Industrietaucher aus Schleswig-Holstein reinigen Kläranlage in Neuental

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Voß hilft Panzenhagen beim Anlegen seiner Taucherausrüstung.
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Die Ablagerungen an diesem Rohr lassen erahnen, wie es unter Wasser aussieht.
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Machen gerade eine kurze Pause beim Besuch von Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm (v.li.): Nils Voß, Hartmut Panzenhagen, Finn Radau und Klärwärter Reinhard Koch.
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Die Funkverbindung wird mit dem Schlauch für die Luft gesichert, die Voß links für Panzenhagen im Wasser hält.
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Die gute Laune erhält sich Panzenhagen auch im Klärwasser.
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Nach einem Tauchgang wird Panzenhagens Neoprenanzug erstmal abgespritzt, damit kein Klärwasser an ihm haften bleibt.

Während oberhalb des Wasser ein eisiger Wind bläst, geht es Industrietaucher Hartmut Panzenhagen im acht Grad kalten Wasser der Kläranlage Neuental relativ gut. Unsere Zeitung war im Gespräch mit Menschen, die einem der unliebsamsten Jobs nachgehen und dabei trotzdem Spaß haben.

Neuental. Hartmut Panzenhagen bekommt auf seiner Arbeit viel Bewegung, hat seine Ruhe, werkelt mit seinen Händen und ist sogar im meist kühlen Nass unterwegs. Dennoch will wohl kaum jemand seine Arbeit erledigen, denn er ist Industrietaucher und kümmert sich damit um die Reinigung von Kläranlagen.

Bei einer viertägigen Reinigungsarbeit in der Kläranlage Neuental hat sich unsere Zeitung mit ihm und seinen Kollegen Finn Radau und Nils Voß über diese notwendige, aber doch außergewöhnliche Arbeit unterhalten.

Die gute Laune erhält sich Panzenhagen auch im Klärwasser.

„Unten ist es schöner, als oben“, witzelt Panzenhagen, nachdem er nach rund zwei Stunden wieder mal für eine Toilettenpause aus dem Klärbecken steigt, den Neoprenanzug abstreift und den vier Kilogramm schweren Helm ablegt. Seine Ausrüstung ist wasserdicht, so dass seine Haut nicht in Kontakt mit dem Klärwasser kommt. „Oben bin ich dem Wetter ausgesetzt, unten ist alles ruhig.“ Zur Zeit des Gesprächs zeigen die Thermometer acht Grad Celsius Wassertemperatur an. Oberhalb sollen vier Grad herrschen, durch den eisigen Wind ist davon aber nichts zu spüren. Über Funk kann der jeweilige Taucher mit seinen Kollegen oberhalb in Kontakt bleiben.

Panzenhagen und seine Kollegen säubern unter Wasser ein Gemisch aus Sand, Schlamm, Fäkalien und anderen Resten, die sich mit der Zeit ansammeln. „Unter Wasser sieht man nichts, wodurch nach dem Dreck getastet werden muss. Dieser wird dann mit einem Schlauch, der über die andere Hand geführt wird, abgesaugt“, erklärt Voß, der seit drei Jahren im Betrieb seines Vaters Claus Jürgen tätig ist. Im Laufe der Tage wechseln sich die Taucher immer mal ab, denn „zwar ist es körperlich möglich, länger unten zu bleiben, doch wird einem mit der Zeit doch etwas komisch und man vergisst, wo man bei Montagearbeiten Werkzeuge abgelegt hat“, erzählt Voß.

Nach einem Tauchgang wird Panzenhagens Neoprenanzug erstmal abgespritzt, damit kein Klärwasser an ihm haften bleibt.

Ein Ekelgefühl darf bei den Tauchern aber nicht nur wegen der Flüssigkeiten im Klärbecken aufkommen, wie Panzenhagen beschreibt: „Der Schlamm und Sand gehen mir im Becken bis zum Bauch.“ Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm ist an der Arbeit der Taucher interessiert und äußert ihnen vor Ort seinen tiefen Respekt, diesen Job zu verrichten.

Die vorherige Reinigung fand vor etwa zehn Jahren statt, heißt es von Klärwärter Reinhard Koch. Er überwacht die Kläranlage, die die Gemeinde im Jahr etwa 70.000 Euro kostet, da sie außerhalb der Reinigungsarbeiten Tag und Nacht läuft. Rottwilm erwähnt eine geplante Photovoltaik-Anlage, die die Stromkosten senken soll. Bei den Reinigungsarbeiten wurden auch Belüfter im Becken ausgetauscht.

Panzenhagen und seine Kollegen nehmen für die Firma Eurodiver24 weite Strecken auf sich. „Unser Sitz ist in Schleswig-Holstein (in Bendorf, nahe Wacken), aber wir agieren deutschlandweit und haben auch schon Aufträge in Finnland und Italien angenommen. Neben Kläranlagen kümmern wir uns auch um Biogasanlagen, die sich zwar einfacher reinigen lassen, jedoch bei 42 Grad Celsius deutlich wärmer sind“, berichtet Voß. Mit dem abgepumpten Schlamm und Sand haben die Taucher von Eurodiver24 nichts mehr zu tun. Diese werden hinter der Kläranlage gelagert, bis die Feuchtigkeit, die jedes Mal mitgesaugt wird, abgesackt ist. „Die dann abgelagerten Feststoffe kommen zur Mülldeponie“, sagt Koch.

Machen gerade eine kurze Pause beim Besuch von Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm (v.li.): Nils Voß, Hartmut Panzenhagen, Finn Radau und Klärwärter Reinhard Koch.

Die Drei übernachten in einem Wohnwagen, in dessen Anhänger alles Wichtige für den Job Platz findet. Panzenhagen ist bereits 17 Jahre Industrietaucher und resümiert: „Es wird nie langweilig“, woran sich auch Voß lachend anschließt: „Würde es keinen Spaß machen, würden wir es nicht machen.“

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