Fritzlarer Seniorin will nach Weimar und landet in Michelstadt

+

Im falschen Schlitten: Seniorin macht unfreiwillige Bus-Rundfahrt durch Hessen – Reisebüro blockt ab.

Fritzlar/Schwalmstadt. Die Busreise in die Kulturstadt Weimar sollte ein Weihnachtsgeschenk sein. Über den Weihnachtsmarkt schlendern und am frühen Abend bequem nach Hause fahren. Soweit der Plan von Hannah Frohherzs Tochter Henrike Karolyi aus Fritzlar-Lohne. Doch dann geht alles schief: Die beim Busreiseunternehmen Ragoß aus Schwalmstadt gebuchte Fahrt führt die 73-Jährige auf eine Odyssee quer durch Hessen. Weil sie in den falschen Bus gesetzt wird, kommt sie gar nicht erst ans gebuchte Ziel, sondern in Michelstadt an. Auch die versprochene Rückerstattung der Kosten sei bis heute nicht erfolgt. "Wie denn auch, wenn sich keiner für die Kontodaten interessiert und der Verantwortliche nicht zu sprechen ist", sagt Karolyi.

Ein Fehler auf der Buchungsbestätigung bringt die Lawine ins Rollen: Eigentlich sollte der Bus in Trutzhain abfahren, auf der Bestätigung ist aber die Rede von Fritzlar. Also steigt die Seniorin in der Domstadt in den Bus – und die Irrfahrt beginnt. Von Fritzlar geht’s unter anderem nach Borken, Alsfeld, Stadtallendorf und Homberg (Ohm). "Im Bus fragte mich jemand, ob ich denn auch nach Heidelberg fahren würde. Da wurde mir alles klar", sagt Hannah Frohherz. Die Rentnerin gibt dem Busfahrer Bescheid. Als dieser im Reisebüro bei Geschäftsführer Alexander Österreich anruft, sei auch dieser verwundert gewesen und habe Hannah Frohherz sofort zugesichert, die Reisekosten zurückzuerstatten.  Danach hören die  Geschädigten nichts mehr.

Lediglich von einer unhöflichen Mitarbeiterin sei die 37-jährige Tochter grob abgespeist worden. "Ich habe vier Tage lang erfolglos versucht, den Geschäftsführer zu erreichen. Natürlich war ich deshalb verärgert", erzählt Henrike Karolyi. "Am Telefon wurde ich aber erstmal angeranzt, ich solle freundlicher sein. Ich war nicht ausfallend, aber deutlich", betont die 37-Jährige. Erst eine zweite Mitarbeiterin hätte sich für den Ton entschuldigt und den Buchungsfehler zugegeben. "Ich bin kaum zu Wort gekommen. Und dann sagte mir die Dame, Weimar sei eh ausgebucht gewesen. Danach hieß es, ich würde mich unmöglich betragen. Mir stand der Mund offen. Und dann legte sie auf", erinnert sich Karolyi. "Wir sind keine Idioten und möchten auch  nicht so behandelt werden", betonen beide.

Auf unsere Anfrage weist  Alexander Österreich dieses entschieden zurück: "Richtig ist, dass sich (...) die Tochter (...) telefonisch mit unserem Unternehmen in Verbindung setzte. Bei diesem Telefonat vergriff sie sich (...) in ihrer Wortwahl und (...) Lautstärke. Trotz der Beleidigungen (...) bestreiten wir, dass wir Frau Frohherzs Tochter unsachgemäß behandelt haben." Alexander Österreich erklärt weiter: "Es ist richtig und wird und wurde von unserem Unternehmen zu keinem Zeitpunkt bestritten, dass es bei (...) Frau Froherz zu einer internen Fehlreservierung gekommen ist. [...] Leider verpasste der Zubringer-Bus aus Fritzlar den Hauptbus in Trutzhain, der weiter nach Weimar fuhr. [...] Wegen dieses internen Versäumnisses war es nicht mehr möglich, Frau Frohherz noch nach Weimar zu bringen", heißt es in der Stellungnahme.

An den Reisetag am 12. Dezember wird Hannah Frohherz dennoch lange zurückdenken.  "Ich hatte so einen Hals! Wenn ich in eine mittelalterliche Stadt gewollt hätte, wäre ich in Fritzlar dreimal um den Brunnen gelaufen", sagt Hannah Frohherz und ist sauer. Als sie in Michelstadt nach fast vier Stunden wieder in den Bus steigt, fragt der Busfahrer, wie es gewesen sei. "Ich sagte: Beschissen!"  Trotzdem habe sie sich für die Fahrt bedankt. "Das mache ich immer, wenn ich aus einem Bus steige", betont sie.

Problematisch: Im Reisebüro wird signalisiert, Frohherz sei zufrieden gewesen. "Frau Frohherz signalisierte noch am selbigen Abend (...), dass für sie alles in Ordnung gewesen ist. Frau Frohherz konnte selbst entscheiden, ob sie unser Unternehmen von Stadtallendorf zurück nach Fritzlar bringen sollte (...). Frau Frohherz entschloss sich, mit nach Michelstadt zu fahren", sagt Österreich. Auch die Bankdaten will das Unternehmen schriftlich erbeten und keine Antwort erhalten haben. Dafür haben Hannah Frohherz und Henrike Karolyi nur ein Kopfschütteln übrig. "Uns geht’s ums Prinzip. So behandelt man keine Kunden und redet ihnen Schuldgefühle ein", sagen sie abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

San Francisco rockt Fritzlar

Die Thrash-Urgesteine „Testament“ sind Headliner von Rock am Stück 2020
San Francisco rockt Fritzlar

Felsberg-Gensungen: Einbruch in Gaststätte - Täter erbeuten Bargeld aus Automaten

Bislang unbekannte Täter erbeuteten bei einem Einbruch in eine Gaststätte in der Bahnhofstraße Bargeld aus einem Automaten und richten dabei einen Sachschaden von 1000 …
Felsberg-Gensungen: Einbruch in Gaststätte - Täter erbeuten Bargeld aus Automaten

Schwerer Unfall auf der A49: Drei Personen verletzt - 23.000 Euro Schaden

Es war Mittwochabend, 18 Uhr, als ein Mann aus Gudensberg gerade die Autobahn 49 befuhr. Plötzlich krachte es gewaltig. Das Auto des 55-Jährigen schleuderte über die …
Schwerer Unfall auf der A49: Drei Personen verletzt - 23.000 Euro Schaden

„Situation ist dramatisch“: Martin Bartsch-Stucke vom Forstamt Neukirchen im Interview

Der Klimawandel hat auch dem Wald im Schwalm-Eder-Kreis zugesetzt. Wir haben uns mit Martin Bartsch-Stucke vom Forstamt Neukirchen über den aktuellen Zustand und …
„Situation ist dramatisch“: Martin Bartsch-Stucke vom Forstamt Neukirchen im Interview

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.