Ein Ort für alle: Georg Schlamann träumt von soziokulturellem Zentrum in Treysa und beklagt Schlafmützigkeit des Bürgermeisters

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Noch braucht es hier viel Vorstellungskraft, geht es nach Georg Schlamann soll hier jedoch in naher Zukunft ein Veranstaltungsraum mit Theaterbühne unter dem Dach der alten Scheune entstehen.

Georg Schlamann möchte ein soziokulturelles Zentrum in Treysa entstehen lassen. Zur Finanzierung schlägt er ein Förderprogramm des hessischen Umweltministeriums vor. Den Antrag müsste jedoch die Stadt stellen. Doch die lässt sich aus Sicht des Ideengebers zu viel Zeit.

Schwalmstadt-Treysa. Es war vor gut eineinhalb Jahren, als Georg Schlamann am Esstisch in seinem Haus in der Treysaer Steingasse saß. Wie so oft, ließ er seinen Blick aus dem großen Fenster schweifen. Dieses Mal blieb er jedoch hängen. Der Grund dafür: Zwei alte Scheunen, verborgen im Hinterhof eines Grundstücks in der nahegelegenen Wagnergasse, die im Nu Schlamanns Interesse geweckt hatten.

„Ich habe die Scheunen gesehen und sofort gedacht: Hier kann man etwas entwic-keln“, erzählt der 67-Jährige. Anschließend ging alles ganz schnell. „Das Areal um die Scheunen stand tatsächlich zum Verkauf. Und so habe ich mich kurzerhand entschlossen das Grundstück samt der Immobilien zu kaufen“, sagt der Treysaer.

Ein riesiges Areal mit einer Größe von etwa 1.340 Quadratmetern im Herzen von Treysa nennt Schlamann seitdem sein Eigen. Vier Gebäude stehen darauf, unter anderem auch die beiden Scheunen. Zuletzt standen sie längere Zeit leer, davor war etliche Jahre ein Elektrobetrieb hier ansässig, nutzte jedoch nur einen Teil der Gebäude.

Begegnungsstätte für alle Schwalmstädter

Die Häuser sind größtenteils stark renovierungsbedürftig, das sei Schlamann bereits beim Kauf bewusst gewesen. „Einen Teil habe ich saniert und renoviert. Jetzt sind die Gebäude auf dem Stand, dass sie entwickelt werden können“, ist sich der Besitzer sicher. Und der Eigentümer hat auch bereits eine genaue Vorstellung, wie diese Entwicklung aussehen kann.

Beim Blick aus dem Fenster kam die Idee für das soziokulturelle Zentrum. Von Georg Schlamanns Wohnhaus sind die beiden Fachwerkscheunen zu sehen.

„Die Idee ist, ein soziokulturelles Zentrum entstehen zu lassen. Ein Ort, an dem in offenen Treffs soziale Kontakte zwischen Jung und Alt, Einheimischen und Migranten entstehen“, so Schlamann. Das Zentrum solle Menschen in Begegnung und Bewegung bringen, für Kultur begeistern, ein Magnet nicht nur für Treysaer, sondern für alle Schwalmstädter werden. „Die Stadtjugendpflege könnte hier unterkommen und vielleicht auch eine Kita“, erklärt der 67-Jährige.

Auch einen Veranstaltungsraum mit einer Kapazität von bis zu 250 Personen sieht die Projektidee vor. Mit dem „theater 3 hasen oben“ habe Schlamann bereits Interessenten für eine Nutzung gefunden. „Ich habe durch Zufall mitbekommen, dass Silvia Pahl und Klaus Willmanns (,theater 3 hasen oben’; Anm. d. Red.) ein Objekt in Schwalmstadt suchen. Als sie von der Idee des soziokulturellen Zentrums hörten, waren sie begeistert“, so der Treysaer.

Fördermittel kann nur die Stadt beantragen

Um die Projektidee in die Realität umsetzen zu können, braucht es jedoch vor allem eines: Geld! Schlamann geht von schätzungsweise einer Million Euro aus, die für das Projekt benötigt würden. „Bei der Recherche nach Möglichkeiten der Finanzierung bin ich auf das Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ des hessischen Ministeriums für Umwelt gestoßen, was bei einer entsprechenden Befürwortung eine 90-prozentige Förderung (der förderfähigen Gesamtkosten; Anm. d. Red.) ermöglicht. Die Ideen des Projektes entsprächen in idealer Weise den Kriterien des Förderprogramms. Ob Schwalmstadt noch bei der Förderung berücksichtigt werden könnte, konnte auf Anfrage beim Ministerium positiv beschieden werden“, erzählt der Grundstückseigentümer. Eine Machbarkeitsstudie solle zudem das Vorhaben untermauern.

Insgesamt vier Gebäude können genutzt werden. Dazu gehören unter anderem eine große Scheune (Hintergrund) und eine ehemalige Werkstatt (vorne). 

Die Fördermittel könnten aber nur von der Stadt beantragt werden, die habe jedoch bisher keine Reaktion gezeigt. „Bürgermeister Pinhard wurde das Projekt bereits im September vorgestellt. Er hat sich aber bis heute nicht nennenswert dazu geäußert“, betont Schlamann. Der Treysaer Ortsbeirat hingegen habe die Idee positiv aufgenommen und begrüße die Pläne Schlamanns. „Ich frage mich, warum der Bürgermeister das auf die lange Bank schiebt. Die Stadt darf nicht schlafen. Wir können nicht nur auf die Autobahn warten. Ich sehe dieses Projekt als einmalige Chance für die Belebung der Altstadt“, macht der Treysaer deutlich.

Jüngst habe man dem 67-Jährigen die Möglichkeit eingeräumt, seine Idee am 15. Januar dem Magistrat vorzustellen. Für den Treysaer unzureichend, um sich Gehör für das Projekt zu verschaffen. „Das soziokulturelle Zentrum muss im Stadtparlament vorgestellt werden“, betont Schlamann.

EXTRA-INFO

Das sagt Bürgermeister Stefan Pinhard

Auf Nachfrage unserer Zeitung räumt Bürgermeister Stefan Pinhard ein, Kenntnis von der Projektidee und den möglichen Fördermitteln zu haben, mahnt jedoch, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen: 

Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard.

„Bevor wir uns um Fördergelder bewerben, gilt es gründlich unsere Hausaufgaben zu machen. In diesem Fall soll alles ordentlich und Schritt für Schritt vonstatten gehen. Georg Schlamann soll seine Idee jetzt zuerst dem Magistrat vorstellen, der anschließend darüber beraten wird. Der nächste Schritt wäre die Beratung in den entsprechenden Ausschüssen“, erklärt Pinhard.

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