Weg mit Kästchendenken: Neues Buch für besseres Teamwork bei B. Braun vorgestellt

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Prof. Heinz-Walter Große und Dr. Bernadette Tillmanns-Estorf schrieben zusammen Tasks&Teams

Das Buch Tasks&Teams von den B. Braun Führungskräften Prof. Heinz-Walter Große und Dr. Bernadette Tillmanns-Estorf zeigt auf, wie mit klassischen Hierarchien gebrochen wird und die Zusammenarbeit dennoch motivierend funktionieren kann.

Melsungen. Wenn Mitarbeiterzahlen jährlich proportional zum Umsatz steigen, kann das auf Dauer für ein Unternehmen zur Herausforderungen werden. Um eine solche Entwicklung einzudämmen, entwarf das Melsunger Unternehmen B. Braun das sogenannte Tasks&Teams für sich und sprengte damit das klassische Hierarchie-Modell des Organigramms mit all seinen kleinen Abteilungen, Kästchen und Hürden.

Prof. Heinz-Walter Große und Dr. Bernadette Tillmanns-Estorf von B. Braun verfassten zu der Idee, dem Entwicklungsprozess und den bisher gemachten Erfahrungen nun ein Buch mit dem Titel „Tasks&Teams – Die neue Formel für bessere Zusammenarbeit“. Unsere Zeitung hat sich mit den Autoren auf ein Gespräch getroffen.

HN: Was hat Sie dazu gebracht, Tasks&Teams für B. Braun zu entwerfen?

Große: Wir sind relativ stark in der Mitarbeiterzahl gewachsen, vor allem in der Verwaltung. Da waren die Aufgaben stark vom Organigramm geprägt, mit Kästchen und Abteilungen, in denen nur zwei bis drei Mitarbeiter tätig sind. Organigramme haben aber die Tendenz, ständig größer zu werden, da jede neue Aufgabe einen neuen Mitarbeiter und damit ein neues Kästchen verlangt. Daher wollten wir die Art, wie wir Arbeit organisieren, verändern und hinterfragen.

Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Heinz-Walter Große.

Tillmanns-Estorf: Durch Tasks&Teams ist auch die Möglichkeit zur Mitsprache gestiegen. Aufgaben werden nicht mehr hierarchisch vergeben, sondern wir analysieren, welche „tasks“ anstehen. Es findet sich dann ein Team aus Mitarbeitern, die Freude, Zeit und Kompetenz für das jeweilige Thema mitbringen. So übernehmen Personen auch Verantwortung, die zuvor keine Führungsposition innehatten.

HN: Wie wird das neue Sys­tem von den Mitarbeitern wahrgenommen?

Tillmanns-Estorf:  Wir haben alle Mitarbeiter von Anfang an mitgenommen, da ein derartiger Systemwechsel nur über den Einbezug aller funktionieren kann. Vor allem für die Führungskräfte hat sich vieles verändert. Manche funktionalen und disziplinarischen Aufgaben fallen nun weg, dafür kommen eher coachende Funktionen hinzu, Das bringt mehr Zeit für andere Themen.

Große:  Wir arbeiten nun in einer offenen Struktur miteinander und entfernen uns vom Kästchendenken. Die Arbeit wird anders verteilt und die Überstunden Einzelner werden durch die flexiblere Teamarbeit abgefangen. Das gilt auch für die Produktion. Bei Aesculap in Tuttlingen gibt es beispielsweise einen flexiblen Pool von Arbeitskräften, die je nach Bedarf in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden können. Als Medizintechnik- und Pharmaunternehmen sind wir aber in einem stark regulierten Bereich tätig. Da ist es klar, dass wir diese Rahmenbedingungen beachten, egal ob mit oder ohne Tasks&Teams.

HN: Wie lösen Sie die Frage des Gehaltes?

Tillmanns-Estorf: Das feste Gehalt ändert sich erstmal nicht. Es kommt eher die Frage auf, wie sich das Engagement für Tasks&Teams würdigen lässt. Diejenigen, die von Anfang an mit dabei sind, haben wir beispielsweise durch Weiterbildung zu „Lotsen“ für Tasks&Teams ausgebildet, auch das ist eine Form der Anerkennung.

Dr. Bernadette Tillmanns-Estorf, Direktorin der Unternehmenskommunikation und der internationalen Personalabteilung.

Große: Die Motivation wird auch nicht nur durch Geld gesteigert, sondern eher durch neue, interessante Herausforderungen.

HN: Wollten Sie das Buch gemäß Ihrem Unternehmensmotto für die breite Öffentlichkeit schreiben oder was hat Sie dazu gebracht?

Tillmanns-Estorf: Wir sind von anderen motiviert worden. Kollegen anderer Unternehmen und Verlage kamen auf uns zu. Der Wunsch war, etwas Konkretes zum Thema agiles und selbstorganisiertes Arbeiten zu schaffen.

Große: Ich wollte das Buch aber auch gerne schreiben (lacht). Erst in den Gesprächen mit dem Verlag kam der Gedanke der Sprengung des Organigramms (im Buch zu sehen). Der Weg bis zur Veröffentlichung war lang, erst die elfte Fassung war die finale Version.

HN: Wie fallen die bisherigen Rückmeldungen anderer Unternehmen aus?

Tillmanns-Estorf: Es besteht ein sehr großes Interesse für einen Meinungsaustausch. Pro Tag erhalten wir etwa zwei Anfragen aus der ganzen Welt. Das Buch erscheint Ende März auch auf Englisch.

Große: Wir erhalten sehr viel positive Rückmeldung für das Thema. Eine Rückmeldung war zum Beispiel: „Oh, an ein solches Thema wagt ihr euch ran und setzt das in der Praxis auch noch um. Das ist großartig!“

Produktinfo:

Tasks&Teams führt den Leser mit einem leicht verständlichen Schreibstil und vielen Illustrationen an das komplexe Thema heran. Durch das schrittweise präsentierte Konzept zeigt sich der nachvollziehbare Gedankengang der Autoren. Meinungsbeiträge und Zusammenfassungen auf den illustrierten Seiten runden das Leseerlebnis ab. Das Buch gibt es auch als eBook.

Umfang: 184 Seiten in Farbe

Verlag: Murmann Publishers

ISBN: 978-3867746229

EXTRA INFO

Tasks&Teams kurz erklärt

Bei Tasks&Teams können sich Mitarbeiter neben ihrer Kern­arbeit in Kreisen zusammenfinden. Mit maximal sechs Leuten entstehen so kleine Gruppen, die einzelne Projekte neben ihrer Haupttätigkeit angehen. Um bei den unterschiedlich umfangreichen Projekten mitzuwirken, muss ein Interesse zur Teilnahme bekundet werden.

Aus den Interessenten, die Neugier, Kompetenz, Freude und Zeit mitbringen, bildet sich dann ein Kreis. Mal wird so gemeinsam eine Präsentation vorbereitet und mal an größeren Ideen gefeilt. Wer den Hut im Kreis aufhat, entscheiden die Teilnehmer des Kreises eigenverantwortlich. So wird Verantwortung übertragen und Mitarbeiter können sich selbst stetig weiterentwickeln.

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