Haftbefehl gegen „falsche Ärztin“ u.a. wegen des Verdachts des Totschlags

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Durch fehlerhafte Anästhesien soll die „falsche Ärztin“ im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist in vier Fällen den Tod der Patienten verursacht haben. In acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein.

Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar: „Falsche Ärztin“ soll möglicherweise für den Tod von vier Patienten verantwortlich sein – Durchsuchungsmaßnahmen in Kiel, im Schwalm-Eder-Kreis und im Landkreis Uckermark

Kassel/Fritzlar/Kiel. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gemeinsam mit der bei der Regionalen Kriminalinspektion Schwalm-Eder in Homberg angesiedelten Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „Medicus“ gegen eine 48 Jahre alte, zuletzt in Kiel wohnhafte Frau wegen des Verdachts des Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Betruges, Missbrauchs von Titeln und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz (Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis).

Die Beschuldigte steht in dem Verdacht, sich mittels gefälschter Unterlagen eine Anstellung als Assistenzärztin im Fritzlarer Krankenhaus Hospital zum Heiligen Geist erschlichen zu haben. Sie war dort von Anfang November 2015 bis August 2018 tätig, zuletzt im Controlling. Zuvor war sie in anderen Abteilungen eingesetzt, u.a. bis Ende Oktober 2017 als Assistenzärztin in der Abteilung für Anästhesie.

Eine wegen des Verdachts des Anstellungsbetruges bereits im Januar 2019 vollzogene erste Durchsuchungsmaßnahme führte zum Auffinden verschiedener Beweismittel, die unter Berücksichtigung weiterer Ermittlungsergebnisse eine Ausweitung des Verfahrens auf die Vorwürfe des Totschlages und der gefährlichen Körperverletzung notwendig machte.

Nach zwischenzeitlich eingeholten rechts- und fachmedizinischen Sachverständigengut- achten besteht der dringende Verdacht, dass die Beschuldigte eigenständig mehrere Anästhesien nicht lege artis durchführte, da sie die dafür erforderlichen Fachkenntnisse mangels entsprechender Ausbildung nicht besaß.

Beispielsweise soll sie ein schwerwiegendes Aspirationsereignis nicht rechtzeitig erkannt sowie fehlerhafte Atemmanagements und fehlerhafte Medikamentengaben während Operationen zu verantworten haben.

Durch fehlerhafte Anästhesien soll sie in vier Fällen den Tod der Patienten verursacht haben. In acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kassel hat das Amtsgericht Kassel wegen der genannten Taten Haftbefehl gegen die Beschuldigte erlassen, da aufgrund der Straferwartung Fluchtgefahr besteht.

Dieser Haftbefehl wurde am 29. Oktober vollstreckt.

Gleichzeitig wurden die Privaträume der Beschuldigten sowie die Räume des Krankenhauses erneut durchsucht. Die Durchsuchung diente insbesondere der Sicherstellung weiterer Krankenunterlagen. Diese sollen dahingehend überprüft werden, ob es über die bis dato bekannten Fälle hinaus zu weiteren Fehlbehandlungen gekommen ist, die in den Verantwortungsbereich der Beschuldigten fallen.

Ermittlungen zu weiteren Verantwortlichkeiten

Mit den Ermittlungen wird auch geprüft, ob zwei, im Tatzeitraum in dem Krankenhaus tätigen Ärzten Aufsichtspflichtverletzungen zur Last zu legen sind.

Konkret soll geprüft werden, ob die beiden, ehemals der Beschuldigten gegenüber in vorgesetzter Position tätigen Ärzte erkannten, dass die Leistungen der Beschuldigten mangelhaft waren, sie aber weiterhin als eigenverantwortliche Anästhesistin gewähren ließen.

Zur weiteren Aufklärung der Vorwürfe fanden u.a. an ihren heutigen Arbeitsplätzen im Schwalm-Eder-Kreis und im Landkreis Uckermark Durchsuchungsmaßnahmen statt, um beweisrelevante Unterlagen zu sichern.

Über 50 Polizeibeamte im Einsatz

Am Vollzug der obigen Maßnahmen waren neben vier Beamten der Staatsanwaltschaft Kassel 45 Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Nordhessen und der Bereitschaftspolizei beteiligt, die durch sieben Polizeibeamte aus Kiel und Brandenburg unterstützt wurden.

Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen steht an.

Weitere Auskünfte, insbesondere auch nähere Angaben zur Person der Beschuldigten und deren Aussageverhalten, werden gegenwärtig von der Staatsanwaltschaft nicht gemacht.

Hinweistelefon eingerichtet

Die Kriminalpolizei in Homberg hat zur Aufnahme von Hinweisen und für Anfragen von Angehörigen oder Betroffenen ab sofort ein Hinweistelefon unter der Tel. 05681/774-180 eingerichtet. Das Hinweistelefon ist täglich in der Zeit von 10 Uhr bis 18 Uhr besetzt.

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