Interview mit Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm mit Blick auf ein Jahr im Amt

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Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm schätzt die digitale Arbeit, wodurch auf Papier in der Verwaltung weitestgehend verzichtet wird.

Zwei Bahnhöfe, Autobahnanschluss und sogar ein eigener See - das Gespräch mit Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm zeigt die Attraktivität der Gemeinde.

Neuental. Mit 1.246 Stimmen (59,1 Prozent) wurde Dr. Philipp Rottwilm 2017 zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Neuental gewählt. Am 2. Januar 2018 trat er sein Amt an. Frisch aus einem Familienurlaub in Singapur angereist, verrät er im Interview mit den HEIMAT NACHRICHTEN Eindrücke über sein erstes Jahr als Bürgermeister.

HEIMAT NACHRICHTEN: Wie haben Sie das Jahr 2018 erlebt?

Rottwilm: Es war sehr intensiv, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Man weiß ja vorher nie genau, was auf einen zukommt. Wir haben in diesem Jahr sehr viel geschafft, und ich bin sehr zufrieden mit dem Jahr. Das Arbeitspensum ist natürlich hoch, aber ich habe hier ein super Team, das Lust hat, die Gemeinde weiterzuentwickeln. Außerdem komme ich mit einer bemerkenswerten Bandbreite an Themen in Kontakt. Ich versuche, mir einen Tag in der Woche freizuhalten und mit meiner Frau zu verbringen.

HN: Was konnten Sie in Ihrem ersten Jahr bereits umsetzen?

Rottwilm: Es war ein Jahr der Haushalte und Jahresabschlüsse. Bei der Hessenkasse haben wir die höchste Pro-Kopf Zuwendung in ganz Hessen als Gemeinde erhalten: 8,3 Mio. Euro Kassenkredit-Entschuldung. Wir haben neues Personal eingestellt. Die Bauverwaltung läuft nun gemeinsam mit Jesberg, und wir haben eine junge Architektin, Christina Hardacker, eingestellt, die Bauverfahren und -Projekte begleitet. Durch sie können wir kleinere Bauvorhaben nun auch eigenständig umsetzen. Die Kita-Gebühren konnten wir sehr attraktiv gestalten (nach sechs beitragsfreien Stunden kosten zusätzliche Stunden in der Kita nun 24 Euro; in der Krippe kostet die Stunde nur 18 Euro pro Monat). Außerdem haben wir den Zehnjahresplan für die Feuerwehr aufgestellt. Nicht zu vergessen ist auch der Fortschritt bei der Digitalisierung der Gemeindeverwaltung und der Sanierung des Rathauses. Als Klimakommune haben wir einen Aktionsplan aufgestellt, was man tun kann, um möglichst ökologisch zu handeln.

HN: Was steht 2019 an?

Rottwilm: Beim Thema Dorfentwicklung sind die Gemeinde wie auch Privatleute dabei, alte Gebäude zu sanieren. Seitens der Gemeinde wäre da die alte Schule, die Revitalisierung des Parks in Zimmersrode oder die Bürgerhäuser zu nennen. Das Rathaus wird weiter saniert und auch die Kita wird erweitert, um der Nachfrage gerecht zu werden. Die Kläranlage in Bischhausen wird derzeit modernisiert und gereinigt (Anm. d. Red.: wir berichteten). Zudem steht Baulandentwicklung in Zimmersrode an und die Weiterentwicklung des Gewerbegebietes an der A49, wo derzeit ein Rewe gebaut wird.

HN: Würden Sie nach einem Jahr Erfahrung als Bürgermeister etwas anders machen?

Rottwilm: Die Bürger wollen mitgenommen werden, weshalb ich vielleicht noch mehr kommunizieren würde. Es sollte mehr versucht werden, die Infos der Gremien nach außen zu transportieren. Da kann die fortschreitende Digitalisierung helfen. Meine Bürgersprechstunde wird super angenommen und das junge Team der Gemeinde gibt mir Rückenwind.

HN: Mit Heiko Manz zusammen sind Sie ein junges, dynamisches Bürgermeisterteam – gibt es Zweifler, die Ihnen die Aufgabe aufgrund Ihres Alters nicht zutrauen?

Rottwilm: Ich hatte keinen, der sagte ‘das wird nichts’ – ganz im Gegenteil, eher viel Zuspruch. Es hilft, unbelastet in den Job zu starten, und ich bringe frischen Wind in die Verwaltung. Auf dem nun gelegten Grundstein wollen wir aufbauen.

HN: Was macht Neuental für Sie aus?

Rottwilm: Die Gemeinde bietet ein attraktives Leben im ländlichen Raum – familienfreundlich, am See, aber dennoch mit guter Infrastruktur. Die A49-Auffahrt ist so nah, wie die zwei Bahnhöfe. Diese Basis wollen wir nutzen, um dem Trend der Urbanisierung entgegenzuwirken.

HN:  In Neuental wartete eine Menge Arbeit auf Sie. Alle Termine zusammengezählt, wie viele waren das?

Rottwilm: Meine Sekretärin überschlug die Anzahl mal spaßeshalber. Das waren um die 1.370 Termine im letzten Jahr. Aber ich sagte schon, 2019 wird nicht ruhiger, nur anders.

HN: Bei all den Terminen, haben Sie ein Geheimrezept, um den Kopf wieder frei zu kriegen?

Rottwilm: Spaß an der Arbeit ist das Wichtigste, und das versuche ich auch meinen Mitarbeitern zu vermitteln. Jeder sollte Lust haben, ins Rathaus zu kommen, egal ob Angestellter oder Bürger.

Zur Person

Geboren am 28. August 1984 absolvierte Rottwilm 2003 sein Abitur in Bad Zwesten, kam während des Studiums in der Welt herum (Mannheim, Mailand, Harvard, Berlin, Oxford) und machte seinen Doktor in Politischer Ökonomie. Nach diversen Beratungstätigkeiten, wie bei KPMG Deutschland, und verschiedenen politischen Ämtern im Landkreis, zog es Rottwilm vollständig in die Politik nach Neuental.

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