Gudensberg: Café als Integrationsprojekt

1 von 16
von Lengerken / Privat
2 von 16
von Lengerken / Privat
3 von 16
von Lengerken / Privat
4 von 16
von Lengerken / Privat
5 von 16
von Lengerken / Privat
6 von 16
von Lengerken / Privat
7 von 16
von Lengerken / Privat
8 von 16
von Lengerken / Privat

Mit dem Café CaKau und dem Kaufhaus für alle im „F26“ geht die Stadt Gudensberg neue Wege bei der Flüchtlingsintegration – für die Hessische Landesregierung ist das ein Vorzeigeprojekt.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Gudensberg. Mit ihren Einwohnern aus insgesamt 64 Nationen steht die Stadt Gudensberg für gelungene Integration. Das findet auch die hessische Landesregierung. Die hat vor kurzem Zwischenbilanz für das Modellprojekt „Flüchtlinge für bürgerschaftliches Engagement gewinnen“ gezogen.

„Dieses lokale Projekt eröffnet neu Zugewanderten die Chance, selbst aktiv zu werden und sich mit ehrenamtlichen Projekten in die örtliche Gemeinschaft einzubringen“, so der Flüchtlingskoordinator der Landesregierung, Staatsminister Axel Wintermeyer.

Gemeint ist die Arbeit im ehemaligen evangelischen Gemeindezentrum, das sogenannte F26-Haus – in Anlehnung an die Postanschrift Fritzlarer Straße 26 in Gudensberg. Dort betreiben Einheimische und Zugewanderte gemeinsam das Café im Kaufhaus (CaKau). Im Erdgeschoss des F26 gibt es ebenso ein Kaufhaus für Alle, in dem Alteingesessene und Neubürger (fast) alles finden, um sich einzukleiden oder ihren Haushalt einzurichten.

Die Idee, ein Kaufhaus für alle in der Kleinstadt zu eröffnen, begann, als durch einen Hausbrand im Oktober 2015 insgesamt 48 Gudensberger mittel- und obdachlos wurden. Die Ehrenamtsbörse sammelte damals Spenden, wie Kleidung aber auch Möbel, die im Rathaus angenommen und verteilt wurden. Der Zusammenhalt in dieser Notsituation und die überwältigende Zahl der Spenden führte zu der Idee, das Kaufhaus für Alle zu schaffen. Jeder Bedürftige kann dort ohne Berechtigungsschein für kleines Geld Kleidung, Möbel und Haushaltsgegenstände erwerben. Die Preise sind in einer Liste festgelegt: ein Paar Socken gibt es für 20 Cent, eine Winterjacke ist mit 4 Euro das teuerste Bekleidungsstück im Kaufhaus für Alle.

„Es hat auch etwas Umweltschützendes: statt ihre nicht gebrauchten Sachen einfach wegzuschmeißen, geben die Gudensberger sie bei uns ab und tun so noch etwas Gutes“, freut sich Jochem Hamacher vom Mach-Mit Verein.

Mittlerweile hat sich das Kaufhaus für Alle zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem sich Zuwanderer und Einheimische gegenseitig kennenlernen können. „Viele suchen das Gespräch und die Begegnung mit Menschen anderer Nation und Kultur. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee lässt es sich gemütlicher austauschen und beieinander sitzen“, so Hamacher.

Aus diesem Grund wurde im Mai in der oberen Etage das CaKau eröffnet. Das Café wird ehrenamtlich von einem Team aus Alt- und Neubürgern betrieben. Es gibt Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen. Die unterschiedlichen nationalen und kulturellen Einflüsse spiegeln sich auch im Angebot wieder: so hat Jamila Golhani nach Original-Rezept „Gosh-e-fil“, ein afghanisches Kleingebäck, das übersetzt Elefantenohr heißt, gebacken.

„Das hier ist ein Ort, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen und Nachbarschaftshilfe groß geschrieben wird, beispielweise beim Helfen des Ausfüllens von Anträgen“, erzählt Hamacher. Sprache ist dabei das einzige Hindernis, aber die Zuwanderer sind bemüht und belegen Sprachkurse – „zur Not wird sich eben mit Händen und Füßen verständigt“, erklärt Hamacher.

Und man lernt das oft schwierige Leben des Gegenübers kennen: „Hier bekommt man Schicksale mit, die man nicht so einfach ablegen kann, wenn man abends nach Hause geht. Leider hat man nicht die Möglichkeit, allen zu helfen“, sagt Hamacher.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Tanzen für den guten Zweck: Open-Air-Zumba-Party am Naturbadesee Stockelache

Zumba-Trainerin Yvonne Winter aus Singlis lädt zur Open-Air-Zumba-Party am Samstag, 4. August, ein. Am Naturbadesee Stockelache Borken kann Zumba getanzt und in den …
Tanzen für den guten Zweck: Open-Air-Zumba-Party am Naturbadesee Stockelache

Ihr Platz wird frei: Maria-Viktoria Daebner über ihr FSJ in Fritzlarer Kita St. Martin

Mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr überbrückte die 20-Jährige aus Volkmarsen ein Jahr bis zum Studienbeginn ihres Traumberufes Kinderpsychologin. In der Malteser …
Ihr Platz wird frei: Maria-Viktoria Daebner über ihr FSJ in Fritzlarer Kita St. Martin

Trip mit Ausblick: Geführte Radtour über den Knüll mit dem ADFC

Am Sonntag lädt der Kreisverband Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs zu einer geführten Radtour über den Knüll ein. Insgesamt 56 …
Trip mit Ausblick: Geführte Radtour über den Knüll mit dem ADFC

Dank Zauberlied: Kinderkrippe Borkener Bergzwerge lehrt Zahnpflege für die Kleinsten

In der Borkener KiTa Bergzwerge wurde nun der Grundstein für die Zahnpflege gelegt. Kindgerecht erklärten die Patenzahnärzte das Theme Zähneputzen und …
Dank Zauberlied: Kinderkrippe Borkener Bergzwerge lehrt Zahnpflege für die Kleinsten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.