Hobbyforscher fanden heraus: Firma aus Manchester stellte Ziegelsteine in Gensungen her

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Sie fanden heraus, dass sich Engländer Ende des 19. Jahrhunderts in Gensungen für kurze Zeit niederließen: (v.li.) Jörg Rode, Heinz Körner, Rolf Fröhlich und Klaus Winter.

Dass die Zeche und Ziegelei am Heiligenberg Ende des 19. Jahrhunderts vor kurze Zeit unter englischem Besitz stand, fanden nun Felsberger Hobbyforscher erstmals heraus.

Felsberg-Gensungen. Wie spannend Lokalgeschichte sein kann, zeigt die neueste „Ausgrabung“ der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte Gensungen. Eines vorweg: In und um den Felsberger Ortsteil ging es einst „very british“ zu.

Als im Sommer vergangenen Jahres bei Abriss- und Grabearbeiten für den neuen Edeka-Markt alte Backsteine mit dem Aufdruck „High Level Co. Gensungen“ zutage kamen, war das Interesse von Rolf Fröhlich, Heinz Körner, Jörg Rohde und Klaus Winter sofort geweckt. Die Hobby-Geschichtsforscher wälzten Lokalchroniken, durchsuchten die Archive der Kasseler Universitätsbibliothek und besuchten das Staatsarchiv Marburg. „Den entscheidenden Hinweis fanden wir aber bei uns in Gensungen im Museum. In einer Ausgabe des ,Melsunger Wochenblatts’ von 1880 gab es eine Anzeige: Die Ziegelei Heiligenberg suchte einen Vertreter für ,Thonsteine’ wie es damals hieß“, erklärt Heinz Körner den ersten Erfolg der langwierigen Nachforschungen.

Einer der wenigen komplett erhaltenen Ziegelsteiner der „High Level Company“ aus Manchester und die ausführliche Dokumentation, den die AG für Vor- und Frühgeschichte Gensungen veröffentlicht hat.  Foto: Scharpen

 Langsam ergab das Puzzle ein stimmiges Bild: Unterhalb des Heiligenbergs, zwischen der Domäne Mittelhof und Gensungen, wurde früher nicht nur Kohle gefördert, sondern auch Ziegelsteine von der Firma „The High Level Coal & Brick Co. Limited“ aus Manchester hergestellt, wie die weiteren Recherchen der Geschichtsforscher ergaben. „Die Ziegelproduktion fand nachweislich jedoch nur in den Jahren 1880 und 1881 statt. Das englische Unternehmen geriet schnell in finanzielle Probleme. Vielleicht war der Preis der Backsteine zu hoch“, mutmaßt Körner. Auch auf Forderungen von Gläubigern stießen er und seine Mitstreiter.

Relikt mit Seltenheitswert

Dabei war das Verfahren, die Steine mit dem Firmenlogo zu versehen in Deutschland absolut einzigartig: „Der Firmenname wurde im Trockenpressverfahren eingestanzt, nicht etwa wie sonst üblich eingebrannt“, so der 65-jährige Heinz Körner. „Solche Steine findet man sonst nur in England oder Nordamerika.“ Und auch in Kassel, wo ebenfalls die Backsteiner auch der Gensunger Ziegelei gefunden wurden. Allerdings sind die knapp vier Kilogramm schweren Steine selten: „Die meisten sind natürlich über die Jahrzehnte hinweg als Bauschutt entsorgt worden. Ich schätze, dass aktuell vielleicht 20 in Privatbesitz sind. Wir in der AG haben vier oder fünf in Besitz“, sagt Heinz Körner.

Auch wenn das Kapitel der „High Level Brick Company“ für Heinz Körner beendet ist, ruhen kann der Hobbyforscher nicht und sucht weiter nach historische Geschichten, die sich in der Region abgespielt haben. Denn: „Die ,große’ Geschichte hat auch lokale Spuren hinterlassen, die ich aufdecken und erklären will.“

Die Dokumentation

Die gesamte Geschichte über die kurze Zeit der Engländer Ziegelei in Gensungen hat die Arbeitsgruppe in einer siebzigseitigen Dokumentation zusammengetragen. Mit alten Fotos, original Dokumenten und vielen Bildern, zeigt die „Dokumentation zur Ziegelei und Zeche Heiligenberg“ eindrucksvoll, wie sich auch die Gemeinde Felsberg Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. Das Buch ist ab sofort im Stadtarchiv Felsberg (Poststraße 6) für 12 Euro erhältlich.

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