"Schlachthof Europas?" Bürgerinitiative Pro Jesberg ist gegen die geplante Hähnchenmastanlage

Privat

Kürzlich veranstaltete die Bürgerinitiative Pro Jesberg eine Infoveranstaltung über die geplante Hähnchenmastanlage. Insgesamt fanden sich 200 interessierte Bürger in der Kellerwaldhalle ein.

Jesberg. Die Bürgerinitiative Pro Jesberg lud nun zu einem Informationsabend über die geplante Hähnchenmastanlage oberhalb des Jesberger Schlossbergs in die Kellerwaldhalle ein. Gut 200 interessierte Bürger nahmen an der Veranstaltung teil. Zu Beginn sollte der Bauherr Gerhard Kröschel zusammen mit seinem Sohn Andreas den geplanten Stall der Öffentlichkeit vorstellen. Nach Angabe der BI Pro Jesberg machten die beiden trotz vorheriger persönlicher Zusage von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch.

So machte ein ausführlicher Vortrag zum Thema Keime und Bakterien in der Landwirtschaft von Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel und Projektleiter des MRE-Netzwerks Nord und Osthessen, den Anfang. Martin Häusling, Europaabgeordneter und Agrarexperte der Grünen betonte, dass sich Nordhessen aktuell in einer Entwicklung befinde, immer mehr Ställe zu bauen, da in den nördlicheren Bundesländern schlicht kein Platz mehr für neue Anlagen sei. Etwa in Niedersachsen, dem „Schlachthof Europas“, würden die Bauern schon nicht mehr wissen, wo sie die Gülle noch hin kippen sollen. Des Weiteren mahnte er auch zur Vorsicht, sich in einem geschlossenen System zum Lohnmäster machen zu lassen. Der Bauer würde mit seiner Investition von etwa einer halben Million Euro das Risiko tragen, während er vom Schlachthof nur kurzfristige Garantien bekäme.

Im letzten Vortrag von Michael Heder, einem Mitglied der Bürgerinitiative Pro Waldeck, deren Widerstand gegen eine große ­Hähn­chen­mast­anlage hessenweit Beachtung findet, wurde über die bisherige Arbeit und die durchaus zu erkennenden Erfolge dort berichtet.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Andreas Grede, Sprecher der BI Chattengau gegen Massentierhaltung, die vor den Auswirkungen der Schlachthoferweiterung des holländischen Plukon Konzerns in Gudensberg schon vor Jahren gewarnt hat. Er wies u.a. darauf hin, dass Plukon auf ihrer Homepage in den Niederlanden selbst inzwischen für andere Mastmethoden werbe. Bei der anschließenden Diskussion wurden auch konkrete Fragen gestellt, auf die der anwesende Bauherr allerdings auch keine Antwort geben wollte.

„Dennoch ist der Abend aus Sicht der BI Pro Jesberg ein voller Erfolg gewesen“, so BI-Mitglied Tobias Paschke. Die wichtigste Erkenntnis des Abends sei, dass es in der nahen Zukunft einen Dialog zwischen der ­Bürger­­initiative und dem Bauherren der Hähnchenmastanlage geben müsse. Dabei sollten beide Seiten versuchen, eine gemeinsame Lösung für alle Beteiligten zu finden.

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