Interview: Bürgermeisterkanditat Wilfried Dräger will ins Rathaus

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Mit Bürgern die Zukunft gestalten: Das möchte Bürgermeisterkandidat Wilfried Dräger (SPD). Wir haben vor der Wahl am 8. November mit ihm gesprochen.

Von JULIAN KLAGHOLZ und JOANNA WIEWIORSKA

Spangenberg. Gut gelaunt, genießt Wilfried Dräger den wunderschönen Blick von seinem Wohnzimmer auf die Landschaft rund um Spangenberg. Der Lehrer an der Schule in Großalmerode wirkt entspannt, trotz des großen Vorhabens: Am 8. November möchte der 56-jährige Vater zweier Töchter neuer Bürgermeister von Spangenberg werden. Was Dräger in Spangenberg verändern will, sofern er die Wahl gewinnt, hat er uns in einem Gespräch verraten.

HEIMAT NACHRICHTEN: Sie sind seit 2011 Erster Stadtrat in Spangenberg. Wieso möchten Sie jetzt Bürgermeister werden? Wilfried Dräger: Als Bürgermeister habe ich größere Gestaltungsmöglichkeiten. Die möchte ich gemeinsam mit den Bürgern nutzen. Als meine Partei auf mich zugekommen ist und micht gefragt hat, ob ich antreten möchte, habe ich nicht lange überlegt. Ich bin von dieser Aufgabe vollends überzeugt.

Wie haben Ihre Schüler darauf reagiert, dass ihr Lehrer Bürgermeister werden möchte?Meine Schüler haben erst durch die Wahlplakate von meiner Kandidatur erfahren. Im ersten Moment fanden Sie meine Entscheidung super und haben sich für mich gefreut. Wenig später ist ihnen aber auch klar geworden, dass ich bei Wahlerfolg nicht mehr ihr Lehrer sein kann.  Ich denke aber, dass sie sich mit mir freuen würden, sofern alles gut geht.

Was würden Sie gerne in Spangenberg ändern bzw. welche Arbeitsbereiche intensivieren?Meine Kandidatur steht und fällt mit den Bürgern. Ich möchte unbedingt eine stärkere Bürgebeteiligung schaffen. Es sollte mindestens zweimal im Jahr eine Bürgerversammlung geben – momentan haben wir das gar nicht. Auch das Ehrenamt muss viel mehr unterstützt  und mit mehr Mitbestimmungsrecht ausgestattet werden. Ähnliches gilt für die Ortsvorsteher.

Nun kennt Sie noch nicht jeder in Spangenberg, wie wollen Sie das ändern?In der Tat ist mein Gesicht hier noch nicht so bekannt – einfach aus dem Grund, weil ich vergleichsweise noch nicht so lange hier lebe. Ich versuche durch Hausbesuche und meine Doppel-Karten-Aktion meinen Wiedererkennungswert zu steigern. Vor allem das Gespräch mit den Bürgern ist mir dabei sehr wichtig. Auf den Doppel-Karten können die Bürger Wünsche und Sorgen formulieren. Die Aktion ist bisher sehr gut angenommen worden.

Als Bürgermeister dürfte Ihnen die Zeit für Hausbesuche dann aber fehlen...Deshalb die Bürgerversammlungen, direkte und persönliche Kommunikation mit den Bürgern ist mir sehr wichtig.  Transparenz heißt das Stichwort – ohne die geht es nicht. Ich habe nicht die Absicht, mich hinter dem Schreibtisch zu verstecken. Ich möchte für alle da sein, auch für die Bürger in den Stadtteilen. Es muss regelmäßige Bürgersprechstunden in den Dorfgemeinschaftshäusern geben.

Wie beurteilen Sie das Tourismus-Konzept in Spangenberg?Hier müssen wir nacharbeiten. Rund um den Marktplatz, der nach meiner Auffassung derzeit vernachlässigt wirkt, müssen wir wieder einen Wohlfühlfaktor schaffen.

Wie wollen Sie das konkret ändern?Die Optik verbessern, Löcher nicht Löcher sein lassen, das Gefühl von Sicherheit und Gastfreundlichkeit geben. Wir haben mit dem Junkerhaus und der ehemaligen Synagoge historische Schätze in der Innenstadt, die gilt es zu bergen. So können wir es schaffen, dass Leute hierher kommen und Spangenberg entdecken. Außerdem  müssen wir das Projekt Ars Natura weiter stützen.

Stichwort: Innenstadt. Wie wollen Sie diese beleben – vor allem den Einzelhandel?Einkaufen in der Region ist wichtig. Wir brauchen den Einzelhandel in Spangenberg. Hier sind aber besonders die Bürger in der Pflicht – alleine ist das nicht zu stemmen. Den Leuten muss klar sein, dass der Einzelhandel nur eine Chance hat, wenn sie auch vor Ort einkaufen – sonst werden wir zur Wohnstadt.

Sie wollen die Gesundheitsversorgung sichern. Wie? Leider gibt es in Spangenberg nur zwei Ärzte, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen werden. Wir müssen Anreize schaffen, damit sich junge Ärzte hier ansiedeln. Eine Möglichkeit wäre, Räumlichkeiten für eine Gemeinschaftspraxis zur Verfügung zu stellen. Die letzte Option hieße, dass die Stadt einen Arzt einstellen muss.

Als Schutzschirmkommune dürfte dies aber nicht so einfach sein...Ja, aber man kann auch vieles ohne finanzielle Mittel ändern. Der Schutzschirm darf nicht immer Ausrede sein. Gestalten geht auch mit kleiner Münze. Wir müssen nur die Ärmel hochkrempeln und es auch wollen.

Auch die Bewohner Spangenbergs werden älter. In Ihrem Programm sagen Sie, Sie möchten sich für seniorengerechtes Wohnen einsetzen. Wie dürfen wir uns das vorstellen? Planen Sie Seniorenwohnheime zu bauen?Nein. Wir müssen Alt und Jung zusammenbringen. Mir schwebt eine mischgenutzte Quartierlösung vor. Dafür brauchen wir natürlich finanzstarke Investoren. Bei der Mobilität müssen wir den Fokus vor allem auf die Stadtteile richten. Wir müssen in allen 13 Stadtteilen Modelle finden, dass Senioren das Einkaufen ermöglicht wird.

    Lesen Sie HIER das Interview mit Bürgermeister PETER TIGGES in voller Länger

    Zum Online-Voting (noch bis Freitag, 6. November) geht es hier.

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