Gudensberg: Steinzeitsiedler protestieren gegen geplante Sozialwohnungsanlage

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Bei der Sitzung des Bauausschusses im Gudensberger Bürgerhaus: (v.l.) Büroleiter Ralf Lengemann (auch Leitung Fachbereich Bauen, Stadtplanung), Bürgermeister Frank Börner, Bauausschussvorsitzender Dirk Schütz, Clemens Jung (Geschäftsführer des potentiellen Investors GBI) und Architekt Hans-Uwe Schultze.

Hausbesitzer zwischen Gudensberg und Maden befürchten Lärm, Raser und Wertverlust ihrer Häuser.

Gudensberg. „1,5 Millionen Euro nehmen Sie uns weg... und das im Handstreich“ – das war noch einer der moderateren Vorwürfe aus dem Publikum in Richtung der Lokalpolitiker am Mittwoch vergangener Woche im Gudensberger Bürgerhaus. Dort stellten die Investoren den Mitgliedern des Bauauschusses ihre Pläne für eine 80 Einheiten umfassende Wohnanlage am Gudensberger Langhausring – in der sogenannten – Steinzeitsiedlung – vor. Die Stadt Gudensberg will da, neben der sich aktuell im Bau befindlichen Wohnanlage der VR PartnerBank, Sozialwohnungen schaffen.

„Aktuell haben wir in Gudensberg 51 Sozialwohnungen“, so Bürgermeister Frank Börner, „72 sind in den vergangenen zwei Jahren ‘ausgelaufen’. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist groß. Wir wollen welchen schaffen, und wir müssen natürlich auch für Ersatz für die ausgelaufenen Sozialwohnungen sorgen.“ In Betracht für den Bau dieser neuen Sozialwohnungen kommt nach Ansicht der Lokalpolitiker das Gelände am oberen Teil des Langhausringes – östlich vom VR Bank Bauprojekt und südlich des dortigen Calisthenics Park (Naturerlebnisgelände).

Wie diese Anlage einmal aussehen könnte, erklärten und zeigten Clemens Jung und Hans-Uwe Schultze. Jung ist Geschäftsführer des potentiellen Investors, der GBI Wohnungsbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin. Und Schultze ist sein Architekt für diese Projekt. „Mit dem vorliegenden Entwurf haben wir versucht, der Besonderheit des Ortes gerecht zu werden“, so Schultze bei seiner Power-Point-Präsentation, „und ich denke, dass wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bebauung und Freiraum hinbekommen haben.“ Geplant sind vier dreigeschossige Gebäude mit Zwei-, Drei und Vier-Zimmer-Wohnungen – zwischen 27 und 85 Quadratmetern.

„Alle Wohnungen sind barrierefrei, vier Erdgeschosswohnungen sogar rollstuhlgerecht“, erklärt Schultze *. Die Quadratmetermiete würde sich auf 6,50 Euro belaufen, was Jung für einen angemessenen Preis hält. Nachdem Jung und Schultze noch die Fragen der Ausschussmitglieder beantwortet hatten, verabschiedeten sie sich und Ausschuss-Vorsitzender Dirk Schütz unterbrach die Sitzung für Fragen der zahlreich erschienenen Anwohner. Deren Sorgen waren groß, und die Kritik an der beabsichtigten Umsetzung viel nicht zu knapp und deutlich aus.

Hier eine Auswahl:

– angesichts von prognostizierten 1,5 Autos pro neuer Wohnung werde der Autoverkehr in der Steinzeitsiedlung dramatisch zunehmen

– die Straßen von und zum neuen Bauprojekt würden zur Rennstrecke. Die Anwohner haben Angst um ihre kleinen Kinder und befürchten Lärm

– weil die Siedlung nur eine Zufahrt hat, sei sie für den Bau eines solchen Projektes ungeeignet

– die aktuell dort stehenden Häuser verlören durch den Bau massiv an Wert

Kritisiert wurde auch, dass die Stadt Gudensberg seinerzeit, als die Bauplätze verkauft worden waren, nicht angekündigt habe, dass ein solches Projekt einmal denkbar sei. „Es hieß, in der Steinzeitsiedlung würde maximal ein Kindergarten oder ein Seniorenheim gebaut werden“, so ein erzürnter Anwohner.

Frank Börner sagt: „Der Bedarf für bezahlbaren Wohnraum ist da. In ganz Deutschland und auch in Gudensberg. Wir werden prüfen, ob es Standortalternativen zu dem Grundstück in der Steinzeitsiedlung gibt. Darüber werden die städtischen Gremien in den nächsten Sitzungen beraten.“

Und: „Wir setzen auf einen transparenten Entscheidungsprozess. Dieser Prozess ist noch ganz am Anfang. Die politische Willensbildung in den städtischen Gremien hat gerade erst begonnen. Und von Anfang an ist die Öffentlichkeit eingebunden.“

In dem Zusammenhang gibt es derzeit auch Kritik an dem gerade erst von der Stadt Gudensberg aktualisierten Stadtentwicklungsplan. Marcus Erler, der im westlichen Madener Neubaugebiet wohnt, hat diesbezüglich im Internet auf der freien Plattform www.openpetition.de eine Petition ins Leben gerufen. „Die Belange des Umweltschutzes, des Verkehrs, der Bevölkerungsentwicklung sowie die Nutzung von landwirtschaftlichen Nutzflächen werden in der Stadtentwicklungsplanung nicht ausreichend berücksichtigt“, heißt es da beispielsweise.

Erler: „Wer auch dieser Überzeugung ist, der klickt einfach auf www.openpetition.de und gibt im Suchfenster den Begriff ‘Gudensberg’ ein – dann findet man die Petition, die sich an das Gudensberger Stadtparlament richtet.“

* leider wollte uns der Investor keine Pläne oder Bilder aus seiner Power-Point-Präsentation zur Verfügung stellen.

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