Landrat Becker sehr besorgt: Immer mehr Infizierte im Kreis

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Besonders schwer betroffen: Im Gudensberger Altenzentrum Eben-Ezer sind 26 von 152 Bewohnern und 40 der 100 Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert.

Mit aktuell 303 Infizierten belegt der Kreis hessenweit den zweiten Platz - hinter den mehr als 600 Infizierten von Frankfurt. Besonders stark grassiert das Coronavirus in den Pflege- und Altenheimen, die mit hohen Infektionsraten zu kämpfen haben. Landrat Becker reagiert mit einer Verschärfung der Auflagen.

Schwalm-Eder. Die Zahl der Corona-Infizierten im Kreis steigt unaufhörlich weiter. Und das trotz des seit drei Wochen geltenden Kontaktverbots. Bislang haben sich 313 Personen mit dem Virus angesteckt. 14 davon sind bereits gestorben.

Mit dieser Menge an Infizierten rangiert der Schwalm-Eder-Kreis hessenweit auf Platz zwei – hinter den mehr als 600 Infizierten von Frankfurt.

Besonders kritisch ist die Situation in den Alten- und Pflegeheimen im Kreis, die mit hohen Infektionsraten zu kämpfen haben. Wie das Altenzentrm Eben-Ezer in Gudensberg, in dem vergangenes Wochenende eine 81-Jährige und ein 79-Jähriger gestorben sind. Beide hatten schwere Vorerkrankungen.

Leiter Walter Berle: „Es ist eine wirklich angespannte Situation. Schließlich geht es um die Pflege der Menschen.“ Ende März habe sich die Situation zugespitzt. „Anfang vergangener Woche haben wir einen Bewohner positiv auf Corona gestestet“, sagt Berle. Von den 152 Bewohnern sind 26 infiziert. Der Großteil zeigt milde bis mittlere Krankheitsverläufe. Drei Bewohner sind aufgrund der starken Symptome im Krankenhaus. „Anschließend wird dann das Umfeld getestet. Die Mitarbeiter, die positiv getestet wurden, konnten dann nicht mehr zur Arbeit kommen. Das passiert dann von jetzt auf gleich“, so Berle weiter. Zur Zeit befinden sich 40 der 100 Pflegekräfte in häuslicher Quarantäne – mit leichten Symptomen. „Für die Zeit der Quarantäne konnten wir kurfristig neues Personal einstellen“ sagt Berle und lobt: „Wir bekommen viel Unterstützung von Kollegen aus der Region, aber auch aus Süddeutschland oder Nordrhein-Westfalen.“

„Wir sind sehr besorgt. Besonders, weil die Anzahl der Infizierten in Alten- und Pflegeheimen weiter gestiegen ist. Das ist ein sehr sensibler Bereich, sodass wir uns entschlossen haben, mit einer weiteren Allgemeinverfügung klare Vorgaben für die Einrichtungen vorzugeben,“ sagt Landrat Winfried Becker. Die neuen Vorgaben, die seit Mittwoch, 8. April gelten, bedeuten konkret: verschärfte Regelungen für Besuche, Einnahme von Mahlzeiten alleine auf dem Zimmer, Verpflichtung des Pflegepersonals zum Tragen von chirurgischen Masken und das Verbot der Betreuung von infizierten und nicht-infizierten Bewohnern durch die gleichen Pflegekräfte. Außerdem hängt eine Aufnahme von neuen Heimbewohnern von der Zustimmung des Gesundheitsamtes ab.

Bürgermeister Frank Börner weiß um die angespannte Situation und lobt das Engagement der Menschen vor Ort: „Da das Altenzentrum momentan keine Neuaufnahmen vornehmen kann, deckt derzeit die Kommunale Krankenpflegestation Gudensberg/Niedenstein Entlassungen von Pflegebedürftigen aus Krankenhäusern ab. Außerdem übernimmt sie auch Pflegebedürftige, deren bisherige Pfleger selbst in Quarantäne sind. Die kommunale 'Tagespflege im Chattengau' bewirkt ebenfalls eine Entlastung. Dort werden die Gäste notbetreut, weil deren Angehörige die Pflege von zu Hause nicht den ganzen Tag über sicherstellen können, oder weil damit ein Heimaufenthalt vermieden werden kann. Mit der Betreuung ist das Personal der Tagespflege voll ausgelastet..“

Leiter Walter Berle zu den neuen Vorgaben: „Wir werden vom Kreis ausreichend mit Masken versorgt, so dass es für uns kein Problem darstellt. Und unser Personal, das im Corona-Bereich arbeitet, wird auch nur dort eingesetzt.“

Mit dieser Allgemeinverfügung orientiere sich der Schwalm-Eder-Kreis an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, heißt es in einer Pressemitteilung.

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