Hartes Thema leichter gemacht: Buchkritik zu Vaupels "Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten"

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"Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten" ist ein geeigneter Einstieg in die Thematik des Dritten Reiches sowie die Grausamkeiten, die Menschen erfahren mussten.

Region. Buchkritik zum Artikel „Gudensberger Autor Dieter Vaupel besuchte mit Buch über Auschwitz-Überlebende Blanka Pudler Frankfurter Buchmesse“:

Bereits Ende August traf ich mich mit dem Autoren Dieter Vaupel, der das Buch „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten“ über Blanka Pudler und ihre Zeit in Au-schwitz und Zwangsarbeit in Hessisch Lichtenau veröffentlichte. Lange Zeit lag das Buch nach dem ersten gelesenen Kapitel auf meinem Schreibtisch, immer mit dem Wissen, dass sobald ich einmal weiterlese, ich es wohl auch am Stück beenden werde, doch ich kam einfach nicht dazu – bis vor Kurzem. Trotz der ernsten Thematik schafft es Vaupel erstaunlich gut, das Buch aus Sicht der 14- bis 15-jährigen Blanka zu schreiben – mit entsprechenden Formulierungen, die den Leser in die Geschehnisse von 1944 und 1945 hineinziehen.

Dabei wechselt die Jüdin Blanka mit ihrer Familie mehrmals den Heimatort, muss aufgrund diverser Gebietsreformen verschiedene Sprachen in der Schule lernen und erfährt nach der Deportation nach Auschwitz die endgültige Trennung von ihren Eltern. Gemeinsam mit ihrer Schwester erlebt sie die Grausamkeiten in dem KZ. Vaupel stellt die Angst des Mädchens sehr nachvollziehbar dar. In Auschwitz wurde Schwäche, Krankheit und die Hoffnung auf einen besseren Ort von den SS-Männer und -Frauen stets mit der Gaskammer beantwortet. Blanka hadert immer wieder damit, etwas an ihrer Situation zu ändern, lernt aber aus den Erfahrungen der anderen Insassen und bekommt Halt durch ihre Schwester.

Leichter wurde es für die beiden auch in der Munitionsfabrik in Hessisch Lichtenau nicht. Im Winter mit kaputten Schuhen und nicht ausreichender Kleidung galt es täglich bis zur Fabrik zu laufen, nicht krank zu werden und sich beim Umrühren des TNTs keine starken Verbrennungen zuzuziehen. Deportationen nach Auschwitz waren immer noch möglich. Immerhin gab es dort laut dem Buch einen SS-Mann, der Mitleid mit den Arbeiterinnen hatte und ihnen bessere, wenn auch keine optimalen, Schuhe besorgte. Wesentlich besser erging es auch den deutschen Arbeiterinnen nicht, wovon sich auch eine um Blanka kümmerte. So ergaben sich immer wieder Hoffnungsschimmer für Blanka, die die größte Stütze durch ihre Schwester erfuhr, abseits von den „außerirdischen“ SS-Leuten, die nichts menschenähnliches mehr gehabt haben, wie es Blanka mehrmals formuliert.

Bei dem Buch dachte ich immer wieder an meine Schulzeit zurück und wie dort die zwölf Jahre Drittes Reich aufgearbeitet wurden. Da schaute man Filme, sprach über die Hitlerjugend und der Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde mal angerissen. Da die Thematik in mehreren Fächern aufgegriffen wurde, war an die Chronologie wichtiger Ereignisse nicht zu denken. Vaupels Buch kann ich mir aber sehr gut als Einleitung zum Thema für heutige oder zukünftige 15-Jährige vorstellen.

Es gibt einen guten Überblick über die Grausamkeiten, die Menschen am Ende des Nazi-Regimes verübten und das aus der Opferperspektive und keiner trockenen Geschichtsbuchsicht, bei denen meist mit kaum nachvollziehbar großen Zahlen um sich geworfen wird. Das Buch hat eine angenehme Lesedauer, kurze Kapitel, viele Bilder, die das Beschriebene noch weiter begleiten und durch die detaillierte Sicht auf das Erlebte bietet es auch reichlich Diskussionsstoff. So ein Buch hätte ich mir zu meiner Schulzeit gewünscht, denn so ein angenehm geschriebener Einstieg in das Thema blieb mir damals verwehrt.

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