Bürgermeister Slawik: "Guxhagen hängt am Tropf des Landes"

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Bürgermeister Edgar Slawik steht auf der Terrasse vom Rathaus Guxhagen. Im Hintergrund ist die über die Fulda führende Brückenstraße zu sehen.

Klare Worte findet Bürgermeister Edgar Slawik nicht nur gegenüber dem Land Hessen.

Guxhagen. Edgar Slawik ist Bürgermeister von Guxhagen. Die HEIMAT NACHRICHTEN haben sich im Rathaus mit Slawik getroffen, um über die aktuelle Situation der Gemeinde zu sprechen.

Der ländliche Raum

„Was ist der ländliche Raum und wieso wurde er vorher nicht als solcher wahrgenommen?“, fragt Slawik gleich zu Beginn des Gesprächs. Die offene Frage rührt von einem angestauten Frust durch Entscheidungen auf Landesebene. Einige Politiker hätten sich auf die Agenda geschrieben, verstärkt den ländlichen Raum zu fördern. „Doch was am Ende dabei ankommt, ist den bürokratischen Aufwand meistens gar nicht wert“, kritisiert Slawik. In Guxhagen fehle es am nötigen Personalaufbau, um die Bedingungen in der zeitlichen Frist zu erfüllen, gewisse Förderungen zu erhalten. Selbst die LEADER-Mittel zu beantragen, schrecke potentielle Interessenten ab, wenn sie merken, was sie alles vorab zusammentragen müssen.

Notwendige Integration

Deswegen stehen die Defizite des ländlichen Raums auch der Integration von Flüchtlingen im Wege. „Wir müssen die Flüchtlinge auch aufs Land holen, um Parallelgesellschaften in Großstädten zu vermeiden“, betont Slawik. Um neuen Wohnraum zu schaffen, wurde ein neues Wohngebiet ausgewiesen, damit dort gebaut wird und andere, dann leerstehende Wohnungen in Guxhagen für alle, auch Flüchtlinge, zur Verfügung stehen könnten.

Finanziell unterversorgt

Der Rathauschef würde gerne mehr tun und freier in seinen Handlungen sein. „Gebt den Kommunen so viel an Finanz­ausstattung, dass sie nicht mit dem Rücken an der Wand stehen“, fordert er und weiter, „die Selbstverwaltungsgarantie ist mittlerweile ausgehöhlt. Es gibt auf kommunaler Ebene kaum Gewinner durch die Neuordnung des kommunalen Finanzausgleichs. Wir hängen am Tropf des Landes.“ Finanziell geht es der Gemeinde Guxhagen gut, doch trägt jede Kommune auch finanziell den Landkreis, der ebenfalls gut aufgestellt ist.

In Brandenburg ist da etwa eine Kreisreform im Gespräch, um dem Landkreis eine Obergrenze der Umlagen zu setzen und damit die Kommunen zu entlasten. „Deshalb begrüße ich die Entscheidung des Landkreises, die Hebesätze zu reduzieren“, lobt Slawik. Als Beispiel führt Slawik die Kitas an. 2016 kosteten die beiden Guxhagener Kitas die Gemeinde über 1 Million Euro. Als Geschenk an die Eltern bezeichnet Slawik die beabsichtigte Beitragsfreistellung. Nötiger fände er eine Beteiligung des Landes an den Betriebskosten.

Kritik an unattraktiv hohen Fahrtkosten

Um Anreize zur Ansiedlung in Guxhagen zu schaffen, sei eine entsprechende Infrastruktur nötig, wobei Guxhagen durch die Nähe zur A7, einem Bahnhof sowie dem Internet an sich gut aufgestellt ist. Doch liegt Guxhagen in einem Tarifgebiet des NVV, in dem für 16 bis 20 Minuten Fahrt nach Kassel 5,70 Euro Fahrtkosten anfallen. Von Melsungen aus sind es über sieben Euro. An dieser Stelle ein Vergleich aus dem RMV-Gebiet: Fährt man 32 Minuten von der Endstation Dietzenbach Bahnhof bis Frankfurt am Main Hauptbahnhof kostet das Ticket gerade mal 4,90 Euro. Der Unterschied ist dabei lediglich das Gefährt. Im RMV-Gebiet fährt auf der genannten Strecke eine S-Bahn. Im NVV-Gebiet eine Regiobahn oder Regiotram.

Ein eingerichteter Bürgerbus soll vor allem älteren Personen dienen, Einkäufe zu erledigen oder einfach von A nach B zu kommen. Bei den Flüchtlingen ist dieser zum einen noch nicht ausreichend bekannt, zum anderen leben die Asylbewerber ohnehin alle im Kernort, wodurch es daher an Bedarf fehle.

Ärzte in Guxhagen

Aktuell gibt es drei Hausärzte in der Gemeinde. „Ich habe keine Bedenken, Räumlichkeiten anzubieten, wenn noch ein Arzt herziehen möchte“, erklärt Slawik, denn „in drei Jahren werden aufgrund der anstehenden Pension eines Arztes voraussichtlich nur zwei übrig bleiben.“

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