Mit Kasseler Professor als Gastredner: Bad Zwestener gedachten der Reichspogromnacht

Von links: Jürgen Schmidt vom Heimat- und Geschichtsverein, Pastor Arno Schmidt, FeG, Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, Reinhard Theis vom Heimat- u. Geschichtsverein, Parlamentschef Manfred Paul, Pfarrer Bernd-Peter Jensen, Pfarrerin Dorothea Wecker, Gerhard Meißner, Heimat- u. Geschichtsverein sowie Bürgermeister Michael Köhler haben sich um die Bänke aus der ehemaligen Judenschule versammelt.
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Von links: Jürgen Schmidt vom Heimat- und Geschichtsverein, Pastor Arno Schmidt, FeG, Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, Reinhard Theis vom Heimat- u. Geschichtsverein, Parlamentschef Manfred Paul, Pfarrer Bernd-Peter Jensen, Pfarrerin Dorothea Wecker, Gerhard Meißner, Heimat- u. Geschichtsverein sowie Bürgermeister Michael Köhler haben sich um die Bänke aus der ehemaligen Judenschule versammelt.

Bad Zwestener luden am Freitag, 9. November, zu einer Gedenkveranstaltung nlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromacht ein.

Bad Zwesten. Bis auf den letzten Platz war der große Saal des Kurhauses am Freitag besetzt, als die Kirchen, die Gemeindeverwaltung und der Heimat- und Geschichtsverein gemeinsam zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht geladen hatten.

Parlamentschef Manfred Paul sprach in seiner Einleitung vom dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dessen Geschehen und die Gräueltaten der Nazis bis heute un­fass­­­bar seien.

Anschließend ging Gastredner Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar in seinem Vortrag zunächst auf das historische Geschehen in Bad Zwesten ein. Jüdische Bürger wurden aus ihren Häusern gezerrt, deren Inventar zerstört. Die Pogrome wurden in Nordhessen losgelöst und durch Entscheidungen der Regierung durchgeführt. Er erzählte von einem Ehepaar, dass in den kalten Wälzebach getrieben wurde und starb – wie es überliefert wurde – an den Folgen der Unterkühlung.

Zwesten und Niederurff habe eine große jüdische Gemeinde mit rund acht Prozent der Wohnbevölkerung beheimatet und lange Zeit friedlich miteinander gelebt. Allerdings hätte der heutige Kurort mit 75 Prozent der Stimmen für die NSDAP bei der letzten freien Deutschen Wahl im Deutschen Reich einen außergewöhnlich hohen Zuspruch für die Nazipartei aufgewiesen.

Der renommierte Kasseler Professor zeigte in seinem Vortrag auf, wie systematisch die Rechte der jüdischen Bürger im Deutschen Reich beschnitten wurden. Prof. Krause-Vilmar schloss seinen Vortrag mit einem klaren Bekenntnis zur Demokratie.

Bürgermeister Michael Köhler zeigte sich tief berührt von den Worten von Prof. Krause-Vilmar. Er schloss mit einem Zitat vom sechsten Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Die Jungen (Menschen) sind nicht verantwortlich für das was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“

Der Heimat- und Geschichtsverein hatte die Bänke der alten jüdischen Schule im Kurhaus aufgestellt. Ein großer Kranz verdeutlichte den traurigen Anlass der Veranstaltung.

Der Sänger Dennis Wenzel und der Pianist Thomas Höhl trugen mit jüdischen Liedbeiträgen zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Pfarrerin Dorothea Wecker sprach zum Abschluss ein Gebet.

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