Immer weniger deutsche Kraftfahrer – Unternehmen greifen auf Kräfte aus dem EU-Ausland zurück

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Würde gerne mehr Auszubildende hinterm Steuer der Lkw des Transportunternehmens Kördel sehen: Anna Heinemann, zusändig für Aus-, Weiterbildung und Fahrpersonal.

Transportunternehmen haben Probleme Berufskraftfahrer zu finden. Die Alternative: Fahrer aus dem EU-Ausland. Wir haben mit einem heimischen Transportunternehmen gesprochen.

Region. Die Brummi-Fahrer-Branche leidet unter Fachkräftemangel. Wie die Agentur für Arbeit mitteilt, werden in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder dringend Berufskraftfahrer gesucht. Doch qualifizierte Mitarbeiter für die Arbeit hinterm Steuer zu finden, ist laut Arbeitsagentur bundesweit äußerst schwierig, fast aussichtslos.

Denn neben der Bereitschaft für diesen rastlosen wie abwechslungsreichen Job, muss auch die Fahrerlaubnis, inklusive benötigter Ausbildung, zu den anspruchsvollen gesetzlichen Vorgaben passen.

Das Guxhagener Transportunternehem Hch. Kördel GmbH bestätigt den Kräftemangel bei den Berufskraftfahrern. Anna Heinemann, zuständig für Aus-, Weiterbildung und das Fahrpersonal, erklärt, dass vor allem Ausbildungsplätze immer schwerer zu besetzen seien. „Pro Lehrjahr sind es zwischen fünf und acht Auszubildende. Das sind schon extrem wenige“, sagt Heinemann.

Vor etwa sechs Jahren seien es noch circa 15 Azubis pro Lehrjahr gewesen. „Wir würden gerne eine komplette Berufschulklasse mit 20 Lehrlingen stellen, das ist aber derzeit nicht möglich“, betont die Diplom-Betriebswirtin.

Für Quereinsteiger in den Beruf sieht auch Heinemann die gesetzlichen Vorgaben und den damit verbundenen finanziellen Aufwand als große Hürden.

„Vor 2009 hat der Lkw-Führerschein ausgereicht, um in den Beruf einzusteigen. Dann trat das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz in Kraft, wonach eine zusätzliche Grundausbildung über 140 Stunden benötigt wird. Die Kosten für diese Ausbildung, inklusive Fahrerlaubnis der Klasse C/CE, liegen zwischen 5.000 und 6.000 Euro“, weiß Heinemann.

So seien auch immer weniger deutsche Berufskraftfahrer auf dem Arbeitsmarkt. Wenn die Fachkräfte nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu finden sind, müssen Alternativen her.

Die möchten die Agentur für Arbeit Korbach und der Internationale Personal Service (IPS) bei einer Informationsveranstaltung (siehe EXTRA-INFO) mit dem Thema „Blick über die Grenzen“ aufzeigen, zu der Unternehmer aus der Logistikbranche eingeladen sind.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit gebe es genügend Bewerber aus dem EU-Ausland, wie etwa Polen, Kroatien, Spanien oder Portugal, die entsprechende Qualifikationen mitbrächten, um in Deutschland sofort als Berufskraftfahrer angestellt zu werden.

Auch die Firma Kördel beschäftigt seit einiger Zeit Fahrer aus dem benachbarten EU-Ausland. „Wir haben Fahrer aus Polen, die aber unter den gleichen Bedingungen und zu denselben Bezügen wie deutsche Fahrer bei uns angestellt sind“, stellt die Personalerin klar.

Bei Kördel habe man gute Erfahrungen mit Angestellten aus dem Ausland gemacht. Heinemann betont jedoch auch, dass Unternehmen bereit sein müssen, den Angestellten etwa bei Behördengängen oder Wohnungssuche unter die Arme zu greifen.

„Wir haben Angestellte in der Verwaltung, die Übersetzen können. Das ist ein großer Vorteil“, sagt Heinemann. Die Aktion der Agentur für Arbeit hält sie jedenfalls für sinnvoll.

EXTRA-INFO

Infoveranstaltung „Blick über die Grenzen“

Die Agentur für Arbeit und der Internationale Personal Service laden für Mittwoch, 15. März, von 15 bis 17 Uhr zu einer Informationsveranstaltung mit dem Titel „Blick über die Grenzen“ ein. Veranstaltungsort ist die Agentur für Arbeit in Homberg, Wallstraße 20.

Anmeldungen sind bis zum 10. März unter rainer.kesper@arbeitsagentur.de möglich. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 05631-957246.

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