Klage: Melsungerin will zurück in ihre Wohnung

+

Trotz Eintrag ins Grundbuch kein Recht auf Wohnung? 75-Jährige soll nach Schlaganfall auf Dachboden leben.

Melsungen. Die einst so gute Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist zerrüttet.  Das heutige Verhältnis angespannt, die Kommunikation kaum vorhanden. Es sei denn, es gibt Post von Anwälten. Die Anwaltskosten muss die 75-jährige Ellen Rohde aus Melsungen von ihrer kleinen Witwenrente bezahlen. Sie weiß nicht mehr weiter. Denn ihr einziger Sohn verwehre ihr den Zugang zu ihrer eigenen Wohnung in der Familienvilla, die einst ihr und ihrem Mann gehörte. "Ich klage zurzeit auf meine eigene Wohnung", sagt Ellen Rohde und schüttelt den Kopf.

Nachdem ihr Mann vor über 30 Jahren starb, arbeitete Ellen Rohde hart und überließ ihren Kindern eine  heute schuldenfreie Immobilie.  Als sie vor rund 13 Jahren das Haus ihrem Sohn überschreibt, schafft sie ein Zuhause für Generationen. Nur die Wohnung im ersten Obergeschoss möchte sie haben, um im Alter wieder dort einziehen zu können. Der Sohn willigt ein, beide unterzeichnen den Vertrag. Seit fast zwei Jahren zehrt der nervenaufreibende Krieg um die Wohnung an der Gesundheit der 75-Jährigen. "Wir sind verzweifelt. Ich habe doch lebenslanges Einsitzrecht", sagt die Melsungerin. "Die Anwälte haben aber etwas von verwirktem Wohnrecht geschrieben."

Schlaganfall zwingt zurück nach Deutschland

Also zieht sie mit ihrer zweiten Tochter für einige Jahre nach Österreich. Schicksalhaft: Dort erleidet sie einen Schlaganfall, will wieder  zurück nach Hause in ihre alte Wohnung. Doch in Melsungen erwartet sie eine böse Überraschung: Aus ihrer Wohnung sind zwei Zimmer für ihre Enkelinnen entstanden, aus der Küche  ein Fremdenzimmer.

Das Problem: Obwohl Ellen Rohde einen Vertrag hat, behauptet der Anwalt des Sohnes, mit ihrem Auszug nach Österreich hätte die 75-Jährige ihr Recht auf die Wohnung automatisch aufgegeben. Für Ellen Rohde ist dort kein Platz. Ihr Sohn und ihre Schwiegertochter lassen die 75-Jährige auf dem Dachboden wohnen.

Gefährliche Treppe

Seitdem haust sie in einem kleinen Zimmer mit Kochnische, ohne Dusche. Der einzige Weg in ihre Bleibe führt über eine steile und schmale Treppe – ohne geeignetes Geländer.  Dabei kann Ellen Rohde nach ihrem Schlaganfall die rechte Seite ihres Körpers nur eingeschränkt bewegen. "Diese Treppe ist lebensgefährlich. Normalerweise sorgt man doch dafür, dass eine ältere Person irgendwann unten wohnt," sagt Enkel Julian Stock verärgert. Doch die Situation spitzt sich weiter zu. So habe ihr Sohn die Sprechanlage nur bis zur ersten Etage installiert, sodass Ellen Rohde jedes Mal die steilen Stufen ohne Hilfe runter steigen müsse, wenn es klingelt. Er habe von seiner Mutter verlangt, ihm 800 Arbeitsstunden zu bezahlen, die er in die Sanierung des Dachbodens investiert habe.

"Er sagte nur: ‘Du hast dich zu beteiligen.’ Ich soll auch die neue  Heizung mitfinanzieren. Und dafür sorgen, dass die Treppe von unten bis zum Dachboden sauber bleibt." Doch das kann sie nicht mehr, einen separaten Eingang gibt es nicht. Ellen Rohde und die Familie ihrer Tochter schämen sich für die Situation. "Wartet er bis sie stürzt oder noch vor dem Prozessende stirbt?", fragt die Familie entsetzt. "Sie haben doch keine Pflichten, müssen mich nicht betreuen. Ich will nur in meine Wohnung zurück", so die 75-Jährige.

"Ich stehe ihr nicht im Weg"

Auf Anfrage der Heimat Nachrichten sagt Ellen Rohdes Sohn, der nicht namentlich genannt werden möchte: "Vorher war nichts auf dem Dachboden, ein kleines Zimmerchen ohne Heizung. Meine Mutter sagte, sie hätte gerne den Dachboden ausgebaut, weil sie nicht in der Mitte wohnen wollte. Das habe ich gemacht. Ich habe alles gedämmt und alles bezahlt, weil sie hoch wollte. Es stimmt, sie hat oben kein richtiges Bad. Aber ich habe sie nicht da hoch gezwungen, sie hat da zwölf Jahre lang gelebt. Ich stehe ihr nicht im Weg, sie kann in die mittlere Etage, aber den Umbau muss sie bezahlen. Das habe ich ihr auch angeboten, danach hat sie mich verklagt."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Überschlagen und lebensbedrohlich verletzt: Schwerer Verkehrsunfall bei Schwalmstadt

Auf der Kreisstraße 103 zwischen Allendorf/Landsburg und Dittershausen, kam es heute Vormittag, 26. Mai, zu einem schweren Verkehrsunfall. Dabei wurden zwei Personen …
Überschlagen und lebensbedrohlich verletzt: Schwerer Verkehrsunfall bei Schwalmstadt

Schwalm-Eder: Kreisverwaltung feiert 3. Diversity-Tag

Die Kreisverwaltung des Schwalm-Eder-Kreises beteiligt sich auch im Jahr 2020 am bundesweiten Aktionstag der Charta für Vielfalt und setzt ein Zeichen für Vielfalt – …
Schwalm-Eder: Kreisverwaltung feiert 3. Diversity-Tag

Melsungen: Weggeworfene Zigarette sorgt für Feuerwehreinsatz

Am frühen Montagabend, 25. Mai, gegen 17 Uhr brannte ein Mülleimer am Melsunger Sparkassenplatz. Eine aufmerksame Passantin bemerkte das Feuer, das kurz davor stand …
Melsungen: Weggeworfene Zigarette sorgt für Feuerwehreinsatz

5.000 Euro Schaden: Pkw-Anhänger im Melsunger Sälzerweg gestohlen

Ein weißer Pkw-Anhänger der im Sälzerweg in Melsungen abgestellt war, wurde in der Zeit vom 14. bis 24. Mai gestohlen.
5.000 Euro Schaden: Pkw-Anhänger im Melsunger Sälzerweg gestohlen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.