Keine „illegalen" Führungen am Steinkammergrab: Pfleger Schütz weist Behauptungen der Stadtführergilde zurück

So berichteten wir am 1. August.

Auf der einen Seite heißt es, es hätte keine illegalen Führungen gegeben, auf der anderen, dass der Kreis Kenntnis von den Führungen hatte. Die HEIMAT NACHRICHTEN haben nachgehakt.

Fritzlar. Vor einiger Zeit kam es jedoch zu Unstimmigkeiten. Ein Schlüssel für die eingezäunte Anlage, der gegen eine Pfandgebühr im Regionalmuseum zur Ausleihe bereit lag, war plötzlich verschwunden. Es seien in diesem Zeitraum sogar Kopien des Schlüssels angefertigt worden, der für unangemeldete Führungen gegen Geld genutzt worden sei, erklärte Manfred Ochs von der Stadtführergilde Fritzlar in der vergangenen Woche gegenüber unserer Zeitung.

Der Kreis reagierte daraufhin, schloss das Steinkammergrab auf unbestimmte Zeit und ließ eine neue Schließanlage einbauen. Schließlich wurde das Nutzungsrecht neu organisiert. Seit gut einem Jahr ist die Stadtführergilde der Ansprechpartner vor Ort für das Steinkammergrab. Ebenfalls Zugang zum Steinkammergrab hat Wolfgang Schütz. Der 74-Jährige aus Edermünde ist seit gut 25 Jahren offiziell vom Kreis mit der Pflege der his­torischen Stätte beauftragt. Von „illegalen“ Führungen will er jedoch nichts wissen.

„Die Behauptungen von Herrn Ochs entsprechen nicht der Realität. Es konnte nie ein unberechtigter Schlüssel angefertigt werden, denn seit mindestens 20 Jahren wurden nur Sys­temschlüssel verwendet und die können nicht dupliziert werden“, erklärt Schütz.

Die Schließanlage habe zuvor nur einmal ausgetauscht werden müssen, weil das Schloss am Grab von einem Vandalen zerstört worden sei. „Ein zweiter Wechsel wurde im vergangenen Jahr notwendig, weil der Schlüssel aus dem Regionalmuseum verschwunden war. Eine ‘Führungs-Abzocke’, der man einen ‘Riegel’ vorschieben muss, hat es jedoch nie gegeben“, behauptet Schütz, der nach eigenen Angaben zweimal pro Woche vor Ort ist.

Im Gegenteil habe der Kreis Kenntnis von den Führungen gehabt, die in der Vergangenheit angeboten wurden, so der 74-Jährige. „Als einziger Berechtigter hat Dr. Johann-Henrich Schotten in seiner Zeit als Museumsleiter im Regionalmuseum Fritzlar wissenschaftliche Führungen am Grab gemacht“, sagt Schütz.

Nach dessen Pensionierung habe Schütz den ehemaligen Museumsleiter als Archäologen zur Hilfe gerufen, wenn sich Studentengruppen oder andere Wissenschaftler angemeldet hätten. „Diese Führungen waren selbstverständlich kostenlos“, betont Schütz und bedauert, das Steinkammergrab für Schüler- und Studentengruppen nicht mehr öffnen zu dürfen. „Wie mir Vize-Landrat Jürgen Kaufmann mitgeteilt hat, darf das nur noch die Stadtführergilde.“

Pflegt das Steinkammergrab seit 1994 offiziell im Auftrag des Schwalm-Eder-Kreises: Wolfgang Schütz (li.). Auch Vize-Landrat Jürgen Kaufmann (re.) äußert sich zum Thema. 

Das sagt Vize-Landrat Jürgen Kaufmann

Als Eigentümer des Steinkammergrabes von Lohne/Züschen, hat der Kreis sowohl den Nutzungsvertrag mit der Fritzlarer Stadtführergilde, um dessen Vorsitzenden Manfred Ochs, abgeschlossen als auch Wolfgang Schütz mit der Pflege der Anlage beauftragt. Zur Neuordnung der Nutzungsrechte und dem Austausch der Schließanlage erklärt Vize-Landrat Jürgen Kaufmann auf Nachfrage unserer Zeitung:

"Die Stadtführergilde hat bereits seit über einem Jahr das Nutzungsrecht. Fakt ist, dass einer der beiden im Regionalmuseum hinterlegten Schlüssel abhanden gekommen ist und deshalb eine neue Schließanlage eingebaut wurde. Da uns keiner der Verantwortlichen Auskunft über den Verbleib des Schlüssels geben konnte, sahen wir uns gezwungen, die Grabanlage vorerst zu schließen. Es handelt sich bei dem Steinkammergrab schließlich um ein bedeutendes Denkmal, das wir als Eigentümer schützen müssen."

Und weiter: "Auch aus diesem Grund haben wir uns für eine neue und klare Regelung entschlossen, den Schlüssel nicht mehr zu verleihen und die Stadtführergilde als Verantwortlichen Verein vor Ort für die Nutzung einzusetzen. Führungen dürfen somit nur noch über diesen Verein angeboten werden. So wollen wir gewährleisten, dass das Steinkammergrab auch weiter für Bildungszwecke – sei es für Schüler oder Studenten – natürlich unentgeltlich zu besichtigen ist. Was über dies hinaus zwischen Vereinen der Stadt Fritzlar und einzelnen Personen im Argen liegt, möchten wir als Schwalm-Eder-Kreis nicht bewerten. Uns geht es einzig um eine geregelte und sinnvolle Nutzung des Steinkammergrabes.“

Vor mehreren tausend Jahren wurde das Steinkammergrab zwischen Lohne und Züschen angelegt. Heute ist die historische Ruhestätte ein ­Stu­dien­ort – vor allem Schüler und Studenten besuchen das Steinkammergrab, dessen Eigentümer der Schwalm-Eder-Kreis ist.

Den Artikel, auf den sich diese Folgemeldung bezieht, finden Sie hier.

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