Geschichtslehrer Thomas Schattner aus Wabern schreibt Bücher mit lokalem Bezug

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Der Geschichte auf der Spur: Thomas Schattner.

Thomas Schattner aus Wabern hat sich nicht nur beruflich historischen Ereignissen verschrieben – auch privat stöbert der Geschichtslehrer mit Leidenschaft in Archiven. Das Besondere an den Büchern von Schattner: Er stellt Weltereignisse in lokalen Bezug.

Wabern. Thomas Schattner ist beruflich Geschichtslehrer an der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule in Homberg. Doch auch privat lässt den 54-jährigen Waberner vor allem die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht los. Bisher recherchierte und veröffentlichte er insgesamt 17 Bücher, teils mit Co-Autoren, vier davon als Herausgeber.

Beweggründe eines Autors

Bücher schreibt er aus vielerlei Gründen, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Einer sei, dass Lokalgeschichte spannend ist. „Es ist interessant zu wissen, was passierte vor der eigenen Haustür?“, so Schattner. Denn Geschichte findet oder fand nicht nur in Bonn, Berlin oder Kassel statt, sondern auch im Regionalen.

Laut Schattner wurde das „Modell“ für die reichsweite Reichspogromnacht am 9. November 1938 hier in Nordhessen und im Raum Magdeburg bereits am 7. und 8. November entwickelt, ehe der damalige Reichspropagandaminister Joseph Goebbels von Müchen aus die Sturmabteilung der NSDAP reichsweit agieren ließ.

Außerdem mache ihm Forschung Spaß. In der ersten Waberner Ortschronik aus dem Jahr 1992 standen nur Namen jüdischer Familien. Dazu hieß es, dass einige wohl überlebt haben, wenn sie ausgewandert sind. „Das nahm ich zum Anlass, mehr über diese Familien heraus bekommen zu wollen“, erzählt Schattner. Am Ende entstand ein 136 Seiten starkes Buch über die jüdischen Familien Waberns.

Dabei erlebt der Geschichtslehrer auch Unglaubliches: „Eine Nachfahrin einer jüdischen Familie Waberns wollte sich im Zuge der Recherche mit mir treffen. Das haben ihre Kinder ihr allerdings verboten. Der Kompromiss für die alte Dame sah so aus, dass sie mit mir an zwei Tagen jeweils fünf Stunden telefoniert hat. So erfuhr ich die Geschichte ihrer Familie und gleichzeitig hielt sie ihr Wort gegenüber ihren Kindern“, schmunzelt Schattner.

Meist hat er seinen Fokus auf die Geschichte von Wabern und Homberg, wenn er aber etwas Interessantes recherchieren kann, schreibe er z.B auch über Schwalmstädter, Melsunger, Fritzlarer und Borkener Geschichte.

 

Geschichte, die persönlich wird

Es kommt allerdings auch vor, dass der Umgang mit Geschichte auch sehr persönlich für den Waberner wird. Am 13. Februar 2015 bekam er einen Brief: Klaus und Charlotte, zwei alte Freunde aus Bad Arolsen, lebten nicht mehr.

„Bei Gesprächen mit dem Nachlassverwalter wurde schnell deutlich, dass die beiden freiwillig aus dem Leben geschieden waren. Wahrscheinlich spielte die Verstrickung von Charlottes Familie, die aus Homberg stammte, im Nationalsozialismus bei diesem Freitod eine tragende Rolle“, erzählt Schattner.

Sie vererbten ihm einen Koffer, der aus der NS-Bibliothek der beiden sowie dem Familienarchiv von Charlottes Vorfahren inklusive Stammbücher bestand, woraus das Buch „Die Familie Pittschellis“ entstanden ist.

Neue Projekte in 2018

Auch 2018 ist voll von neuen Projekten: „Erst einmal sind vier Bücher geplant“, so Schattner. Drei Bände dokumentieren die Pläne und den Widerstand gegen das geplante und nie realisierte Atomkraftwerk in Borken seit Mitte der 1970er Jahre (zusammen mit Rainer Scherb, Gilsa und Dr. Ingo Silaff vom Bergbaumuseum in Borken). Der vierte Band thematisiert die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 und ihre Auswirkungen auf den Schwalm-Eder-Kreis.

„Die geplanten Bücher über das AKW Borken hatten eine Vorlaufzeit von sechs Jahren“, so Schattner. Die Entstehungszeit seiner Bücher sei aber sehr unterschiedlich, manchmal ein paar Wochen oder Monate, manchmal viele Jahre, je nach Umfang.

„Man darf auch nicht vergessen, dass ich eigentlich zuerst Lehrer und dann Publizist bin. Ideen für Bücher habe ich oft Jahre im Kopf, dann kommt ein bestimmter Anlass und ich sage mir, jetzt mach dich dran. Herzlichen Dank an meine Frau Susan, die all diese Arbeiten mitträgt und toleriert.“

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