Gibt es für Jugendliche noch ein Leben ohne Smartphone?

Smartphone, Handy, Selfie, Erich-Kästner-Schule Homberg, Medien, Karina Grebe, Jaenette Fetter, Laura Eifert und Domenic Illhardt mit Deutschlehrer Gunnar Krosky, Klasse 9H

Die Schüler der Klasse 9H der Homberger Erich-Kästner-Schule räumen zum zehnten Geburtstag des Smartphones mit Gerüchten auf.

Homberg. Dank ihrer Smartphones sind die Schüler der Klasse 9H an der Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) immer online, immer erreichbar und nie allein. Ein Leben ohne den Alleskönner können sich die Jungendlichen nicht vorstellen – zumindest glauben das zahlreiche Erwachsene, die vor zehn Jahren die Geburt des ersten Handys mit Touchscreen erlebten: Das IPhone veränderte die mobile Kommunikation.

"Mein erstes Smartphone bekam ich mit 13", erinnert sich Jaenette Fetter. Damit liegt die Schülerin genau im Durchschnitt. Auch Jaenettes Klassenkameraden bekamen ihr erstes Smartphone mit 12 oder 13 Jahren. Sorgen mache ihr ihre kleine Schwester. Diese komme bald in die Grundschule und spiele mehr auf dem Tablet als draußen. "Sie kann noch nicht lesen, weiß aber genau, wo sie draufdrücken muss", erzählt Jaenette weiter. Mit der Einschulung komme dann auch das erste Smartphone. Die Schüler sind sich einig: "Das ist übertieben!"

Die Jugendlichen fürchten aber auch, dass sie selbst zu oft auf ihr Handy starren – dem kurzen Blick auf das Display, um die Uhrzeit oder neue Nachrichten zu überprüfen, sei nicht zu widerstehen. "Das macht mir mehr Stress, als ich mitbekomme", sagt Laura Eifert. Wie viele Gleichaltrige fühle auch sie sich gezwungen sofort auf Nachrichten zu reagieren. Schließlich warte niemand gerne, sagt sie mit Blick auf ihr IPhone. Wie viel Stress das aber tatsächlich bedeutet, fand Laura erst heraus, als sie einige Wochen ohne Handy auskommen musste, "dabei konnte ich richtig abschalten."

Trotzdem gehört Chatten zu den liebsten Smartphone-Aktivitäten der Jugendlichen. Dicht gefolgt von Fotografieren und Videos sehen. Letzteres auch kurz vorm Einschlafen. Spiele hingegen sind als Apps weniger beliebt. "Dafür habe ich meinen Computer oder eine Spielkonsole", sagt Domenic Illhardt. Laut Statistiken besitzen Jungen eher einen stationären Computer als Mädchen. Für diese würde das Smartphone als internetfähiges Gerät vollkommen ausreichen. Die Mädchen der 9H haben sogar ihre Abschlussarbeiten auf ihren Handys geschrieben und gespeichert. "So haben wir sie immer dabei und können schnell noch etwas ändern", erklären sie.

Immer dabei haben sie auch ihre Fotos. Erinnerungen an schöne, wie lustige Momente. Die schönsten und lustigsten darunter wollen sie trotzdem ausdrucken. Zu schnell würden diese unter den 1.000 Bildern auf dem Handy in Vergessenheit geraten – "Datenmüll" nennen das die Klassenkameraden. "Meine Mama hat so viele Fotoalben im Schrank, das finde ich total schön", sagt Jaenette. In analoger Form hätten Fotos eine ganz andere Wirkung als auf dem Display. Als Rückschritt sehen die Jugendlichen das nicht. "So ist es irgendwie für die Ewigkeit, nicht nur für einen kurzen Moment", betonen die Schüler.

+++ EXTRA-INFO: Das ist ein "Smombie" +++

Das Jugendwort des Jahres 2015 "Smombie" vereint die Worte Smartphone und Zombie. Es beschreibt diejenigen, die nur auf den Display ihres Telefons starren und ihre Umwelt so komplett ausblenden. Es kursiert das Gerücht, dass dieses Wort nur für die Wahl selbst entstanden sei. Die Schüler der Klasse 9H kannten es nicht.

http://lokalo24.de/news/kommentar-ein-leben-ohne-smartphone/736512/

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