Gefährlicher Einkauf: Fritzlarer Lokalpolitiker am helllichten Tag von Somaliern verletzt

Am Montagabend, 15. April, wurde der Lokalpolitiker Dr. Christoph Pohl auf einem Supermarktparkplatz in Fritzlar überfallen.

Fritzlar. Abends noch einmal schnell in den Supermarkt springen, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Was schon so gut wie jeder gemacht hat, war auch der Plan des Fritzlarer Lokalpolitikers Dr. Christoph Pohl, als er am Montagabend, 15. April, gegen kurz nach halb neun in den Tegut Supermarkt in der Straße „Am Hospital“ ging.

Doch dass der Kurzeinkauf mit einem Krankenhausaufenthalt, mehrmaligem Röntgen und erst gegen 1.30 Uhr nachts endet, hat sich der Kreistagsabgeordnete nicht vorstellen können. „Auf dem Gelände vom Tegut ist mir eine größere Gruppe aufgefallen“, sagt Pohl. Gedacht habe er sich aber nichts. „Erst als sich mir im Laden ein Schwarzer in den Weg stellte und mich auf meine Apple Airpods (Anm. d. Red.: Kopfhörer) ansprach, bekam ich ein komisches Gefühl“, so der 39-Jährige weiter. Nach einem kurzen Wortwechsel und dem darauf folgenden Weg zur Kasse, sei ihm ein weiterer Farbiger aufgefallen, der ihn beobachtete. Als Christoph Pohl den Supermarkt verließ und wenige Schritte in Richtung Stadthalle ging, sah er sich der Gruppe erneut gegenüber.

Mit einem blauen Auge davon gekommen: Dr. Christoph Pohl konnte sich gegen die Angreifer verteidigen und der Attacke mit einer zerbrochenen Wodkaflasche entgehen.

„Einer von denen sprang plötzlich auf mich zu. Um mich zu verteidigen, hab ich die Einkäufe fallen lassen – da setzte es aber direkt den Schlag aufs Gesicht“, schildert Pohl den Angriff. Kurz darauf gelangen dem Lokalpolitiker einige Schläge, die die beiden Angreifer zu Boden gehen ließen. „Glücklicherweise konnte ich mich verteidigen. Das schreckte die Anderen wohl ab“, so Pohl. „Aber als die gemerkt haben, dass sie körperlich unterlegen sind, ist plötzlich eine Wodkaflasche aufgetaucht.“

Nach mehreren fehlgeschlagenen Angriffen, sei die Flasche an einem Treppengeländer zerschlagen worden. „Die wollten mich damit beeindrucken.“ Doch die Hand konnte Christoph Pohl noch rechtzeitig wegziehen, so dass es „nur zu einem Schnitt am Finger kam“. Kurz nach dem Schnitt habe sich Pohl mit Pfefferspray gegen den Angriff mit der Flasche verteidigen können, woraufhin die Gruppe flüchtete. „Zum Glück hatte ich Pfefferspray dabei, ansonsten hätte es anders ausgehen können“, erklärt der 39-Jährige. Eines sei für den Lokalpolitiker jedoch klar: „Das war ein Angriff mit Tötungsabsicht. Und Drohungen wie ‘Ich f***e deine Familie’ gab es auch noch. “

Der Tatort: Auf dem Parkplatz des Supermarkts Tegut in Fritzlar wurde Lokalpolitiker Christoph Pohl von mehreren Somaliern angegriffen und verletzt.

Nach der Schlägerei habe Pohl selbst die Polizei gerufen, obwohl noch einiges auf dem Supermarktparkplatz los gewesen sei. „Zivilcourage: Fehlanzeige. Lediglich ein Ehepaar hat gefragt, wie es mir geht.“

Kurze Zeit später kamen die beiden Täter in Begleitung eines Dritten zurück auf den Parkplatz um eine zurückgebliebene Jacke zu holen. Just in diesem Moment kam die Polizei und konnte die beiden Somalier festnehmen. „Laut Polizei sollen die 19 Jahre alt sein, aber für mich waren die älter“, erklärt Pohl und ergänzt: „Der Rest der Gruppe ist noch auf freiem Fuß – kommende Angriffe sind nicht ausgeschlossen.“ Dennoch fand Pohl lobende Worte für das schnelle Eingreifen der Polizei. Doch seien Attacken solcher Gruppen ein grundsätzliches Problem. „Die lungern entweder im Stadtpark herum oder betrinken sich hinter der Stadthalle oder am Busbahnhof“, schildert der Lokalpolitiker die Situation vor Ort.

„Beide Täter sind somalische Staatsangehörige, polizeilich bekannt und waren zur Tatzeit alkoholisiert, aber nicht in einem Maß, das die Schuldfähigkeit beeinträchtigt“, erklärt Dr. Götz Wied, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Zum Strafmaß erläutert Wied: „Beide Täter sind 19 Jahre alt, was eher für das Jugendstrafrecht spricht. Aber Arbeitsstunden sind bei einer solchen Tat zu wenig. Wahrscheinlicher ist ein Jugendarrest.“ Die Meinung der Jugendgerichtshilfe sei abzuwarten.

„Einer der Täter hat vor mehr als drei Jahren Asyl beantragt. Eine solche Tat kann daher auch ausländerrechtliche Konsequenzen haben“, so Wied. Frank Hahn, Leiter des Tegut-Marktes, erklärt zu der Situation: „Aufgrund solcher Gruppen haben wir Ladendetektive im Einsatz. Zwölf Mann kommen rein, einer kauft was und der Rest steckt etwas ein. Aber körperliche Übergriffe in der Form gab es bisher nicht.“ Gerade in der Zeit nach 20 Uhr haben Diebstähle zugenommen, so Hahn weiter. Zivilrechtliche Schritte behält sich Christoph Pohl vor, auch wenn es seiner Einschätzung nach „nichts zu holen gibt“.

„Es ist an uns denen zu zeigen, dass es so nicht geht. Denn solche Gruppen sind kein wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft“, so der 39-Jährige abschließend.

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