Sternzeichen ist Fisch."Martin S. zeigte sich emotional und betroffen; sagte aus, seit dem Vorfall in psychiatrischer Behandlung zu sein. Er hat zwar zugegeben das Opfer mit der Faust geschlagen zu haben, jedoch nur, um Schlimmeres zu verhindern. Dafür entschuldigte er sich noch während des Prozesses bei Henrik L.: "Es war alles so hektisch. Es tut mir leid."Nach vier Stunden war die Verhandlung vorbei – und die Verwirrung noch immer groß. Übrigens: Am Ende zeigten sich Zeugen, Angeklagte und Opfer versöhnt – denn nach Hause ging’s zusammen.

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