Hoffen auf erfolgreiche Petition: Trotz Ausbildungsangebot droht Zahid Khan aus Jesberg die Abschiebung nach Pakistan

+

Unterschriften für ein Zuhause: Jesberger haben den Pakistaner Zahid Khan lieb gewonnen und wollen ihn mit einer Petition vor der Abschiebung bewahren.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Jesberg. Es ist eine tragische Lebensgeschichte, die Zahid Khan zu erzählen hat: Er und seine Freundin wollten heiraten, doch ihre Familie entscheidet sich für einen reichen Mann aus dem Dorf. Eine geplante Flucht des jungen Paares scheiterte. Es geht um Ehrverletzung, Rache und Morddrohungen – die Situation in dem kleinen Dorf in Pakistan ist angespannt. „Bis mir meine eigene Familie nahelegte, das Dorf zu verlassen“, erklärt Khan. Seine neue Heimat Jesberg ist ungefähr genau so groß wie das Dorf in Pakistan, doch trotz aller Integration soll er auch dieses Dorf wieder verlassen. Denn das Bundesamt für Migration lehnte seinen Asylantrag ab.

Die Jesberger wollen ihn jedoch nicht gehen lassen: „Zahid Khan ist in unseren Augen eine echte Bereicherung für Jesberg, seine freundliche Art und sein Engagement würden uns in Zukunft fehlen“, so der Jesberger Michael Schramek. Ein enger Kreis von rund zehn Leuten setzte sich zusammen und beschloss, eine Petition auf den Weg zu bringen, die beim Petitionsausschuss des Hessischen Landtages eingereicht werden soll, um Khans Ausweisung nach Pakistan zu verhindern.

„Dabei war Deutschland zuerst gar nicht geplant“, so der Pakistaner. Er flüchtete 2013 zuerst in die Türkei und blieb anderthalb Jahre. Doch dort holte ihn die Vergangenheit nach eigenen Angaben ein. Auf offener Straße wurde er Opfer eines vermeintlichen Raubüberfalls. Khan befürchtet einen Racheakt des Ehemannes seiner großen Liebe. Er fühlt sich verfolgt und so beschloss er 2015 erneut zu flüchten – diesmal nach Deutschland.

Gartenarbeit macht ihm Spaß. Hinter seinem Haus kümmert sich Zahid Khan gerne um die anliegenden Arbeiten – und auch in anderen Dorfgärten arbeitet er oft.

Endlich angekommen, führte den 26-Jährigen im Dezember sein Weg mit elf anderen Pakistanern nach Jesberg. Als der einzige mit Englischkenntnissen setzte er sich direkt als Dolmetscher seiner Gruppe ein. Khan fand eine Unterkunft, fing einen Minijob beim Ortsverein „Vorfahrt für Jesberg“ an und suchte den Kontakt mit den Einwohnern. „Trotz des geringen Einkommens lädt er die Dorfbewohner regelmäßig zum Essen ein“, erzählt Schramek. Der Pakistaner hat sich ein Leben aufgebaut und fühlt sich in Jesberg mittlerweile zu Hause. Doch ein Brief vom 10. Januar dieses Jahres könnte alles zunichte machen. Khans Antrag auf Asyl wurde abgelehnt.

Die Abschiebung droht

Ihm droht Ausweisung beziehungsweise Abschiebung. Denn in Deutschland dürfen nur Flüchtlinge bleiben, die in ihrem Heimatland begründete Furcht vor Verfolgung wegen der Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe vorweisen können. Zwar ist Khan von den Brüdern seiner ehemaligen Verlobten und dessen Bräutigam bedroht worden, aber es sei nicht auf die oben genannten Gründe zurückzuführen, heißt es in dem Brief vom Verwaltungsgericht Kassel. Er könne sicherlich nicht in sein Dorf zurück, aber Pakistan sei groß, heißt es in der Begründung (Schreiben liegt der Redaktion vor). „Ich bin mir nicht sicher, dass ich woanders in Pakistan vor der Familie sicher wäre. Der Mann meiner Verlobten fühlt sich entehrt und möchte Rache an mir üben“, ist Khan überzeugt.

Ausbildungsplatz als Chance

Neben der Petition gibt es noch eine weitere Chance für Khan: Mit einer Ausbildungsstelle könnte der Aufenthalt während der Ausbildungszeit gewährt werden. Möglich macht dies der Recycling- und Umweltdienst Borken. Dort arbeitet Khan bereits seit November vergangenen Jahres als Arbeiter im Recyclingbereich. Geschäftsführer Michael Müller findet lobende Worte für Khan: „Er verfügt über eine schnelle Auffassungsgabe, kann das Gelernte schnell und dauerhaft umsetzen, ist körperlich belastbar und kann zupacken.“

Mit dem Chapati, einem Fladenbrot, wird das Curry gegriffen: Zahid Khan kocht gerne für die Dorfbewohner – trotz des geringen Einkommens des Pakistaners.

Zum Zeitpunkt der Einstellung im vergangenen November war Müller noch nicht bekannt, dass dem 26-Jährigen die baldige Abschiebung droht: „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er den schulischen Anforderungen gewachsen ist, doch wir werden ihm den Ausbildungsplatz anbieten und haben einen Antrag auf Eintrag in die Lehrlingsrolle an die Handwerkskammer Kassel geschickt. Sobald die Bestätigung vorliegt, muss noch die Ausländerbehörde zustimmen und eine Aufenthaltsgenehmigung während der Ausbildungszeit gewähren.“ Wenn das gelingen sollte, wäre Khans Verbleib in Deutschland für einen längeren Zeitraum gesichert.

Khan hofft aber, dass durch die Petition sein Aufenthaltsrecht auf Dauer gesichert wäre. „Dann wären wir bereit, den Jahresvertrag von Herrn Khan in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu überführen und ihm im Betrieb eine berufliche Perspektive anzubieten“, versichert Michael Müller.

Jetzt helfen!

Mit Unterschriftenlisten beim örtlichen Edeka sind schon 200 Stimmen zusammengekommen. Wer die Petition unterstützen möchte, sendet bis Sonntag, 19. Mai, eine E-Mail mit Namen, Adresse und Telefonnummer an info@vorfahrt-fuer-jesberg.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Halloween im Wildpark Knüll mit Kürbisschnitzen für Gruselfans
Heimat Nachrichten

Halloween im Wildpark Knüll mit Kürbisschnitzen für Gruselfans

Das Naturzentrum Wildpark Knüll hat ein Halloween-Paket für alle Gruselfreunde: Von Kürbisschnitzen über Geschichten bis zur Führung mit einer Hexe.
Halloween im Wildpark Knüll mit Kürbisschnitzen für Gruselfans
Am Ringwall in Gudensberg sind 44 neue Wohnungen entstanden
Heimat Nachrichten

Am Ringwall in Gudensberg sind 44 neue Wohnungen entstanden

Mit 6,20 Euro pro qm liegt der Mietpreis Am Ringwall deutlich unter dem üblichen Mietspiegel für Neubauwohnungen in Gudensberg.
Am Ringwall in Gudensberg sind 44 neue Wohnungen entstanden

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.