Kabarettist Christian Ehring führte die Gäste in der Melsunger Stadthalle von witziger Unterhaltung bis zum kritischen Nachdenken

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Christian Ehring unterhielt sprechend und singend die zahlreich erschienenen Gäste in der Melsunger Stadthalle.

Egal ob Merkel, Seehofer, Maaßen, Flüchtlinge oder die Impfdebatte - der Kabarettist Christian Ehring machte in der Melsunger Stadthalle vor keinem Thema halt.

Melsungen. Anders als bei sonstigen Veranstaltungen, bei denen der regelmäßige Blick auf das Smartphone Desinteresse oder Langeweile ausdrückt, wies Kabarettist Christian Ehring am Sonntag in der Stadthalle explizit darauf hin, dass die Zuschauer den Blick doch bitte wagen sollen. Er sei es schließlich gar nicht mehr gewohnt, anderen Menschen längere Zeit ins Gesicht zu schauen. Er füllte mit seinem Soloprogramm „Keine weiteren Fragen“ trotz kurzfristiger Ankündigung die gesamte Stadthalle.

So viele Besucher entschieden sich zu rund zweieinhalb Stunden Unterhaltung, die ebenso witzig, wie tiefgründig und zum Nachdenken anregend gestaltet waren. Als Rahmenhandlung dienten zwei Konflikte mit der Familie, einmal mit der Ehefrau, einmal mit dem Sohn. Der Sohn soll auf Wunsch des Vaters doch mal ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Slum machen und die Frau würde sich freuen, in den dadurch frei gewordenen Räumlichkeiten einem Flüchtling eine Unterkunft zu bieten. Dabei sprach Ehring mit leicht veränderter Stimme alle Rollen selbst.

Der Kabarettist ist selbstbewusst genug, um für seine kritischen Äußerungen gezielt nicht immer Applaus von allen zu bekommen.

Während der Sohn nur auf seine „Life-/Life-Balance“ bedacht sei, begeistert Ehring die Idee seiner Frau lediglich als solche – ohne Umsetzung: „Es ist eine tolle Idee meiner Frau, einen Flüchtling in unser Heim zu holen, aber manche Ideen sind eben nur als Ideen stark“, so der Kabarettist, der schon eigene Pläne wie ein Tonstudio daheim hatte.

Während Ehring bei der Familie während des Kabaretts immer wieder Nachsicht zeigte, so ließ er an einigen Politikern kein gutes Haar. „Angela Merkel, eine Physikerin als Kanzlerin, die sogar Naturgesetze außer Kraft setzt. Was sonst nach unten gefallen ist, fällt nun nach oben. Maaßen muss gehen und wird befördert. Schüler, die eine Note sechs heimbringen, kann man ja auch mal eine Klasse überspringen lassen“, übertrieb Ehring zur Belustigung des Publikums die aktuelle Lage rund um Maaßen, Merkel und Seehofer. Nach kurzer Verständigung mit dem Publikum bezüglich der neuen Besoldungsstufe Maaßens erklärte er kopfschüttelnd „Bauer auf B12“, auch wenn es im Schach kein zwölftes Feld gibt, da das Brett acht mal acht Felder hat. Die Botschaft wurde dennoch verstanden und mit lautem Applaus belohnt. (Anm. d. Red.: Maaßens Besoldungsstufe bleibt als Sonderberater für Sicherheit im Innenministerium nach einer Info, die während des Stücks bekannt wurde bei B9).

Eine gefüllte Stadthalle applaudierte immer wieder für das witzig-nachdenkliche Programm von Christian Ehring

„Und wissen Sie an wen mich Seehofer immer erinnert? An den kleinen Kevin, der beim Kindergeburtstag immer nervt. Alle machen das eine und er kommt mit einem anderen Plan daher“, so Ehring. Nach einer kurzen Breitseite gegen die AfD – „die AfD ist wie Hämorrhoidensalbe, eklig, aber als Arsch freut man sich drüber“ – ging Ehring unter anderem auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau ein. Die einzigen Unterschiede, auf die es dabei wirklich ankomme, sind laut Ehring demnach „die Häufigkeit der Masturbation, die Fähigkeit einen Ball weit zu werfen und die Einstellung zu Gelegenheitssex. Alles andere, wie das räumliche Sehen oder die Sache mit dem Einparken kann man doch vernachlässigen.“

Zwischendurch spielte Ehring am Klavier und sang dazu ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Texte. Auch auf vegane Ernährung und die Debatte rund um Impfungen fanden Platz im Programm: „Klar sollte man den Kindern die Impfungen verwehren, damit sie einmal selbst die Erfahrung einer solchen Krankheit machen. In einem nächsten Schritt könnten sie auch mal einen Unfall ohne Sicherheitsgurt durchmachen...“

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