Grifter kämpfen für den Erhalt ihres Bolz- und Festplatzes

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Sie wollen, dass der Bolz- und Festplatz bleibt: Die Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt des Bolz- und Festplatzes Grifte.

Gemeinde will dort Kindergarten bauen - Bürgerinitiative sagt: Baut den Kindergarten lieber woanders.

Edermünde-Grifte. Die Grifter kämpfen um ihren Bolzplatz. Der soll ihnen genommen werden. Die Gemeinde will dort einen neuen Kindergarten bauen. Darüber wurden die Bürger im Rahmen einer Versammlung am 1. November informiert. Umgehend formierte sich eine „Bürgerinitiative zum Erhalt des Bolz- und Festplatzes Grifte“. Deren Mitglieder sammelten binnen kürzester Zeit 428 Unterschriften für den Erhalt. Die Unterschriftenliste wurde zwischenzeitlich – mit einem Anschreiben – an Bürgermeister Thomas Petrich sowie die Mitglieder des Gemeindevorstandes übergeben.

Darin heißt es: „Wir, Bürger der Gemeinde Edermünde, insbesondere des betroffenen Ortsteiles Grifte, und Freunde des Bolz- und Festplatzes sprechen uns heute, wie auch in der Vergangenheit ganz klar für den Erhalt des Bolz- und Festplatzes im Ortsteil Grifte aus. Der Bolz- und Festplatz ist ein generationsübergreifender Treffpunkt mit langer Tradition.“

„Wir sind nicht gegen einen neuen Kindergarten“

Bei der Bürgerversammlung im DGH Grifte: (v.l.) Uwe Bauch (Freie Wähler Gemeinschaft), Lars Werner (Bündnis 90/Die Grünen), Moderator Jann Hellmuth, Helmut Meißner (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD) und Ruth Pfannstiel (Fraktionsvorsitzende der CDU).

Anna Arnecke von der Bürger­initiative sagt: „Wir weisen ausdrücklichst darauf hin, dass wir uns nicht gegen einen Kindergartenneubau aussprechen, sondern den Bolz- und Festplatz Grifte in seiner jetzigen Form und Funktion erhalten wollen.“

Der Bolzplatz ist ein „Mehrgenerationenplatz“

Den Bolzplatz jetzt „plattmachen“ zu wollen, empfinden die Initiativenmitglieder als paradox. „Ich kann nicht verstehen, dass man in Grifte einen ‘Mehrgenerationenplatz’ einfach abschaffen will, während im Rahmen der Spielleitplanung genau solche Orte für andere Edermünder Ortsteile (Besse, Haldorf) gerade geplant werden“, sagt beispielsweise Susanne Bott. In der Spielleitplanung stehe, dass ‘große und ansprechende Spiel-, Sport- und Freizeitflächen für alle Generationen geschaffen werden sollen. Susanne: „Wir in Grifte haben einen solchen Platz, wissen ihn zu schätzen und wollen ihn behalten.“

„Wichtige Faktoren nicht mit eingerechnet“

Das Hauptargument der Gemeinde für einen Neubau des Kindergartens auf dem Bolzplatz ist, dass man dort günstiger bauen könne, als an einem Alternativstandort. Günstiger deswegen, weil der Platz bereits erschlossen sei. Die Rede ist von über 3,5 Millionen Euro, die das Kindergartenprojekt kosten soll. Das sieht die BI anders. „Wichtige Faktoren wurden bei dieser vermeintlich ‘günstigen’ Alternative nicht berücksichtigt“, sagt BI-Mitglied Thorsten Schröer, „Folgekosten sind in das offensichtlich nicht zu Ende gedachte Konzept nicht einkalkuliert.“ Darunter fallen nach Schröers Ansicht Kosten für den Bau eines neuen Bolz- und Festplatzes sowie für Straßenbaumaßnahmen. „Beispielsweise sind drei der vier Zufahrtsstraßen Landwirtschaftswege“, so Schröer, „würde man diese ­Kos­ten in das Konzept mit einrechnen, wäre der vermeintliche ‘finanzielle Vorteil’ vermutlich rasch dahin.“

