Die Gewalt nimmt zu - und das sagt die Polizei

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Ein Gespräch mit Kriminalhauptkommissar Reinhard Giesa über das richtige Verhalten bei Überfällen und Diebstählen

Schwalm-Eder. Hände hoch – das ist ein Überfall! Diesen Satz kennen die meisten wohl nur aus dem Film – doch für Angestellte in Tankstellen, Banken oder in Einzelhandelsgeschäften könnte dieser Satz Realität werden. Täglich. Auch in der Region kommt es immer wieder und vermehrt zu Einbrüchen, wie zuletzt in Felsberger Gaststätten, Wohnungen in Melsungen oder Raubüberfällen – im schlimmsten Fall mit vorgehaltener Waffe.

Wie man sich als Geschäftsinhaber oder Angestellter in solchen Situationen verhält – darüber haben wir mit Kriminalhaupkommissar Reinhard Giesa der Polizeidirektion in Homberg gesprochen. Der Experte hat erst kürzlich in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg ein Seminar zum Thema "Sicherheit im Einzelhandel" gehalten.

Was unterscheidet den Einbrecher in gewerbliche Räume vom Wohnhaus-Einbrecher?Reinhard Giesa: Beim Einbruch in gewerbliche Räume wird ein viel höherer Aufwand betrieben, auch weil die Gewinnerwartung – Geld und teure Ware – viel Höher ist als bei einem Einbruch in ein Wohnhaus. Die Einbrüche sind gezielt und geschehen nicht spontan. Daher empfehlen wir Inhabern, auch je nach Lage des Geschäfts, gerade bei Fenstern und Türen auf ausreichenden Schutz zu achten. Der mechanische Grundschutz ist sehr wichtig.

Einbrüche spielen sich zumeist in der Nacht ab. Doch auch am Tag sind vor allem Einzelhändler nicht vor Dieben gefeit. Wie kann man als Inhaber oder Mitarbeiter Ladendiebe erkennen?

Meistens handelt es sich um sogenannte Gelegenheitstäter. Typisches Verhaltensmerkmale dieser Tätergruppe sind zum Beispiel betont auffälliges umblicken, unnatürliche Bewegungen oder auch ein angespanntes Auftreten. Sie schlagen dann zu, wenn sie meinen unbeobachtet zu sein und versuchen dann so schnelle wie möglich das Gechäft zu verlassen. Weiterhin gibt es noch die gezielt vorgehenden Banden, die aber bei uns im ländlichen Raum deutlich seltener zu Werke gehen. Sie arbeiten zu mehreren. Dabei wird der Verkäufer meist abgelenkt, um sich so Zeit für einen Diebstahl zu verschaffen. Generell sollte das Personal für solche Fälle immer gut geschult sein und auf ungewöhnliches Verhalten von Kunden achten. Präsenz zu zeigen ist auch ganz wichtig. Schilder, die auf mögliche Folgen eines Diebstahls hinweisen, schrecken kaum ab.

Was ist zu tun, wenn man einen Ladendieb als solchen entlarvt hat?

Zuerst einmal ist wichtig, dass die Straftag beobachtet worden sein muss, sonst hat man kein Recht eine Person festzuhalten. Man darf Verdächtige zwar bitten die jeweilige Tasche oder sonstiges zu durchsuchen – zur Dursuchung ist jedoch nur die Polizei befugt. Grundsätzlich sollten sich Inhaber oder Angestellte nie in Gefahr begeben. Wenn man merkt, dass die Situation zu eskalieren droht, sollte man die Person lieber laufen lassen und nachher eine Täterbeschreibung bei der Polizei abgeben."

Wie sollte man sich bei einem Überfall verhalten?

Bei einem Überfall oder auch Raub ist ja von vornherein schon Gewalt im Spiel. Gerade da sollte man grundsätzlich die Gefahr meiden. Heldentaten sind hier absolut fehl am Platz und können im schlimmsten Fall das Leben kosten. Außerdem sollten auch Kunden gewarnt werden, nichts unüberlegtes zu tun. Es klingt zwar abgedroschen, aber Ruhe bewahren, ist in dieser Situation das beste Mittel. Hat man schon den Verdacht, dass es zu einem Überfall kommen kann –sofort die Polizei anrufen!

Ein Überfall kann neben körperlichen Schäden unter umständen auch die Opfer psychisch belasten. Wird eine Psychologische Nachsorge angeboten und kann man – im Falle einer Verletzung – mit finanzieller Entschädigung rechnen?

Beides ist möglich. Opfer von Gewalttaten wie einem Raub, können über das Opferentschädigungsgesetz einen Antrag auf finanzielle Entschädigung stellen. Psychologische Betreuung für Verbrechensopfer bieten der "Weiße Ring" oder die "Kasseler Hilfe" an.

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