Viehmeier macht „Hephata-Bäckerei“ in Neuental dicht

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Susanne Becker hatte die Arbeit in der Viehmeier-Bäckerei in Neuental großen Spaß gemacht. Nun wird die Filiale geschlossen. Was aus Becker wird, ist noch ungewiss.

Aber: Die Kooperation zwischen Gilserberger Bäckereibetrieb und den Treysaer Werkstätten für Menschen mit Behinderung geht andernorts weiter.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Neuental. Es ist Freitagmittag, kurz vor halb eins. Ein letztes Mal steht Susanne Becker hinter den Verkaufstresen und schaut auf ihre Ablage mit Brot, Brötchen und Plunderteilchen. Ihr Gesichtsausdruck wird traurig. „Das hier hat mir echt Spaß gemacht. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Bei meiner anderen Stelle in Hephata putze ich und lege Wäsche zusammen. Hier hatte ich mit vielen Menschen zu tun“, so Becker.

Seit zwei Jahren war der Bäckereiladen Viehmeier in Neuental ihr Außenarbeitsplatz der Hephata-Werkstätten. Stundenweise half sie dort zusammen mit einer weiteren Kollegin aus. Vom Kassieren, über Warenein- und ausgang bis hin zur Kassenabrechnung war Becker in alles eingearbeitet und qualifizierte sich so für den Arbeitsmarkt. Auch den Arbeitsweg bewältigte sie leicht, „ich muss nur schräg über die Straße und bin am Bahnhof“, sagt sie und schnappt sich ihren Rucksack. Der Zug komme gleich, sie macht ein letztes Mal Feierabend in der Neuentaler Viehmeier-Filiale.

Jürgen Viehmeier (Bäckerei Viehmeier).

Den Laden gab es in dem 1.500 Einwohner zählenden Ort seit 17 Jahren, die letzten sechs Jahre arbeiteten dort Klienten der Hephata-Behindertenhilfe mit. „Wir haben den Laden als ein gutes Lernfeld und Sprungbrett gesehen. Auch wenn die Wirtschaftlichkeit dabei für uns an zweiter Stelle steht, müssen auch wir die Zahlen im Blick haben“, begründet Hans-Günter Kripko, Bereichsleiter der Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die Entscheidung zu schließen. Grund für Jürgen Viehmeier, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma aus Gilserberg seien die erheblichen Investitionen und Umstrukturierungen, die für den weiteren Betrieb des Ladens notwendig seien.

Was aus Susanne Becker werde, sei noch nicht klar, heißt es seitens der Pressereferentin, Melanie Schmitt: „Da sie aber in Eigenregie und -verantwortung gearbeitet hat, ist das eine gute Grundqualifikation für einen Berufsintegrierten Beschäftigungspatz. Wir werden sie fragen, was sie möchte.“ Bei den sogenannten BiBs arbeiten die Klienten komplett auf festen Plätzen in externen Firmen und beziehen auch von ihnen ihren Lohn. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir bis zum Jahresende 50 BiB-Plätze haben werden. Es sind neue Kooperationen mit Firmen entstanden, vor allem aber ist auch die Kooperation mit der Bäckerei Viehmeier intensiviert worden“, so Kripko. Mittlerweile gibt es in der Bäckerei sechs BiB-Plätze.

Man blickt positiv zurück: „Der Laden war für beide Seiten ein guter Versuch, Ausbildung, gesellschaftspolitisches Engagement und eine Förderung der kommunalen Infrastruktur Neuentals unter einen Hut zu bringen“, so Viehmeier.

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