Granate in Scheune: Zwei Jahre auf Bewährung

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Mörsergranate in der Scheune: Angeklagter zeigt sich kooperativ und kriegt zwei Jahre auf Bewährung.

Fritzlar. "Vorbildlich" war eines der am meisten bemühten Worte im Prozess gegen einen 43-Jährigen "Waffensammler" aus dem nördlichen Schwalm-Eder-Kreis.

Dem Mann war vorgeworfen worden, gegen das Waffengesetz, das Sprengstoffgesetz sowie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Weil er sowohl in seiner Garage wie auch in einer angemieteten Scheune zahlreiche Schusswaffen, Munition sowie eine Mörsergranate gelagert hatte.

Vorab: Das sah das Gericht um die vorsitzende Richterin Corinna Eichler als erwiesen an und verurteilte den 43-Jährigen zu einer Strafe von einem Jahr Freiheitsentzug, ausgesetzt zwei Jahre zur Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro, die der Angeklagte in monatlichen Raten à 50 Euro an die Wildunger Tafel zu zahlen hat. Soweit zum nicht Vorbildlichen.

Verhandlung ohne Zeugen

Allerdings habe sich der Angeklagte von der ersten Sekunde an, nachdem die Polizei im September 2013 mit einem Hausdurchsuchungsbefehl bei ihm auf der Matte stand, kooperativ gezeigt. Das bestätigten die ermittelnden Beamten dem Gericht auch schriftlich, so dass bei der Verhandlung kein einziger Zeuge gehört werden musste.

Und: Gleich zu Beginn des Prozesses antwortete der Vater zweier Kinder auf die Frage von Richterin Eichler, ob denn die in der Anklageschrift aufgeführten Vorwürfe zuträfen, mit einem klaren "Ja!". Er habe den heutigen Tag regelrecht herbeigesehnt, "damit unter diese Sache endlich ein Schlusstrich gezogen werden kann".

Granate war mit Sand gefüllt

In den Besitz der Waffen gekommen war der Angeklagte nach dem Tod seines Vaters. Der war im September 2009 gestorben und hatte seinem Sohn das explosive Vermächtnis hinterlassen – ohne dass der im Detail wusste, was er da geerbt hatte. "Dass mein Vater alte Orden, Uniformen und auch Waffen hatte, das wusste ich", so der Angeklagte zu der Richterin, "was das im Detail war, offenbarte sich mir aber erst, als ich anfing, in der Scheune aufzuräumen." Dann habe er die Sachen, darunter auch Signal- und Selbstladepistolen, sortiert und auch einige der Stücke in seine Garage gebracht. Die Mörsergranate sei übrigens mit Sand gefüllt und daher nicht mehr explosionsfähig gewesen.

Von der Ex verpfiffen?

Von der Existenz der Waffen und Waffenteile sowie der Munition und der Mörsergranate habe nur er selbst und seine damalige Frau Kenntnis gehabt. Vom Besitz erfahren hatte die Polizei seinerzeit durch einen anonymen Hinweis. Der Angeklagte: "Und das komischerweise genau  an dem Tag, an dem die Scheidungsverhandlung zwischen meiner Frau und mir anberaumt war."

Auch Staatsanwalt milde

Mit dem Urteil blieb Richterin Eichler unter der Forderung von Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt. Der wollte eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren und eine Geldbuße von 2.000 Euro. Aber auch Weigelt hatte in seinem Plädoyer ganz klar gesagt, dass der Angeklagte diese milde Forderung seiner vorbildlichen Kooperation zu verdanken habe. Verteidiger Bernd Schubert (Kassel) hatte indessen für eine Freiheitsstrafe von neun Monaten plädiert. Schubert war der Überzeugung, dass alle Delikte als fahrlässig anzusehen seien. Dem schloss sich das Gericht nicht an und entschied lediglich im Fall des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz auf Fahrlässigkeit.

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