Leserbrief zur Entsorgung von 33.000 bakteriell verseuchten Hähnchen im Plukon-Geflügelschlachthof

Unser Titel-Thema vom vergangenen Mittwoch: Der Gudensberger Geflügelschlachthof Plukon musste 33.000 Hähnchen entsorgen, weil diese bakteriell verseucht waren.

„‘Erst Mast, dann Müll’, treffender kann eine Überschrift kaum sein!“

Ein Leserbrief zu unserem Aufmacher vom vergangenen Mittwoch „Erst Mast, dann Müll“ (Der Gudensberger Geflügelschlachthof Plukon musste 33.000 bakteriell verseuchte Hähnchen entsorgen):

„Erst Mast, dann Müll“, treffender kann eine Überschrift kaum sein. Mindestens 130.000 Tiere täglich, das ist der Durchlauf des Gudensberger Geflügelschlachthofs. Dafür entstehen viele neue Mastanlagen in Nordhessen, weil das Geschäft vermeintlich so lukrativ ist. Nun wurde mal eben eine ganze Ladung Tiere geschlachtet und dann im Müll „entsorgt“.

Dem Verbraucher sollten die billigen Hähnchenschenkel im Halse stecken bleiben: Gerade mal zwei Sekunden Zeit pro Tier (!) hat der Fleischbeschauer, um kranke Tiere auszusortieren. Eine ganze Lkw-Ladung mag auffallen, ob das bei jedem einzelnen Tier so möglich ist, sei dahin gestellt.

„Hälfte der Hähnchenproben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet“, meldet „Die Welt online“ Mitte September. Das heißt: Küchenmesser gründlich und heiß abwaschen und das Fleisch extrem gut durchbraten, sonst sind die Keime im Essen. Früher hießen sie Krankenhauskeime, heute kommt MRSA & Co. meist aus der Massentierhaltung.

Mist und Gülle schädigen unsere Grundwasserbestände und das Klima. Das Tierfutter kommt zu 75 Prozent aus Lateinamerika, wo Regenwälder geholzt werden für Anbauflächen. Ja, es ist leider wahr, es hängt alles zusammen. Auch wenn die Wahrheit unangenehm ist. Und das alles, damit täglich billiges Fleisch auf den Tisch kommt? Das ist die halbe Wahrheit, denn Riesenmengen deutsches Fleisch gehen in den Export.

Der Zentralverband der Geflügelzüchter wirbt in Anzeigen mit „Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein.“ Gemeint ist wohl eher das Land mit den billigsten Produktionsmethoden. Das funktioniert mittlerweile gut, weil das deutsche Landwirtschaftsministerium konsequent den Lobbyisten nachgibt und selbst EU-Bestimmungen sabotiert, die für mehr Tierwohl und Umweltschutz sorgen sollen.

In den Niederlanden, der Heimat des Plukon-Konzerns (1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz), gelten längst schärfere Umweltauflagen, höhere Tierhaltungsstandards und strengere Gesundheitsregeln.

Apropos Müll: 346.000 Tonnen Fleisch wurden in Deutschland im Jahr 2013 weggeworfen, darunter 45 Millionen Hühner (Quelle: Fleischatlas extra, Oktober 2014). Weil Fleisch beim Discounter teilweise billiger ist als Katzenfutter, wird eben kopflos gekauft und im Zweifelsfalle einfach weggeschmissen.

Deshalb fordern wir gemeinsam mit Tier- und Umweltschützern: Keine versteckten Subventionen für die Fleischindustrie (u.a. halber Mehrwertsteuersatz), klare Kennzeichnungspflicht der Haltungsbedingungen (wie bei Eiern) und deutlich mehr Förderung einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Andreas Grede, Sprecher der Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung www.bi-chattengau.de oder Facebook: www.facebook.com/BI.chattengau

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