Gudensberg: Café als Integrationsprojekt

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Mit dem Café CaKau und dem Kaufhaus für alle im „F26“ geht die Stadt Gudensberg neue Wege bei der Flüchtlingsintegration – für die Hessische Landesregierung ist das ein Vorzeigeprojekt.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Gudensberg. Mit ihren Einwohnern aus insgesamt 64 Nationen steht die Stadt Gudensberg für gelungene Integration. Das findet auch die hessische Landesregierung. Die hat vor kurzem Zwischenbilanz für das Modellprojekt „Flüchtlinge für bürgerschaftliches Engagement gewinnen“ gezogen.

„Dieses lokale Projekt eröffnet neu Zugewanderten die Chance, selbst aktiv zu werden und sich mit ehrenamtlichen Projekten in die örtliche Gemeinschaft einzubringen“, so der Flüchtlingskoordinator der Landesregierung, Staatsminister Axel Wintermeyer.

Gemeint ist die Arbeit im ehemaligen evangelischen Gemeindezentrum, das sogenannte F26-Haus – in Anlehnung an die Postanschrift Fritzlarer Straße 26 in Gudensberg. Dort betreiben Einheimische und Zugewanderte gemeinsam das Café im Kaufhaus (CaKau). Im Erdgeschoss des F26 gibt es ebenso ein Kaufhaus für Alle, in dem Alteingesessene und Neubürger (fast) alles finden, um sich einzukleiden oder ihren Haushalt einzurichten.

Die Idee, ein Kaufhaus für alle in der Kleinstadt zu eröffnen, begann, als durch einen Hausbrand im Oktober 2015 insgesamt 48 Gudensberger mittel- und obdachlos wurden. Die Ehrenamtsbörse sammelte damals Spenden, wie Kleidung aber auch Möbel, die im Rathaus angenommen und verteilt wurden. Der Zusammenhalt in dieser Notsituation und die überwältigende Zahl der Spenden führte zu der Idee, das Kaufhaus für Alle zu schaffen. Jeder Bedürftige kann dort ohne Berechtigungsschein für kleines Geld Kleidung, Möbel und Haushaltsgegenstände erwerben. Die Preise sind in einer Liste festgelegt: ein Paar Socken gibt es für 20 Cent, eine Winterjacke ist mit 4 Euro das teuerste Bekleidungsstück im Kaufhaus für Alle.

„Es hat auch etwas Umweltschützendes: statt ihre nicht gebrauchten Sachen einfach wegzuschmeißen, geben die Gudensberger sie bei uns ab und tun so noch etwas Gutes“, freut sich Jochem Hamacher vom Mach-Mit Verein.

Mittlerweile hat sich das Kaufhaus für Alle zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem sich Zuwanderer und Einheimische gegenseitig kennenlernen können. „Viele suchen das Gespräch und die Begegnung mit Menschen anderer Nation und Kultur. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee lässt es sich gemütlicher austauschen und beieinander sitzen“, so Hamacher.

Aus diesem Grund wurde im Mai in der oberen Etage das CaKau eröffnet. Das Café wird ehrenamtlich von einem Team aus Alt- und Neubürgern betrieben. Es gibt Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen. Die unterschiedlichen nationalen und kulturellen Einflüsse spiegeln sich auch im Angebot wieder: so hat Jamila Golhani nach Original-Rezept „Gosh-e-fil“, ein afghanisches Kleingebäck, das übersetzt Elefantenohr heißt, gebacken.

„Das hier ist ein Ort, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen und Nachbarschaftshilfe groß geschrieben wird, beispielweise beim Helfen des Ausfüllens von Anträgen“, erzählt Hamacher. Sprache ist dabei das einzige Hindernis, aber die Zuwanderer sind bemüht und belegen Sprachkurse – „zur Not wird sich eben mit Händen und Füßen verständigt“, erklärt Hamacher.

Und man lernt das oft schwierige Leben des Gegenübers kennen: „Hier bekommt man Schicksale mit, die man nicht so einfach ablegen kann, wenn man abends nach Hause geht. Leider hat man nicht die Möglichkeit, allen zu helfen“, sagt Hamacher.

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