Vor Gericht: Homberger verprügeln Somalier vorm "City Treff"

Homberg, City Treff, Kneipe, Brandgässchen

Vergangenen Februar sollen zwei Homberger zwei Somalier vor der Kneipe "City Treff" verprügelt haben. Diese Woche standen sie vor Gericht.

Homberg. Angetrunken verlassen zwei junge Somalier den Homberger "City Treff" gegen 2 Uhr morgens. Ihr Atem kondensiert an der kalten Februar-Luft, Nur zwei Lampen leuchten schwach. Einer der beiden war zum ersten Mal in einer Kneipe.

Auf der Suche nach der Wahrheit

So beschreibt Ali O.* die Tatnacht vor dem Fritzlarer Gericht. Obwohl er selbst Deutsch spricht, bestand Richterin Corinna Eichler auf einer Dolmetscherin für den 18-Jährigen. Jedes Detail sei wichtig. O. spricht mit leiser Stimme, als er auf Somali von der Schlägerei erzählt. Seine Dolmetscherin sieht ihn aufmerksam an und nickt, dreht sich zur Richterin um und übersetzt. Im Februar vergangenen Jahres sollen er und sein Freund Ismael R.* von drei Hombergern grundlos verprügelt worden sein. "Scheiß Ausländer", sollen sie davor noch gerufen haben. Dann seien sie einfach weggegangen. Zwei der drei Schläger sitzen rechts von O. auf der Anklagebank.

Dass Vladislav M.* und Anton H.* bereits zum Teil gestanden haben, weiß O. bei seiner Aussage nicht. Ihm wurde vergangenen Februar die Nase gebrochen, seinem Freund Ismael R. ein Zahn ausgeschlagen. R. ist bei der Verhandlung nicht anwesend.

"Ja, es gab eine Schlägerei, aber nicht grundlos", berichtet Anton H. Die beiden seien – ebenfalls angetrunken – zusammen mit ihrer Bekannten Julia J.* auf dem Weg in die Kneipe "City Treff" gewesen. Unterwegs traf das Trio auf einen Freund von J.. Die Angeklagten können sich jetzt aber nicht mehr daran erinnern, ob sich dieser ihnen angeschlossen habe oder nicht.

Als sie die Kneipe betreten wollten, habe einer der Somalier Vladislav M. angerempelt und dabei dessen Jacke zerrissen. "Dann habe ich sie gefragt, was ihr Problem ist", sagt der 29-Jährige mit Blick auf Oberamtsanwältin Simone Walter. Daraufhin seien die Somalier stehen geblieben, sollen geantwortet haben: "Du bist das Problem!" Als er auf sie zuging, sei alles ganz schnell passiert: R. soll M. geschubst haben, dieser habe nur versucht, sich zu schützen. H. griff in die Prügelei ein, trug eine Platzwunde davon. Auf Nachfrage der Richterin stand er auf und zeigte Eichler eine Narbe am Kopf. Beleidigungen seien vor und während der Schlägerei nicht gefallen. Die Somalier seien einfach weggerannt.

Der einzig im Gerichtssaal anwesende Zeuge, der nicht direkt betroffen war, ist Kevin B.*. Er habe die Tat jedoch nicht direkt beobachtet. Er saß im "City Treff" und trank kurz vorher mit den beiden Somaliern, bis diese nach Hause wollten. "Ali war müde", sagt B., der Ali O. erst an diesem Abend kennenlernte, aus. Wenige Minuten später sollen die Angeklagten zusammen mit Julia J. und einem weiteren Mann den Gastraum der Kneipe betreten und direkt wieder verlassen haben. Die junge Frau sei allein geblieben. Ob die Männer nur auf Toilette oder raus gegangen sind, weiß Kevin B. nicht. Eine halbe Stunde darauf seien die Somalier blutend mit ihren Mitbewohnern in die Kneipe zurückgekehrt. B. rief die Polizei und einen Krankenwagen.

Ein Urteil fällt Richterin Eichler noch nicht. Ohne die wichtigen Aussagen von Ismael R. und Julia J. könne die Wahrheit nicht gefunden werden. Die Sitzung soll kommenden Freitag, 3. Februar, fortgesetzt werden. (*Namen von der Redaktion geändert)

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Bäckerei Plücker eröffnete neue Filiale im ehemaligen „Brede’s Back Paradies“

Riesig war der Andrang am Mittwoch bei der Eröffnung der 43. Filiale der Bäcker-Brüder Plücker in Gudensberg.
Bäckerei Plücker eröffnete neue Filiale im ehemaligen „Brede’s Back Paradies“

Heßler: "Kein Abtritt sondern Ruhestand"

Pressekonferenz im Borkener Rathaus: Bürgermeister Bernd Heßler über die Beweggründe für seinen Abschied vor Ablauf der Legislaturperiode.
Heßler: "Kein Abtritt sondern Ruhestand"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.