Es geht um 300.000 Euro Mehrkosten

Nach Aussage der Gemeinde seien für die Erschließung eines Alternativ-Grundstücks weitere 300.000 Euro nötig. „Ich finde es schon eine Überlegung wert, ob man bei einem Bauprojekt von über 3,5 Millionen Euro nicht weitere 300.000 Euro für die Erschließung eines anderen Grundstücks finanzieren kann und sollte“, so der Grifter Helmut Werner, und er appeliert an die Mitglieder der Gemeindevertretung: „Haben Sie bitte die Gesamtkonzeption im Auge und zerstören Sie nicht vorhandene Strukturen, die eventuell nachträglich und dann vielleicht zu einem höheren Preis wieder aufgebaut werden müssen.“

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EXTRA INFO (1)

„Gemeinde hat schlecht informiert und wollte Fakten schaffen“

Die Initiative kritisiert, dass die Bürger extrem spät von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt wurden. „Erst in einer Bürgerversammlung am 1. November. Und da stand der Punkt noch nicht mal auf der Tagesordnung“, sagt Anna Arnecke.

In seiner Sitzung am 23. November hat der Bau- und Finanzausschuss der Gemeinde Edermünde bereits eine Empfehlung zur Bebauung des Geländes ausgesprochen. So schien die ­ab­schließende Abstimmung in einer öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am 27. November reine Formsache zu sein. Aufgrund des Engagements der Bürgerinitiative und der Bevölkerung wurde ein endgültiger Beschluss, insbesondere von allen Fraktionen der Opposition, zu diesem Zeitpunkt kritisch in Frage gestellt. Die Entscheidung wurde bis zur nächsten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am 15. Dezember vertagt, um vorhandene Alternativen nochmals abzuwägen.

Zwischenzeitlich, am 6. Dezember, hatte die BI alle Fraktionsvorsitzenden zu einem offenen Gespräch mit Bürgern ins Grifter Dorfgemeinschaftshaus Grifte eingeladen.

Zum angeblichen Zeitdruck, unter dem die Gemeinde jetzt entscheiden muss: Die Betriebsgenehmigung für den Kindergarten „Pustebluen“ ist bereits erloschen. Aktuell wird der Betrieb „geduldet“ (noch bis zum 31. Dezember 2019). Lars Werner (Bündnis 90/Grüne) vertritt die Auffassung, dass man bei entsprechender Begründung eine Verlängerung dieser Duldung erreichen könne. Das hieße, dass die Gemeindevertreter nicht schon am 15. Dezember final über den Bau des Kindergartens entscheiden müssen, sondern dass eine Vertagung der endgültigen Entscheidung bis März 2018 möglich sei.

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EXTRA INFO (2)

Der Bolzplatz ist mehr als nur Bolzplatz

Der Grifter Bolzplatz ist nicht nur Bolzplatz. „Was ihn auszeichnet, ist seine vielfältige Nutzung“, sagt Anna Arnecke, „Kinder lassen dort ihre Drachen steigen, spielen Federball und machen alles, wofür der eigene Garten zu klein ist. Der bewachsene Wall mit seinen Büschen und Bäumen, ist ein nicht zu ersetzender Naturspielplatz, den man so nicht im heimischen Garten ermöglichen kann.“

Außerdem finden dort die jährliche Kirmes und regelmäßige Übungen der Jugendfeuerwehr statt. Arncek: „Der Bolzplatz ist keine brachliegende Wiese. Er wird genutzt. Mit einer Bebauung würde man uns das alles nehmen.“ Wer den Erhalt des Bolzplatzes unterstützen will, kann dies online tun. Unter https://www.openpetition.de hat die BI eine Petition eingerichtet die man „online unterschreiben“ kann.

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