Hobbyrapper Christian Andreas aus Fritzlar verarbeitet auf YouTube seine harte Schulzeit

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„Lemmix“ formt ein Herz mit seinen Händen, denn er verabscheut Mobbing und Gewalt. Im Internet versucht er den Nachwuchs zu sensibilisieren: „Mobbing macht Menschen kaputt“, lautet seine Message.

Weil er in der Schule lieber seine Zeit mit Mädchen verbrachte, wurde der 28-Jährige Christian Andreas von den Anderen „Uschi“ genannt. Heute verarbeitet der Hobbyrapper seine Erlebnisse in Songs.

Fritzlar. „Die Kindheit ist die Zeit, die Dein Leben im Alter belastend beeinträchtigen kann. Alles was man als Kind erlebt, spiegelt sich später in Einem wieder“, schreibt Christian Andreas alias Lemmix auf seiner Facebook-Seite. Der 28-Jährige aus Fritzlar ist ein Selfmade-YouTuber (Anm. d. Red.: Christian An-dreas schreibt Texte und dreht eigene Videos, die er auf der Plattform „YouTube“ hochlädt).

Lemmix’ aktuelles Musikvideo heißt „Vom Dunkeln ins Licht“. Darin verarbeitet er seine Schulzeit an der Fritzlarer Ursulinenschule. „Ich habe mich früher immer besser mit Mädchen verstanden. In der 5./6. Klasse ging es los, da wurde ich zum Ziel der anderen Jungs. Sie fanden es nicht so toll, dass ich nur mit den Mädels abhänge“, erzählt Andreas.

Es ging soweit, dass er Angst empfand in die Schule zu gehen und sogar Selbstmordgedanken hatte: „Ich war schon immer ein bisschen anders als die Anderen. Es fing mit Beleidigungen an. Später wurde ich geschlagen und geboxt. Darunter leide ich auch heute noch“, berichtet der Hobbyrapper unserer Zeitung.

Mobbing ist ein akutes Thema unter Kindern und Jugendlichen. Christians dreijähriger Ziehsohn Joel musste bereits erste negative Erfahrungen im Kindergarten machen: „Wir haben ihn dort hingebracht. Bereits nach wenigen Minuten wurde er von anderen geschubst. Solche Erfahrungen prägen von Klein auf“, erzählt das YouTube-Sternchen fassungslos.

„Ich weiß, ich bin nicht alleine. Heute ist es Gang und Gäbe, Psychologen und Psychiater sind ausgebucht. Psychiatrische Einrichtungen sind überfüllt und manch einer will es gar nicht einsehen, dass er auch vom Schicksal betroffen ist“, schreibt Lemmix auf Facebook an seine Fans.

Weil er in der Schule lieber seine Zeit mit Mädchen verbrachte, wurde Christian von den Anderen „Uschi“ genannt. Heute verarbeitet der Hobbyrapper seine Erlebnisse in Songs. „Lemmix“ ist Programm: selbst seine Kleidung lässt der 28-Jährige für die eigene Vermarktung anfertigen: „Lemmix Fashion“.

Allerdings gibt es auch viele, die Christian seinen „Erfolg“ nicht gönnen. „Heutzutage gönnen die Meisten einem nix mehr. Als ich damals den Song ‘Touch the stars’ für die verunglückten Unfallopfer bei Zierenberg veröffentlichte, löste ich damit einen regelrechten Shitstorm (Anm. d. Red.: große Aufruhr im Internet) aus“, so Lemmix weiter. Viele unterstellten ihm, dass er sich an diesem Ereignis, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, persönlich bereichern wollte. Immerhin ist dieser Song der meistgeklickte auf seinem YouTube-Kanal. Alles Erlebnisse, an denen der junge Mann zu knabbern hat.

Er selbst meint, dass er nur „Arschtritte“ kassiere, obwohl er eigentlich immer nur Gutes im Sinne habe und helfen wolle. Selbst seinen Künstlernamen änderte Lemmix in den vergangenen Jahren mehrfach um: „Früher hieß ich ‘La Ushy’, aber dann machten sie ‘die Uschi’ aus mir. Dann folgte der Name ‘Láùx’ (gesprochen Lorx), aber alle nannten mich nur den Lauch. Du kannst Dir vorstellen, dass man nicht der Lauch sein will. Dann kam ich auf Lemmix.“

Weil er selbst sagt, dass er schon immer anders sei als die Anderen, hat Lemmix viele Hindernisse in seinem Leben überwinden müssen. Seinen Hauptschulabschluss habe er gerade so geschafft, weil er Angst hatte, nach all den Mobbingattacken zur Schule zu gehen.

Eine Ausbildung hat der 28-Jährige bis heute noch nicht gemacht, da die Psyche nicht mitspielt. „Die Erlebnisse von damals verfolgen mich bis heute. 2016 folgte dann ein Burnout mit anschließendem Klinikaufenthalt. Mit diesem Song will ich die Jugend von heute zum Nachdenken anregen, da viele nicht wissen, was sie mit vermeintlich ‘harmlosen’ Sprüchen bei den Opfern auslösen.“

Christian Andreas will weiterhin seine Erlebnisse und Gefühle in eigenen Songs verarbeiten und so die Hörer zum Umdenken motivieren. Sein aktuelles Video „Vom Dunkeln ins Licht“ gibt es online: https://youtu.be/oVEkaHk5lmE

 

Die "Nummer gegen Kummer"

Der Verein „Nummer gegen Kummer“ ist die Dachorganisation des größten kostenfreien telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland. Das Kinder- und Jugendtelefon besteht seit 1980. Ehrenamtliche, speziell für diese Aufgabe ausgebildeten Berater nehmen die Anrufe entgegen. Die Nummer gegen Kummer erscheint nicht auf der Telefonrechnung und der Anrufer bleibt anonym.

Telefon für Kinder: 0800-111 0333 oder vom Handy: 116 111 Sprechzeiten: montags bis samstags 14 bis 20 Uhr (samstags sitzen Jugendliche am Telefon) Telefon für Eltern: 0800-111 0550 Sprechzeiten: montags bis freitags 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags 17 bis 19 Uhr.

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